
In der AfD Bundestagsfraktion hat Rüdiger Lucassen sein Amt als verteidigungspolitischer Sprecher niedergelegt. Der Rücktritt kommt mitten im Streit über die Wehrpflicht – und kam einer drohenden Abwahl zuvor.
Rüdiger Lucassen trat am 13. April 2026 mit sofortiger Wirkung als verteidigungspolitischer Sprecher der AfD Bundestagsfraktion zurück. In seinem Rücktrittsschreiben an den Fraktionsvorstand begründete er den Schritt damit, die Chancen der AfD bei den anstehenden Landtagswahlen – unter anderem in Sachsen-Anhalt – nicht durch interne Personaldebatten belasten zu wollen. Mit dem Rücktritt kam Lucassen einem Misstrauensantrag im Arbeitskreis Verteidigung zuvor, der am darauffolgenden Dienstag auf die Tagesordnung gebracht werden sollte.
Hintergrund ist ein grundsätzlicher Konflikt über die sicherheitspolitische Ausrichtung der AfD. Lucassen hatte sich nachdrücklich für die Wiedereinführung der Wehrpflicht eingesetzt – so wie es das AfD-Grundsatzprogramm vorsieht. Diese Position stößt jedoch vor allem in ostdeutschen Landesverbänden auf Widerstand. Dort positioniert sich die AfD traditionell als Friedens- und Abrüstungspartei, die einer Aufrüstung skeptisch gegenübersteht.
Der maßgebliche Konflikt soll sich zwischen Lucassen und Anhängern des Thüringer AfD-Chefs Björn Höcke zugespitzt haben. Der Rücktritt gilt damit nicht nur als personeller Schritt, sondern als Symptom tiefer inhaltlicher Spannungen innerhalb der AfD Bundestagsfraktion.
Die Nachfolge von Lucassen soll zunächst interimsmäßig der hessische Bundestagsabgeordnete Jan Nolte übernehmen. Nolte war nach eigenen Angaben von 2008 bis 2024 Soldat und ist Mitglied des Verteidigungsausschusses. Er gilt als verteidigungspolitisch versiert, steht aber vor der Aufgabe, die inhaltlichen Gräben in der Fraktion zu überbrücken.
Die Besetzung der Sprecherposition auf Dauer bleibt offen. Innerhalb der AfD Bundestagsfraktion wird die Debatte über die sicherheitspolitische Linie voraussichtlich weiter schwelen – zumal die Wehrpflichtfrage angesichts des anhaltenden Ukraine-Krieges und der NATO-Diskussionen bundespolitisch hochaktuell bleibt.
Der Abgang Lucassens ist kein Einzelfall: Die AfD kämpft seit ihrem Einzug in den Bundestag als drittstärkste Fraktion mit internen Richtungsdebatten. Zwischen pragmatisch-konservativen Kräften im Westen und dem völkisch-nationalistisch geprägten Lager um Höcke im Osten bestehen erhebliche programmatische Unterschiede, die sich in Sachfragen immer wieder zeigen.
Für die Bundestagsarbeit bedeutet der Rücktritt eine Schwächung in einem für die AfD wichtigen Politikfeld. Verteidigung und Sicherheitspolitik gehören zu den Themen, mit denen die Partei in der Opposition Profil gewinnen wollte. Lucassen galt dabei als einer der fachlich versiertesten Köpfe der Fraktion.
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