
Die anfängliche Euphorie um den historischen Börsengang von SpaceX ist vorerst verflogen. Die Aktie des Raumfahrt- und Technologiekonzerns von Elon Musk fiel am Mittwoch, 15. Juli 2026, erstmals unter ihren Ausgabepreis von 135 Dollar. Damit wurden die Kursgewinne seit dem Handelsstart zumindest zeitweise vollständig ausgelöscht.
Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters sank die SpaceX-Aktie im Handelsverlauf bis auf rund 134 Dollar. Später wurden zeitweise noch niedrigere Kurse verzeichnet. Der Fall unter die Marke von 135 Dollar gilt am Aktienmarkt als psychologisch bedeutsam, weil Anleger, die beim Börsengang zum offiziellen Ausgabepreis eingestiegen waren, damit erstmals im Minus lagen.
SpaceX hatte seine Aktien am 12. Juni an die US-Technologiebörse Nasdaq gebracht. Der erste Börsenkurs lag mit 150 Dollar noch deutlich über dem Ausgabepreis. Im weiteren Handelsverlauf setzte sich die Rally zunächst fort. Der Börsenwert des Unternehmens stieg auf seinem Höhepunkt auf mehr als 2,6 Billionen Dollar. SpaceX gehörte damit zwischenzeitlich zu den wertvollsten Unternehmen der Welt.
Der Börsengang selbst hatte bereits neue Maßstäbe gesetzt. SpaceX verkaufte die Aktien für jeweils 135 Dollar und nahm zunächst rund 75 Milliarden Dollar ein. Die Bewertung zum Ausgabepreis lag bei etwa 1,77 Billionen Dollar. Nach Angaben des Handelsblatts handelte es sich um den größten Börsengang in der US-Geschichte.
Nur wenige Wochen nach dem Handelsstart hat sich das Bild jedoch deutlich verändert. Laut Reuters ist der Börsenwert von SpaceX inzwischen wieder auf ungefähr 1,75 Billionen Dollar gesunken. Gegenüber dem zwischenzeitlichen Höchststand wurden damit rechnerisch mehr als 800 Milliarden Dollar an Marktwert vernichtet.
Als ein Grund für den Kursrückgang gelten Gewinnmitnahmen. Anleger, die frühzeitig Aktien erhalten oder kurz nach dem Börsendebüt gekauft hatten, konnten zunächst hohe Buchgewinne verbuchen. Mit nachlassender Euphorie dürften einige Investoren diese Gewinne gesichert haben.
Hinzu kommen Zweifel an der außergewöhnlich hohen Bewertung. SpaceX vereint zwar das etablierte Geschäft mit Raketenstarts, die Satellitenkonstellation Starlink und ambitionierte Technologieprojekte. Ein erheblicher Teil des Börsenwerts basiert jedoch auf Erwartungen an künftiges Wachstum. Werden diese Erwartungen vorsichtiger beurteilt, kann sich das besonders stark auf den Aktienkurs auswirken.
Die Aktie hat damit eine Entwicklung genommen, die bei stark beachteten Börsengängen häufiger zu beobachten ist: Auf die erste Phase mit hoher Nachfrage und kräftigen Kursgewinnen folgt eine Neubewertung anhand der Geschäftszahlen, Investitionspläne und langfristigen Ertragsaussichten.
Belastend wirken laut Reuters auch die umfangreichen Investitionen des Unternehmens. SpaceX benötigt große Summen für neue Starlink-Satelliten, die Weiterentwicklung des Starship-Raketensystems und zusätzliche Technologie- sowie KI-Infrastruktur. Teile dieser Expansion werden über Fremdkapital finanziert.
Hohe Investitionen sind für ein wachsendes Technologieunternehmen nicht grundsätzlich ungewöhnlich. Anleger achten jedoch zunehmend darauf, wann sich die Ausgaben in steigenden Gewinnen und einem verlässlichen freien Cashflow niederschlagen. Die Verbindung von Raumfahrt, Satelliteninternet und künstlicher Intelligenz eröffnet SpaceX große Wachstumschancen, erhöht aber zugleich die finanziellen und technischen Risiken.
Auch die allgemeine Lage an den Technologiebörsen spielt eine Rolle. Steigende Zinserwartungen können hoch bewertete Wachstumsaktien unter Druck setzen. Künftige Gewinne sind bei höheren Zinsen aus heutiger Sicht weniger wert, wodurch Anleger besonders ambitionierte Bewertungen kritischer prüfen.
Der nächste wichtige Termin für die SpaceX-Aktie dürften die ersten Quartalszahlen seit dem Börsengang sein. Diese werden Reuters zufolge Anfang August erwartet. Anleger werden dabei insbesondere auf Umsatzwachstum, Investitionsausgaben, Verschuldung und die Entwicklung des Starlink-Geschäfts achten.
Zusätzliche Unsicherheit bringt das spätere Ende der Haltefristen für Altaktionäre. Sobald weitere Aktien verkauft werden dürfen, könnte das Angebot am Markt steigen. Ob dadurch neuer Verkaufsdruck entsteht, hängt jedoch davon ab, wie viele frühe Investoren ihre Beteiligungen tatsächlich reduzieren.
Der Rückgang unter den IPO-Preis bedeutet noch nicht, dass die langfristige Wachstumsstory von SpaceX gescheitert ist. Er zeigt aber, dass selbst ein Unternehmen mit hoher Bekanntheit und ehrgeizigen Zukunftsplänen seine Bewertung nach dem Börsengang gegenüber skeptischer werdenden Anlegern rechtfertigen muss.
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