
BASF hat im zweiten Quartal überraschend deutlich besser abgeschnitten als erwartet und daraufhin die Prognose für das Gesamtjahr angehoben. An der Börse lösten die vorläufigen Zahlen dennoch keine Begeisterung aus. Die BASF-Aktie verlor am Mittwoch zeitweise rund vier Prozent und ging letztlich etwa drei Prozent schwächer aus dem Handel. Anleger blickten vor allem auf den negativen freien Cashflow, schwächere Ergebnisse in einzelnen Sparten und die weiterhin unsicheren Aussichten für die zweite Jahreshälfte.
Nach vorläufigen Berechnungen erreichte BASF im zweiten Quartal 2026 ein EBITDA vor Sondereinflüssen von 2,4 Milliarden Euro. Damit übertraf der Chemiekonzern sowohl den Vorjahreswert von 1,6 Milliarden Euro als auch die durchschnittliche Analystenschätzung von 2,1 Milliarden Euro. Das teilte BASF am Mittwoch mit. Der Umsatz erhöhte sich gegenüber dem Vorjahresquartal um 16 Prozent auf 17,2 Milliarden Euro. Verantwortlich waren nach Unternehmensangaben vor allem höhere Preise und gestiegene Absatzmengen.
Auch das Ergebnis unter dem Strich fiel außergewöhnlich hoch aus. Der Nettogewinn erreichte voraussichtlich 4,1 Milliarden Euro, nachdem BASF im Vorjahresquartal lediglich 79 Millionen Euro ausgewiesen hatte. Der kräftige Anstieg ist allerdings größtenteils auf einen Veräußerungsgewinn von 3,9 Milliarden Euro vor Steuern aus dem Verkauf des Lackgeschäfts an den Finanzinvestor Carlyle zurückzuführen.
BASF hebt Prognose für 2026 an
Wegen der besser als erwarteten Geschäftsentwicklung erhöhte der Vorstand seine Prognose. BASF rechnet für das Gesamtjahr nun mit einem EBITDA vor Sondereinflüssen zwischen 6,9 und 7,7 Milliarden Euro. Bislang hatte das Unternehmen lediglich 6,2 bis 7,0 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Der von BASF veröffentlichte Analystenkonsens liegt mit 7,3 Milliarden Euro allerdings genau in der Mitte der neuen Spanne.
Die neue Prognose brachte deshalb nur begrenzte zusätzliche Fantasie. Nach Einschätzung von Marktbeobachtern spiegelt die angehobene Spanne im Wesentlichen bereits die Erwartungen wider, die Anleger vor der Veröffentlichung hatten. Auch das Handelsblatt berichtete über die Anhebung der Jahresziele nach dem überraschend starken Quartal.
Beim freien Cashflow bleibt BASF bei seiner bisherigen Prognose von 1,5 bis 2,3 Milliarden Euro. Analysten erwarten nach Angaben des Unternehmens im Durchschnitt jedoch bereits einen Wert am oberen Ende dieser Spanne.
Besonders kritisch bewerteten Anleger die Entwicklung des freien Cashflows. Dieser dürfte im zweiten Quartal bei minus 200 Millionen Euro gelegen haben. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum hatte BASF noch einen positiven freien Cashflow von 500 Millionen Euro erzielt. Als Grund nannte der Konzern vor allem eine höhere Kapitalbindung durch gestiegene Rohstoffpreise. Der operative Mittelzufluss sank voraussichtlich von 1,6 Milliarden auf 500 Millionen Euro.
Auch die Entwicklung einzelner Geschäftsbereiche überzeugte nicht vollständig. Während Materials, Industrial Solutions und Agricultural Solutions die jeweiligen Markterwartungen deutlich übertrafen, blieben Chemicals und Surface Technologies laut BASF erheblich hinter den durchschnittlichen Analystenschätzungen zurück. Reuters zufolge richteten Investoren ihren Blick insbesondere auf das schwächere Chemiegeschäft, rückläufige Preise bei mehreren Basischemikalien und das aus der neuen Prognose ableitbare Ergebnistempo im zweiten Halbjahr.
Die BASF-Aktie verlor daraufhin zeitweise rund vier Prozent. Am Nachmittag lag das Minus laut dpa-AFX zunächst bei gut zwei Prozent, zum Handelsschluss betrug der Rückgang rund drei Prozent. Damit gehörte BASF zu den größten Belastungsfaktoren für den DAX, der den Handel bei knapp 25.000 Punkten und 0,59 Prozent im Minus beendete.
Für zusätzliche Vorsicht sorgt die geopolitische Lage. BASF senkte seine Annahmen für das Wachstum der Weltwirtschaft, der Industrieproduktion und der globalen Chemieproduktion. Gleichzeitig erhöhte der Konzern seine erwartete durchschnittliche Ölpreisannahme für 2026 von 65 auf 80 Dollar je Barrel.
Die weitere Entwicklung hängt nach Einschätzung des Unternehmens wesentlich vom Konflikt zwischen den USA und dem Iran sowie vom Zugang zur Straße von Hormus ab. Eine länger andauernde Beeinträchtigung der wichtigen Handelsroute könnte den Transport von Energie und petrochemischen Rohstoffen aus dem Nahen Osten erschweren und die Kosten erhöhen. Deshalb ließ BASF die neue Prognosespanne trotz des starken Quartals vergleichsweise breit.
Die vollständigen Halbjahreszahlen will der Konzern am 29. Juli 2026 veröffentlichen. Dann dürfte sich deutlicher zeigen, ob der Gewinnsprung nachhaltig ist oder ob höhere Rohstoffkosten und schwächere Chemiepreise die Entwicklung im zweiten Halbjahr bremsen.
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