
Drei Jahre ist es her: Am 15. April 2023 wurden die letzten drei deutschen Kernkraftwerke vom Netz genommen. Der Atomausstieg Deutschland war damit vollzogen – nach jahrzehntelangem politischen Streit. Doch statt Ruhe ist die Debatte heute lebendiger denn je.
Am 15. April 2023 endete eine Ära: Die Kernkraftwerke Isar 2, Neckarwestheim 2 und Emsland gingen vom Netz. Der Atomausstieg Deutschland war damit formal abgeschlossen – Jahre nach dem ursprünglichen Plan, der nach der Fukushima-Katastrophe 2011 beschleunigt worden war. Was seitdem passiert ist, beschäftigt Energieökonomen, Politiker und Verbraucher gleichermaßen. Deutschland ist heute in weit stärkerem Maße auf Stromimporte angewiesen als noch vor drei Jahren – vor allem aus Frankreich, das seinen Energiemix stark auf Kernkraft stützt.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Im Jahr 2024 importierte Deutschland laut Bundesnetzagentur deutlich mehr Strom als es exportierte – eine Umkehr der langjährigen Rolle als Netto-Exporteur. Besonders in den Wintermonaten, wenn wenig Sonne und Wind verfügbar sind, wird die Abhängigkeit von ausländischen Kapazitäten sichtbar.
Die Strompreise für Haushalte gehören in Deutschland zu den höchsten in Europa. Ob der Atomausstieg dafür ursächlich ist oder ob Netzentgelte, Steuern und der Ausbau der Erneuerbaren stärker ins Gewicht fallen, ist unter Experten umstritten. Klar ist: Der Wegfall der Kernkraft hat Kapazitäten gekostet, die nun teuer ersetzt werden müssen.
Die neue Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD hat sich klar positioniert: Eine Rückkehr zur Kernkraft steht nicht auf der Agenda. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte im Wahlkampf noch offen für eine Laufzeitverlängerung plädiert, doch nach der Koalitionsbildung mit der SPD ist dieses Thema vorerst vom Tisch. Die Kraftwerke befinden sich längst in der Rückbauphase – ein Neustart wäre technisch und wirtschaftlich kaum darstellbar.
Die FDP unter Christian Lindner fordert dennoch eine Debatte über neue Reaktorkonzepte, darunter Small Modular Reactors (SMR). Auch mehrere Unionspolitiker halten den Atomausstieg für nicht abschließend bewertet. Die Grünen dagegen sehen ihn als richtigen Schritt und setzen auf den weiteren Ausbau von Solar- und Windenergie.
Die Bundesregierung konzentriert sich auf den beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien. Bis 2030 sollen mindestens 80 Prozent des deutschen Stromverbrauchs aus regenerativen Quellen gedeckt werden. Dafür braucht es mehr Windräder, den Ausbau des Übertragungsnetzes und mehr Speicherkapazitäten.
Die Standorte der ehemaligen Kernkraftwerke werden derweil zu neuen Industriearealen umgewandelt. Am Standort Isar sollen Solarmodule entstehen, in Neckarwestheim wird über Datenzentren nachgedacht. Der Atomausstieg Deutschland ist damit kein Endpunkt, sondern ein Übergang in eine neue Energiestruktur – mit offenem Ausgang.
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