BASF und Evonik: Was hinter den möglichen Übernahmegesprächen steckt

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Ein Bericht über mögliche Gespräche zwischen BASF und Evonik sorgt in der deutschen Chemieindustrie für Aufmerksamkeit. Der Finanzdienst Dealreporter berichtete, BASF habe im Laufe dieses Jahres Möglichkeiten für eine Transaktion mit dem Essener Spezialchemiekonzern geprüft. Der Dienst berief sich dabei auf drei mit der Angelegenheit vertraute Personen. Eine offizielle Bestätigung für konkrete Übernahmeverhandlungen oder ein bevorstehendes Angebot lag am Dienstagvormittag nicht vor.

Damit ist eine BASF Übernahme von Evonik derzeit keine beschlossene oder angekündigte Transaktion. Offen ist auch, welche Form ein möglicher Zusammenschluss überhaupt haben könnte und ob die früheren Gespräche noch andauern. Nach der bisherigen Darstellung sollen Gespräche zwischen den beiden Unternehmen stattgefunden haben. Wie weit diese gingen, blieb zunächst unklar.

BASF soll mögliche Transaktion geprüft haben

Dealreporter zufolge hat BASF eine mögliche Transaktion mit Evonik ausgelotet. Zugleich wurden die Aussichten auf einen Abschluss in der ursprünglichen Darstellung als schwer einzuschätzen beschrieben. Als ein möglicher begrenzender Faktor gelten die finanziellen Prioritäten von BASF.

Der Ludwigshafener Konzern befindet sich selbst in einem umfangreichen Umbau. BASF treibt unter anderem die Verselbstständigung von Agricultural Solutions voran und hat Citi, Deutsche Bank, Goldman Sachs und JPMorgan mit der Vorbereitung eines geplanten Börsengangs beauftragt. Die Notierung soll nach der derzeitigen Planung Mitte 2027 erfolgen.

Daneben hat BASF ein Aktienrückkaufprogramm über bis zu eine Milliarde Euro gestartet und angekündigt, seine Nettoverschuldung deutlich reduzieren zu wollen. Vor diesem Hintergrund wäre eine große Akquisition eine zusätzliche Kapitalentscheidung von erheblicher Größenordnung.

BASF erzielte 2025 einen Umsatz von knapp 59,7 Milliarden Euro. Evonik kam im selben Jahr auf rund 14,1 Milliarden Euro Umsatz. Schon diese Größenordnungen zeigen, dass ein vollständiger Zusammenschluss zu den bedeutendsten Transaktionen der europäischen Chemieindustrie zählen würde.

RAG-Stiftung hält weiterhin rund 44 Prozent

Eine zentrale Rolle würde bei jeder möglichen Übernahme die RAG-Stiftung spielen. Sie hält gegenwärtig rund 44 Prozent der Evonik-Aktien und ist damit mit großem Abstand der wichtigste Einzelaktionär des Konzerns.

Die Stiftung finanziert aus ihrem Vermögen unter anderem die dauerhaften Aufgaben des deutschen Steinkohlebergbaus. Die Evonik-Beteiligung ist dabei seit Jahren ein wesentlicher Bestandteil ihres Anlagevermögens.

Gleichzeitig verfolgt die RAG-Stiftung bereits seit längerem das Ziel, ihren Evonik-Anteil schrittweise und marktschonend zu reduzieren. Als langfristige Zielgröße hat die Stiftung einen Anteil von 25,1 Prozent genannt. Im Juni 2026 brachte sie erneut eine Umtauschanleihe auf Evonik-Aktien auf den Markt.

Daraus lässt sich jedoch keine Bereitschaft ableiten, das gesamte Aktienpaket an BASF zu verkaufen. Eine entsprechende Vereinbarung oder Verhandlung mit BASF war zunächst nicht bestätigt.

Evonik baut den Konzern gleichzeitig weiter um

Die Meldung über mögliche Gespräche fällt in eine Phase weitreichender Veränderungen bei Evonik. Der Konzern kündigte am Dienstag die nächste Phase seines Umbaus an, die von 2027 bis 2029 laufen soll.

Evonik will sich unter anderem von den Einheiten Oxeno und Syneqt trennen. Beide Gesellschaften beschäftigen zusammen rund 4.300 Menschen. Für Oxeno laufen nach Angaben des Unternehmens bereits Gespräche mit potenziellen Investoren. Der Verkaufsprozess für Syneqt soll 2027 beginnen.

