Die Siemens Healthineers Prognose 2026 fällt nach einem schwachen dritten Geschäftsquartal uneinheitlich aus. Der Medizintechnikkonzern rechnet nun nur noch mit einem vergleichbaren Umsatzwachstum von 3,5 bis 4,0 Prozent. Zuvor hatte die Spanne bei 4,5 bis 5,0 Prozent gelegen. Gleichzeitig hob das Unternehmen sein Ziel für das bereinigte unverwässerte Ergebnis je Aktie von 2,20 bis 2,30 Euro auf 2,35 bis 2,45 Euro an. Verantwortlich dafür sind jedoch keine höheren operativen Erwartungen, sondern Rückzahlungen bereits entrichteter US-Zölle.
Im dritten Geschäftsquartal bis Ende Juni erzielte Siemens Healthineers einen Umsatz von 5,764 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahreswert von 5,662 Milliarden Euro entsprach dies einem nominalen Plus von 1,8 Prozent. Auf vergleichbarer Basis, also ohne Währungs- und Portfolioeffekte, wuchs der Umsatz um 2,8 Prozent. Damit blieb der Konzern unter den durchschnittlichen Markterwartungen.
Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern stieg dagegen um 15,6 Prozent auf 1,101 Milliarden Euro. Die bereinigte operative Marge verbesserte sich von 16,8 auf 19,1 Prozent. Unter dem Strich erhöhte sich der Nettogewinn um 21,7 Prozent auf 676 Millionen Euro. Das bereinigte Ergebnis je Aktie erreichte 0,70 Euro nach 0,64 Euro im Vorjahresquartal.
Auch der freie Mittelzufluss fiel mit 1,023 Milliarden Euro deutlich höher aus als ein Jahr zuvor. Rund 200 Millionen Euro davon entfielen nach Unternehmensangaben auf Zollerstattungen. Der Auftragseingang für Geräte übertraf den entsprechenden Umsatz klar. Das Verhältnis von Bestellungen zu Auslieferungen lag bei 1,27.
Die größte Schwachstelle blieb das Labordiagnostikgeschäft. Der Umsatz der Sparte Diagnostics sank nominal um 6,3 Prozent auf 992 Millionen Euro. Vergleichbar betrug der Rückgang 5,5 Prozent. Das bereinigte operative Ergebnis brach von 97 Millionen auf 40 Millionen Euro ein. Die Marge halbierte sich nahezu von 9,2 auf 4,1 Prozent.
Besonders schwierig entwickelte sich China. Der Diagnostikumsatz ging dort deutlich zurück. Zu den Ursachen gehören das staatlich organisierte, volumenbasierte Beschaffungssystem sowie niedrigere Erstattungssätze. Diese Veränderungen drücken die Preise und Absatzmengen bei Labortests. Zusätzlich belastet die Umstellung von Kunden auf eine modernisierte Laborplattform. Während ältere Systeme aus dem Markt genommen werden, entstehen zeitweise Lücken bei Geräte- und Reagenzienumsätzen.
Finanzvorstand Jochen Schmitz rechnet auch im vierten Geschäftsquartal mit einem Rückgang des Diagnostikumsatzes im mittleren einstelligen Prozentbereich. Kostensenkungen aus dem laufenden Umbauprogramm und die Zollerstattungen konnten die Folgen niedrigerer Umsätze, ungünstiger Produktmischungen und negativer Währungseffekte nur teilweise ausgleichen.
Das deutlich größere Bildgebungsgeschäft entwickelte sich stabiler. Imaging steigerte den Umsatz vergleichbar um 2,3 Prozent auf 3,008 Milliarden Euro. Das bereinigte operative Ergebnis wuchs um 13,5 Prozent auf 798 Millionen Euro. Die Marge erhöhte sich von 23,7 auf 26,5 Prozent. Auch hier trugen Zollerstattungen zur Verbesserung bei. In China sank der Umsatz allerdings im hohen einstelligen Prozentbereich.
Am stärksten wuchs Precision Therapy, zu der unter anderem Strahlentherapiesysteme von Varian und Technologien für minimalinvasive Eingriffe gehören. Der Segmentumsatz nahm vergleichbar um 9,2 Prozent auf 1,749 Milliarden Euro zu. Das bereinigte operative Ergebnis stieg um knapp 32 Prozent auf 307 Millionen Euro. Die Marge erreichte 17,5 Prozent nach 14,4 Prozent im Vorjahr.
Bei den positiven Zolleffekten handelt es sich um Rückzahlungen von Abgaben, die in den USA auf Grundlage des International Emergency Economic Powers Act erhoben worden waren. Nach einer gerichtlichen Aufhebung bestimmter Zölle kann Siemens Healthineers bereits geleistete Zahlungen zurückfordern. Die im dritten Quartal verbuchten Erstattungen wirkten sich in allen Segmenten positiv aus.
Weitere Anträge sind nach Angaben des Finanzvorstands noch erforderlich. Zusätzliche Zahlungen dürften deshalb voraussichtlich nicht vor 2027 eingehen. Vorstandschef Bernd Montag erklärte, das Kerngeschäft habe sich bei Umsatz und Ergebnis robust gezeigt. Wegen der Schwäche von Diagnostics werde das Wachstumsziel reduziert, während die Gewinnprognose um den Betrag der Zollerstattungen steige.
Die Börse reagierte zunächst negativ auf die erneute Senkung des Umsatzziels. Die Aktie eröffnete bei rund 36 Euro und fiel zeitweise bis auf 35,71 Euro. Gemessen am vorherigen Schlusskurs von 37,20 Euro entsprach dies einem Minus von etwa vier Prozent.
Im weiteren Tagesverlauf drehte das Papier jedoch ins Plus und erreichte zeitweise 38,10 Euro. Am frühen Abend notierte es bei etwa 37,31 Euro und damit rund 0,3 Prozent über dem Vortag. Die zurückhaltende Gesamtreaktion zeigt, dass Investoren die starke Profitabilität und den Auftragseingang gegen die anhaltenden Probleme im Diagnostikgeschäft abwogen.
Die Analystenurteile blieben unterschiedlich. Jefferies bestätigte seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 50 Euro. Berenberg blieb bei „Hold“ und einem Ziel von 39 Euro. Damit stehen der profitablen Marktposition bei Bildgebung und Krebstherapie weiterhin Zweifel an der kurzfristigen Erholung von Diagnostics gegenüber.
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