
Die TUI-Aktie bleibt trotz einer präzisierten Gewinnprognose nahe ihrem Jahrestief. Europas größter Reisekonzern hat am Dienstagmorgen seine Spanne für das bereinigte operative Ergebnis im Geschäftsjahr 2026 eingeengt. TUI erwartet nun ein bereinigtes EBIT zwischen 1,2 und 1,3 Milliarden Euro. Bislang hatte die Prognose bei 1,1 bis 1,4 Milliarden Euro gelegen. Gleichzeitig zeigen die neuen Buchungszahlen, dass viele Kunden ihre Reisen weiterhin vergleichsweise kurzfristig buchen.
Grund für die engere Prognosespanne sind nach Unternehmensangaben eine starke Nachfrage im Geschäft mit Hotels, Kreuzfahrten und Urlaubserlebnissen sowie eine zuletzt verbesserte Buchungsdynamik bei Veranstalterreisen und im Fluggeschäft. Die Prognose gilt zu konstanten Wechselkursen und unter der Annahme, dass sich die geopolitischen Spannungen nicht wesentlich verschärfen und die Treibstoffversorgung gewährleistet bleibt.
Damit hebt TUI vor allem die Untergrenze der bisherigen Erwartung an. Im Geschäftsjahr 2025 hatte der Konzern ein bereinigtes EBIT von rund 1,41 Milliarden Euro erzielt. Die Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr bleibt dagegen ausgesetzt. TUI hatte seine ursprünglichen Jahresziele bereits im Frühjahr angesichts der geopolitischen Unsicherheit und der Belastungen im Reisegeschäft angepasst.
Die vollständigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2026 will der Konzern am 9. Dezember veröffentlichen. Das TUI-Geschäftsjahr endet Ende September.
Das neue Buchungsupdate zeigt zugleich, warum die Lage für den Konzern nicht in allen Bereichen gleichermaßen komfortabel ist. Für den Winter 2026/27 liegt der gebuchte Umsatz im Bereich Markets + Airline nach dem Stand vom 13. September sieben Prozent unter dem Vergleichswert des Vorjahres. In Großbritannien beträgt das Minus neun Prozent, in Deutschland vier Prozent.
TUI verweist dabei auf den anhaltenden Trend zu späteren Reiseentscheidungen. In den jüngsten vier Wochen vor dem Stichtag verbesserte sich die Entwicklung allerdings deutlich. Der gebuchte Umsatz lag in diesem Zeitraum nur noch ein Prozent unter dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. Die durchschnittlichen Verkaufspreise blieben nach Angaben des Konzerns stabil.
Auch im auslaufenden Sommergeschäft war diese Verschiebung zu kurzfristigeren Buchungen sichtbar. Der insgesamt gebuchte Umsatz für den Sommer 2026 liegt fünf Prozent unter dem Vorjahr. In den jüngsten vier Wochen vor dem Stichtag lag er dagegen zwei Prozent höher als im entsprechenden Zeitraum des vergangenen Jahres. TUI hatte seine auf eigenes Risiko eingekauften Kapazitäten für den Sommer um fünf Prozent reduziert.
Deutlich robuster entwickelt sich weiterhin das Geschäft mit eigenen und verbundenen Hotels sowie Kreuzfahrtschiffen. Für die erste Hälfte des Geschäftsjahres 2027 erwartet TUI bei Hotels und Resorts sieben Prozent mehr verfügbare Übernachtungskapazität als im Vergleichszeitraum. Die durchschnittliche Tagesrate liegt nach aktuellem Buchungsstand ein Prozent höher.
Bei den Kreuzfahrten wächst die angebotene Kapazität noch kräftiger. Die Zahl der verfügbaren Passagiertage soll in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2027 um 17 Prozent steigen. Die durchschnittlichen Tagesraten liegen zwei Prozent über dem Vorjahresniveau. Allerdings befindet sich die gebuchte Auslastung derzeit noch sechs Prozentpunkte unter dem Vergleichswert. TUI führt dies unter anderem auf die spätere Vermarktung veränderter Routen zurück.
Diese Unterschiede zwischen den Geschäftsfeldern sind für TUI von besonderer Bedeutung. Der Konzern verbindet klassische Reiseveranstalter, Fluggesellschaften und Vertrieb mit eigenen Hotelmarken, Kreuzfahrtschiffen und Aktivitäten an den Urlaubsorten. Gerade Hotels und Kreuzfahrten haben sich zuletzt als wichtige Ergebnisstützen erwiesen, während das Veranstalter- und Airlinegeschäft stärker auf kurzfristige Änderungen der Nachfrage und steigende Kosten reagiert.
Für einen Konzern mit eigenen Fluggesellschaften spielt die Entwicklung der Treibstoffpreise weiterhin eine wichtige Rolle. TUI sichert einen Teil des erwarteten Bedarfs im Voraus ab. Für den Winter 2026/27 waren zum Stand vom 14. September 63 Prozent des erwarteten Flugtreibstoffbedarfs abgesichert. Beim US-Dollar lag die Absicherungsquote bei 82 Prozent und beim Euro bei 77 Prozent.
Die Absicherungen reduzieren kurzfristige Schwankungen, beseitigen das Kostenrisiko aber nicht vollständig. Gleichzeitig können Konflikte in wichtigen Zielregionen Flugpläne, Kreuzfahrtrouten und die Reisebereitschaft beeinflussen. Deshalb knüpft TUI seine Gewinnprognose ausdrücklich an die Annahme, dass es keine wesentliche weitere Verschärfung der geopolitischen Lage gibt.
An der Börse hat sich die operative Stabilisierung bisher nur begrenzt im Aktienkurs niedergeschlagen. Am Dienstag, 22. September 2026, notierte die TUI-Aktie um 08:40 Uhr am Handelsplatz Stuttgart bei 6,50 Euro. Das Jahrestief von 6,08 Euro war am 30. April 2026 erreicht worden. Damit bewegte sich das Papier weiterhin nur rund sieben Prozent über seinem niedrigsten Stand des Jahres.
Der Abstand zwischen Aktienkurs und operativer Prognose macht das aktuelle Update besonders relevant. TUI kann seine erwartete Gewinnspanne zum Ende des Geschäftsjahres enger fassen und verweist auf eine verbesserte Buchungsdynamik. Gleichzeitig bleiben die Winterbuchungen unter dem Vorjahresniveau, während wirtschaftliche Unsicherheit, Treibstoffkosten und geopolitische Risiken die Reisebranche weiter begleiten.
Mit dem Buchungsupdate liegt nun eine deutlich konkretere Grundlage für das Geschäftsjahresende vor. Der nächste umfassende finanzielle Einblick folgt mit den Jahreszahlen am 9. Dezember 2026.






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