Damit verfolgt Evonik unabhängig von möglichen Gesprächen mit BASF einen eigenen Portfolioumbau. Bereits seit 2024 sollen Hierarchien reduziert, Kosten gesenkt und der Konzern stärker auf ausgewählte Spezialchemiegeschäfte konzentriert werden.

Diese Entwicklung könnte die Struktur von Evonik verändern, bevor eine mögliche größere Unternehmenstransaktion überhaupt konkret würde.

Aktien zeigen bislang kein eindeutiges Übernahmemuster

An der Börse war zunächst kein Kursbild zu erkennen, das auf die Erwartung eines unmittelbar bevorstehenden Übernahmeangebots schließen ließe. Die Evonik-Aktie hatte den Montag im Xetra-Handel bei 17,24 Euro beendet, 0,4 Prozent unter dem vorherigen Schlusskurs. Die BASF-Aktie schloss bei 51,36 Euro und damit ebenfalls 0,5 Prozent im Minus.

Für den Dienstagvormittag lagen zunächst keine einheitlich zeitgestempelten Xetra-Kursdaten vor, aus denen sich eine verlässliche unmittelbare Reaktion ausschließlich auf den Bericht über BASF und Evonik ableiten ließe. Zudem standen Evonik-Aktien gleichzeitig wegen der neu angekündigten Konzernumbauten und geplanten Beteiligungsverkäufe im Blick.

Bei Übernahmegerüchten steigen Aktien eines möglichen Zielunternehmens häufig, weil Anleger einen Aufschlag auf den vorherigen Börsenkurs erwarten. Ob eine einzelne Kursbewegung tatsächlich auf eine solche Erwartung zurückgeht, lässt sich ohne weitere Informationen jedoch nicht eindeutig feststellen.

Kartellbehörden würden zahlreiche Märkte prüfen

Ein möglicher Zusammenschluss von BASF und Evonik hätte erhebliche wettbewerbsrechtliche Bedeutung. BASF zählt Evonik selbst zu seinen wichtigsten weltweiten Wettbewerbern. Überschneidungen bestehen unter anderem in verschiedenen Bereichen der Spezialchemie, bei Additiven, Inhaltsstoffen für industrielle Anwendungen sowie in Teilen des Geschäfts mit Ernährung und Pflege.

Eine Transaktion dieser Größenordnung müsste deshalb einer umfassenden Fusionskontrolle unterzogen werden. Welche Behörde letztlich zuständig wäre, würde von der konkreten Ausgestaltung und der regionalen Umsatzverteilung abhängen. Die europäischen Fusionskontrollregeln sehen für sehr große grenzüberschreitende Zusammenschlüsse eine Prüfung durch die Europäische Kommission vor.

Dabei würde nicht die Chemiebranche insgesamt betrachtet. Entscheidend wären einzelne Produktmärkte, Marktanteile, Wettbewerber und die Frage, ob Kunden nach einem Zusammenschluss noch ausreichend alternative Anbieter hätten. Denkbar wären bei problematischen Überschneidungen auch Auflagen oder der Verkauf einzelner Aktivitäten. Ob solche Maßnahmen tatsächlich erforderlich wären, lässt sich ohne eine konkrete Transaktionsstruktur nicht beurteilen.

Zusammenschluss hätte auch industriepolitische Bedeutung

Über das Kartellrecht hinaus hätte eine Verbindung der beiden Konzerne industriepolitische Tragweite. BASF ist der größte deutsche Chemiekonzern, Evonik einer der international bedeutenden Spezialchemieanbieter. Beide Unternehmen betreiben wichtige Produktionsstandorte in Deutschland und stehen zugleich unter dem Druck hoher Kosten, weltweiter Überkapazitäten und zunehmender Konkurrenz aus Asien, Nordamerika und dem Nahen Osten.

Ein Zusammenschluss würde deshalb auch Fragen nach Standorten, Investitionen und der künftigen Struktur der europäischen Chemieindustrie aufwerfen. Konkrete Aussagen über mögliche Werksschließungen, Stellenverlagerungen oder Synergien wären derzeit jedoch spekulativ.

Entscheidend bleibt zunächst, ob aus den berichteten Kontakten tatsächlich neue Gespräche entstehen. Offiziell bestätigt war am Dienstag weder ein Übernahmeangebot noch eine Vereinbarung zwischen BASF, Evonik und der RAG-Stiftung.

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