Schwächeres Streaming-Wachstum lässt Universal Music abstürzen

Intel Aktie – Kursanstieg an der Nasdaq
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die Universal Music Aktie ist nach der Vorlage der Zahlen für das zweite Quartal 2026 massiv eingebrochen. An der Börse in Amsterdam verlor der Kurs am Freitag rund 24 Prozent und sank auf 14,69 Euro. Im Tagesverlauf fiel das Papier zeitweise bis auf 14,17 Euro und erreichte damit ein neues 52-Wochen-Tief. Es war der stärkste Tagesverlust seit dem Börsengang des weltgrößten Musikkonzerns im Jahr 2021. Ausschlaggebend war nicht der Umsatz, sondern die schwächere organische Entwicklung des wichtigen Abonnementgeschäfts sowie der Rückgang der Profitabilität.

Umsatz wächst deutlich, Ergebnis bleibt zurück

Universal Music Group steigerte den Umsatz im zweiten Quartal auf 3,294 Milliarden Euro. Das waren 10,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Bereinigt um Wechselkurse lag das Wachstum bei 13,3 Prozent. Einen erheblichen Beitrag leistete die Übernahme des Musikdienstleisters Downtown Music Holdings, dessen Zahlen erstmals konsolidiert wurden.

Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, das Adjusted EBITDA, erreichte 674 Millionen Euro. Gegenüber dem Vorjahr entsprach das einem Rückgang von 0,3 Prozent. Bei konstanten Wechselkursen ergab sich ein Plus von 1,5 Prozent.

Die bereinigte EBITDA-Marge sank jedoch um 2,2 Prozentpunkte auf 20,5 Prozent. Damit blieb der Konzern trotz kräftig steigender Erlöse bei der Ergebnisentwicklung hinter den Erwartungen des Marktes zurück. Im ersten Halbjahr erzielte Universal Music ein Adjusted EBITDA von 1,31 Milliarden Euro. Die Halbjahresmarge verringerte sich um 1,6 Prozentpunkte auf 21,1 Prozent.

Organisches Wachstum im Abo-Geschäft enttäuscht

Besonders kritisch bewerteten Anleger die Entwicklung der Einnahmen aus kostenpflichtigen Musikabonnements. Die ausgewiesenen Abonnementerlöse im Bereich Recorded Music stiegen zwar um 16,6 Prozent. Ohne den Beitrag von Downtown betrug das Wachstum jedoch nur 6,7 Prozent. Im ersten Quartal hatte die vergleichbare Rate noch bei 7,9 Prozent gelegen. Analysten hatten im Durchschnitt mit einer deutlich stärkeren Entwicklung gerechnet.

Die Erlöse aus werbefinanziertem Streaming erhöhten sich ausgewiesen um 11,5 Prozent. Auf organischer Basis und bei konstanten Wechselkursen fiel das Wachstum wesentlich schwächer aus. Das Unternehmen verwies dabei auf eine verhaltene Entwicklung der werbefinanzierten Angebote.

Eine Zahl für neu gewonnene Abonnenten veröffentlicht Universal Music nicht. Der Konzern verkauft keine eigenen Streaming-Abos an Endkunden, sondern lizenziert seinen Musikkatalog an Plattformen wie Spotify, Apple Music, Amazon Music, YouTube und weitere Anbieter. Die Kundenzahlen werden deshalb von den jeweiligen Streamingdiensten ausgewiesen. Für Universal Music sind vor allem die Zahl der zahlenden Nutzer auf diesen Plattformen, die Abopreise und die vertraglich vereinbarten Vergütungen entscheidend.

Downtown und Umsatzmix drücken auf die Marge

Das Management führte die schwächere Marge unter anderem auf die Einbeziehung von Downtown zurück. Dessen Geschäftsbereiche arbeiten teilweise mit niedrigeren Margen als das klassische Geschäft mit eigenen Musikaufnahmen und Verlagsrechten.

