
Der SSV Ulm 1846 Fußball treibt nach dem Abstieg aus der 3. Liga den Neuaufbau für die Regionalliga Südwest weiter voran. Wie der Verein am Montag, 8. Juni 2026, mitteilte, hat Benjamin Goller einen Vertrag bis 2027 unterschrieben. Der 27 Jahre alte Flügelspieler kommt vom 1. FC Nürnberg, wo er zuletzt keine sportliche Perspektive mehr hatte. Auch der kicker berichtet über den Wechsel und ordnet ihn als weiteren Baustein im neu formierten Ulmer Regionalliga-Kader ein.
Benjamin Goller wechselt ablösefrei an die Donau und bringt für einen Viertligisten eine ungewöhnlich breite Vita mit. Der gebürtige Reutlinger wurde unter anderem im Nachwuchs der Stuttgarter Kickers und des FC Schalke 04 ausgebildet. Für Schalke kam er zwar nicht in der Bundesliga zum Einsatz, absolvierte aber im Dezember 2018 ein Pflichtspiel in der Champions League. Anschließend wechselte er zu Werder Bremen, wo er in der Bundesliga eingesetzt wurde. Es folgten Stationen beim Karlsruher SC, bei Darmstadt 98 und beim 1. FC Nürnberg.
Seine stärkste Phase hatte Goller in Karlsruhe. Dort kam er in der 2. Bundesliga regelmäßig zum Einsatz und zeigte seine Qualitäten über Tempo, Läufe in die Tiefe und Aktionen über die Außenbahn. Beim 1. FC Nürnberg gelang ihm dieser Durchbruch nicht dauerhaft. Insgesamt stehen für ihn laut den verfügbaren Profildaten 10 Bundesliga-Spiele, 98 Zweitliga-Spiele, 7 DFB-Pokal-Partien und ein Champions-League-Einsatz zu Buche.
In Nürnberg hatte sich Gollers Situation schon vor der Saison 2025/26 zugespitzt. Der kicker berichtete bereits im September 2025, dass der Offensivspieler in den Planungen des FCN keine Rolle mehr spiele. Der Verein habe ihm Wechseloptionen aufgezeigt, die er nicht wahrgenommen habe. Daraufhin wurde Goller bis auf Weiteres in den Trainingsbetrieb der U23 versetzt. Für Spiele der Reserve war er nach damaliger Vereinsdarstellung ebenfalls keine Option.
Das spiegelte sich auch in den Einsatzdaten wider. In der Zweitliga-Saison 2025/26 kam Goller für den Nürnberger Profikader nicht zum Einsatz. Auch für die Nürnberger U23 in der Regionalliga Bayern werden keine Pflichtspieleinsätze geführt. Damit endet seine Zeit beim Club nach einer sportlich schwierigen Phase.
Für den SSV Ulm ist die Verpflichtung Teil eines größeren Neustarts. Der Klub war 2024 noch in die 2. Bundesliga aufgestiegen, stieg 2025 wieder in die 3. Liga ab und wurde in der Saison 2025/26 direkt in die Regionalliga Südwest durchgereicht. Der Abstieg aus der 3. Liga stand nach dem 0:2 gegen Viktoria Köln Anfang Mai fest. Damit endete eine sportlich extreme Phase mit zwei Aufstiegen und zwei Abstiegen innerhalb weniger Jahre.
Die Gründe für den erneuten Rückschlag lagen nicht nur auf dem Platz. Die Sportschau verwies in ihrer Einordnung auf eine fehlerhafte Personalplanung, die Entlassung von Erfolgstrainer Thomas Wörle im Frühjahr 2025 und einen großen personellen Umbruch im vergangenen Sommer. Auch auf sportlicher Leitungsebene fehlte über Wochen Kontinuität. Markus Thiele war nicht mehr in der Verantwortung, Stephan Schwarz trat im März 2026 nach kurzer Amtszeit zurück. Seit Mitte Mai plant Murat Isik als Sportdirektor den Neuaufbau.
Sportlich passt Benjamin Goller Ulm gut zueinander. Der SSV braucht nach dem Abstieg Spieler, die höherklassige Erfahrung mitbringen, aber zugleich bereit sind, sich auf die Regionalliga einzulassen. Goller ist gelernter Außenbahnspieler, kann Tempo aufnehmen, Breite geben und mit seinen Läufen hinter die letzte Linie Räume schaffen. Gerade in einer Liga, in der Ulm voraussichtlich häufiger selbst das Spiel machen muss, kann ein erfahrener Flügelspieler wichtig werden.
Laut SSV hat Goller bis 2027 unterschrieben. Der Verein stellt bei der Verpflichtung seine Erfahrung in den Vordergrund. Sportdirektor Murat Isik wird in der Vereinsmitteilung mit der Einschätzung zitiert, dass man sich sehr über die Verpflichtung freue. Klar ist: Der Transfer zeigt, dass Ulm den Kader nicht nur mit Perspektivspielern, sondern auch mit erfahrenen Profis stabilisieren will.
Goller ist nicht der erste Neuzugang des Sommers. Zuvor hatte Ulm bereits Halim Eroglu von der TSG Balingen und Leon Müller vom MSV Duisburg verpflichtet. Beide unterschrieben ebenfalls Verträge bis 2027. Dazu verlängerte Identifikationsfigur Johannes Reichert seinen Vertrag um ein weiteres Jahr. Die Kaderplanung zeigt damit eine klare Richtung: Ulm will nach dem Abstieg eine Mannschaft aufbauen, die die Regionalliga Südwest kennt, aber zugleich genug Qualität für den Anspruch eines früheren Zweitligisten besitzt.
Für Benjamin Goller geht es in Ulm auch persönlich um einen Neustart. Nach mehr als einem Jahr ohne Pflichtspieleinsatz bekommt er beim SSV die Chance, wieder regelmäßig auf dem Platz zu stehen. Für Ulm beginnt die neue Saison in der Regionalliga Südwest am Wochenende vom 7. bis 9. August 2026.
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