Deutz-Aktie verliert Abstand zum Rekordhoch vor FFG-Übernahme

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Nach dem kräftigen Kursanstieg der vergangenen Monate hat die Deutz-Aktie einen Teil ihrer Gewinne wieder abgegeben. Am Freitag, 25. September 2026, schloss das Papier im Xetra-Handel bei 11,17 Euro. Noch am 10. September hatte die Aktie bei 13,35 Euro ein neues 52-Wochen-Hoch erreicht. Damit lag der Kurs zum Ende der vergangenen Handelswoche rund 16 Prozent unter diesem Höchststand. Im Mittelpunkt steht neben der strategischen Neuausrichtung des Kölner Motorenherstellers vor allem die geplante Übernahme der Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft, kurz FFG.

Die Deutz-Aktie nach Rally steht damit in einer neuen Phase. Die grundsätzliche Finanzierung des milliardenschweren Zukaufs ist weiter fortgeschritten, als manche aktuelle Börsenkommentare nahelegen. Deutz hat bereits konkrete Vereinbarungen zur Finanzierung veröffentlicht. Noch nicht abgeschlossen ist dagegen die Transaktion selbst. Für den Vollzug fehlen weiterhin einzelne Voraussetzungen.

Deutz will FFG für rund 1,6 Milliarden Euro übernehmen

Deutz hatte Anfang Juli einen Vertrag über den Erwerb von 100 Prozent der Anteile an FFG geschlossen. Der vereinbarte Kaufpreis liegt bei rund 1,6 Milliarden Euro. FFG entwickelt, produziert, modernisiert und wartet militärische Rad- und Kettenfahrzeuge und gehört zu den etablierten Unternehmen der deutschen Verteidigungsindustrie. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 1.100 Mitarbeiter an neun Standorten.

Für Deutz wäre die Transaktion der größte Zukauf der bisherigen Unternehmensgeschichte. Der Konzern will sich damit deutlich breiter aufstellen. FFG soll nach dem Vollzug operativ eigenständig bleiben und den Kern des Geschäftsbereichs Defense bilden. Damit erweitert Deutz sein bisher vor allem auf Motoren, Service, Energieversorgung und neue Antriebstechnologien ausgerichtetes Geschäft erheblich.

FFG erzielte nach Angaben von Deutz 2025 einen Umsatz von rund 760 Millionen Euro. Der Auftragsbestand lag zuletzt bei mehr als 1,9 Milliarden Euro. Für 2027 erwartet Deutz bei FFG einen Umsatz von deutlich mehr als einer Milliarde Euro und eine Marge von mehr als 20 Prozent. Dabei handelt es sich um Erwartungen des Unternehmens und nicht um bereits realisierte Geschäftszahlen.

Finanzierungsstruktur für den FFG-Kauf steht bereits

Der Kaufpreis soll aus zwei wesentlichen Komponenten finanziert werden. Rund eine Milliarde Euro entfallen nach den bisherigen Vereinbarungen auf eine fremdfinanzierte Barkomponente. Dafür hat sich Deutz nach eigenen Angaben verbindliche Finanzierungszusagen eines Konsortiums internationaler Banken gesichert. Weitere derzeit rund 600 Millionen Euro sollen über neu ausgegebene Deutz-Aktien finanziert werden.

Diese Aktien sollen an die bisherigen Eigentümerfamilien von FFG gehen. Nach Abschluss der Transaktion sollen sie dadurch mit einem Anteil von bis zu 29,9 Prozent zu langfristigen Ankeraktionären von Deutz werden. Die dafür notwendige Kapitalerhöhung gegen Sacheinlage wurde von der außerordentlichen Hauptversammlung am 24. August mit 99,7 Prozent der abgegebenen Stimmen gebilligt.