Zusätzlichen Druck verursachte der Umsatzmix. Überdurchschnittlich stark entwickelten sich physische Tonträger, audiovisuelle Produktionen sowie Live- und verwandte Einnahmen. Diese Geschäfte sind zum Teil weniger profitabel als digitale Abonnementeinnahmen. Hinzu kamen höhere zentrale Kosten und ein kleiner Verlust im Merchandising-Geschäft.

Zu den erfolgreichsten Veröffentlichungen des Quartals zählten Musik von Noah Kahan, BTS, Olivia Rodrigo, Drake und Olivia Dean. Universal Music erklärte zudem, dass höhere Preise und neue Vergütungsmodelle im Rahmen seiner Strategie „Streaming 2.0“ zum Wachstum beigetragen hätten.

Aktie fällt auf 14,69 Euro

Die Aktie hatte den Donnerstag bei rund 19,36 Euro beendet. Am Freitag schloss sie nach den verfügbaren Kursdaten bei 14,69 Euro, ein Minus von 24,11 Prozent. Das Tagestief von 14,17 Euro markierte zugleich den niedrigsten Stand der vergangenen 52 Wochen. Gegenüber dem vorherigen Jahrestief von 15,41 Euro wurde damit eine weitere wichtige Kursmarke unterschritten.

Zeitweise belief sich der Verlust auf etwa 25 Prozent. Dadurch verringerte sich der Börsenwert des Konzerns innerhalb eines Handelstages um rund neun Milliarden Euro auf ungefähr 27 Milliarden Euro. Auch die Aktie des Großaktionärs Vivendi geriet deutlich unter Druck.

Analysten senken ihre Erwartungen

Citi stellte heraus, dass der Quartalsumsatz über der eigenen Prognose gelegen habe, während das bereinigte operative Ergebnis die Erwartung verfehlte. Deutsche Bank führte die schwächere Ergebnisentwicklung unter anderem auf den Umsatz- und Repertoiremix, höhere Konzernkosten und das Merchandising-Geschäft zurück.

JPMorgan bewertete das Quartal als schwach, sah aber Chancen auf eine Verbesserung in der zweiten Jahreshälfte. Eine stärkere Veröffentlichungsplanung und mögliche Marktanteilsgewinne könnten das Wachstum wieder beschleunigen. Auch Deutsche Bank verwies auf eine zuletzt günstigere Entwicklung der Marktanteile.

Unmittelbar nach den Zahlen lagen zunächst keine breit bestätigten neuen Kursziele sämtlicher großer Analysehäuser vor. Vor dem Einbruch bewegten sich veröffentlichte Zwölfmonatsziele in einer großen Spanne von etwa 15 bis mehr als 40 Euro. Der drastische Kursrückgang dürfte deshalb zu neuen Ergebnisprognosen und Kurszielüberprüfungen führen.

Labels und Streamingdienste bleiben voneinander abhängig

Universal Music besitzt einen der weltweit größten Kataloge an Musikaufnahmen und Verlagsrechten. Streamingplattformen benötigen diese Inhalte, um zahlende Kunden zu gewinnen und zu halten. Umgekehrt ist der Musikkonzern darauf angewiesen, dass Spotify, Apple, Amazon, YouTube und andere Dienste ihre Nutzerzahlen und Preise weiter steigern.

Die Verhandlungen drehen sich zunehmend um höhere Abopreise, unterschiedliche Tarifstufen, Angebote für besonders zahlungsbereite Fans und den Umgang mit künstlich erzeugten Inhalten. Der Kurssturz zeigt, wie empfindlich Investoren bereits auf eine moderate Verlangsamung reagieren. Obwohl das Streaminggeschäft weiterhin wächst, erwarten sie von Universal Music eine Kombination aus steigenden Erlösen und kontinuierlich höheren Margen.

Dieser Text stellt keine Anlageberatung und keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Sämtliche Kursangaben sind Momentaufnahmen und können sich jederzeit ändern.

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