
Die Stimmung bei Technologieaktien in den USA ist am Mittwoch auseinandergegangen. Während zahlreiche Halbleiterwerte deutlich verloren, setzte sich Apple mit einem kräftigen Kursanstieg an die Spitze der großen Technologiekonzerne. Selbst die überraschend starken Zahlen des europäischen Chipausrüsters ASML konnten den Sektor nicht dauerhaft stützen. Die Entwicklung zeigt, wie hoch die Erwartungen an Unternehmen sind, die vom Boom rund um Künstliche Intelligenz profitieren.
Der Philadelphia Semiconductor Index, der wichtige US-Halbleiterunternehmen bündelt, verlor nach Angaben von Reuters im Handelsverlauf zeitweise rund 2,9 Prozent. Der Index fiel damit auf den tiefsten Stand seit etwa einer Woche und gab einen Teil seiner vorherigen Gewinne wieder ab. Auch der Technologiesektor im S&P 500 stand unter Druck.
Nvidia konnte sich dem schwachen Umfeld nicht entziehen. Gegen 20.08 Uhr deutscher Zeit lag die Aktie des KI-Chipkonzerns rund 0,7 Prozent unter ihrem Vortagesschluss. Im Tagesverlauf hatte das Papier noch deutlichere Verluste verzeichnet. Der Kurs bewegte sich zwischen rund 206 und 214 Dollar.
Der Rückgang ist Teil einer größeren Konsolidierung. Reuters hatte bereits zu Wochenbeginn darauf hingewiesen, dass der Philadelphia Semiconductor Index seit seinem Rekordhoch im Juni mehr als elf Prozent eingebüßt hatte. Gleichzeitig lag er seit Jahresbeginn weiterhin rund 83 Prozent im Plus. Nach der vorangegangenen Rally reagieren Anleger entsprechend empfindlich auf Anzeichen, dass sich das Wachstum der KI-Investitionen abschwächen könnte.
Apple entwickelte sich dagegen zu einem wichtigen Stützpfeiler für die Nasdaq. Reuters bezifferte das Kursplus am frühen US-Nachmittag auf 3,6 Prozent. Gegen 20.08 Uhr deutscher Zeit lag die Aktie sogar rund 3,9 Prozent im Plus bei etwa 327 Dollar. Damit näherte sie sich ihrem Tageshoch von 328,49 Dollar.
Nach Angaben von dpa-AFX erhielt Apple unter anderem Rückenwind durch positive Nachrichten zum iPhone-Geschäft. Der Konzern habe im zweiten Quartal einen Anteil von 20 Prozent am weltweiten Smartphone-Markt erreicht. Zusätzlich wurde Apple Intelligence bei der chinesischen Internetaufsicht registriert. Dies gilt als wichtiger regulatorischer Schritt für eine Einführung der KI-Funktionen auf dem chinesischen Markt.
Apple profitierte damit von einer besonderen Konstellation: Während Anleger bei klassischen KI- und Halbleiterwerten Gewinne mitnahmen, wurden die Nachrichten aus China als mögliche Verbesserung der Wachstumschancen bewertet. Der Kursanstieg half, die Belastungen durch Nvidia und andere Chipunternehmen im Nasdaq zumindest teilweise auszugleichen.
Auch ASML lieferte zunächst Argumente für steigende Chipaktien. Der niederländische Konzern erzielte im zweiten Quartal einen Umsatz von 9,3 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von 2,9 Milliarden Euro. Die Bruttomarge erreichte 54 Prozent. Für das Gesamtjahr erwartet das Unternehmen nun Erlöse zwischen 43 und 45 Milliarden Euro sowie eine Bruttomarge von 54 bis 56 Prozent.
Die Aktie sprang nach der Veröffentlichung zunächst um fast acht Prozent nach oben. Im weiteren Handelsverlauf verschwanden die Gewinne jedoch vollständig. Zum Börsenschluss verlor ASML 0,41 Prozent und notierte bei 1.549,40 Euro.
Als ein Grund für die Ernüchterung galt der geplante Kapazitätsausbau. Nach Angaben von dpa-AFX verwies Jefferies-Analyst Janardan Menon darauf, dass der für 2027 angekündigte Ausbau der Produktionskapazitäten für Standard-EUV-Anlagen geringer ausfalle als von Teilen des Marktes erwartet. Die Geschäftszahlen überzeugten damit zwar, der längerfristige Ausblick erfüllte aber nicht sämtliche hochgesteckten Erwartungen.
Die gegenläufigen Kursbewegungen machen den derzeitigen Bewertungsdruck im Technologiesektor sichtbar. Bei vielen Halbleiterunternehmen haben Anleger bereits starkes Wachstum, hohe Margen und dauerhaft steigende Investitionen in KI-Rechenzentren eingepreist. Reuters zufolge sollen sich die Gewinne der Unternehmen im S&P-1500-Index für Halbleiter und Chipausrüstung 2026 mehr als verdoppeln. Für 2027 wird allerdings nur noch ein Gewinnwachstum von 46,1 Prozent erwartet.
Dadurch reicht es nicht mehr aus, die bisherigen Erwartungen lediglich zu erfüllen. Unternehmen müssen Prognosen und Ausbaupläne vorlegen, die über die bereits hohen Annahmen des Marktes hinausgehen. ASML ist dafür ein anschauliches Beispiel: Der Konzern erhöhte seine Ziele deutlich und übertraf im zweiten Quartal die Erwartungen, doch die Aktie beendete den Tag dennoch im Minus.
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