Damit ist die grundlegende Finanzierungsarchitektur des FFG-Kaufs festgelegt. Offen sind allerdings weitere Einzelheiten und die endgültigen Auswirkungen auf Bilanz, Verschuldung und Finanzierungskosten des Konzerns. Auch der endgültige Wert der Aktienkomponente hängt von der konkreten Umsetzung der vereinbarten Struktur ab. Zusätzlich wurden variable Vergütungsbestandteile vereinbart.

Weitere Kapitalerhöhung brachte Deutz 179 Millionen Euro

Mitte September nahm Deutz zusätzlich frisches Eigenkapital auf. Das Unternehmen platzierte rund 15,3 Millionen neue Aktien bei institutionellen Investoren zu einem Preis von jeweils 11,70 Euro. Der Bruttoemissionserlös lag bei rund 179 Millionen Euro. Das Grundkapital erhöhte sich dadurch um zehn Prozent auf rund 167,9 Millionen Aktien.

Deutz erklärte, der Nettoerlös solle zur Optimierung der Kapitalstruktur und zur Stärkung der finanziellen Flexibilität für künftige Wachstumschancen dienen. Die Gesellschaft bezeichnete diese Kapitalerhöhung nicht ausdrücklich als direkte Kaufpreisfinanzierung für FFG. Eine Gleichsetzung der rund 179 Millionen Euro mit der vereinbarten Barkomponente der Übernahme wäre deshalb nicht zutreffend.

Die Platzierung erfolgte zu einer Zeit, in der die Deutz-Aktie zuvor kräftig gestiegen war. Das Orderbuch für die neuen Aktien war nach Unternehmensangaben mehr als vierfach überzeichnet. Durch die Ausgabe zusätzlicher Aktien erhöhte sich zugleich die Zahl der ausstehenden Anteilsscheine, wodurch sich bestehende Beteiligungsquoten entsprechend veränderten.

FFG-Übernahme ist noch nicht vollzogen

Ungeachtet der bereits erfolgten Schritte gehört FFG bislang noch nicht zum Deutz-Konzern. Der Vollzug der Transaktion wird nach der zuletzt veröffentlichten Planung für Ende 2026 oder das erste Quartal 2027 erwartet. Deutz verwies zuletzt noch auf ausstehende Freigaben. Das Bundeskartellamt hatte den Erwerb bereits vor der außerordentlichen Hauptversammlung genehmigt.

Erst nach dem Closing soll auch die beschlossene Kapitalerhöhung gegen Sacheinlage umgesetzt werden, durch die die bisherigen FFG-Eigentümer ihre Deutz-Aktien erhalten. Bis dahin bleibt die Übernahme eine vereinbarte, aber noch nicht abgeschlossene Transaktion.

Aktie deutlich unter dem September-Hoch

An der Börse hat sich die Stimmung gegenüber den Höchstständen von Anfang September inzwischen abgekühlt. Am 10. September erreichte die Deutz-Aktie im Xetra-Handel 13,35 Euro. Am 24. September lag der Schlusskurs bei 11,12 Euro. Einen Tag später beendete das Papier den Xetra-Handel bei 11,17 Euro und damit leicht höher als am Vortag, aber weiterhin deutlich unter dem September-Hoch.

Die Kursentwicklung fällt in eine Phase tiefgreifender Veränderungen im Konzern. Im ersten Halbjahr 2026 steigerte Deutz seinen Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 10,7 Prozent auf 1,115 Milliarden Euro. Das bereinigte EBIT stieg um 43,1 Prozent auf 79,7 Millionen Euro, die bereinigte EBIT-Marge verbesserte sich von 5,5 auf 7,1 Prozent.

Mit FFG würden sich Größenordnung und Geschäftsstruktur von Deutz nochmals deutlich verändern. Das Unternehmen erwartet, seine bislang für 2030 gesetzten Ziele von vier Milliarden Euro Umsatz und einer bereinigten EBIT-Marge von zehn Prozent durch den Zukauf früher erreichen zu können. Bis die geplante Übernahme tatsächlich in der Konzernbilanz sichtbar wird, müssen jedoch zunächst die verbleibenden Vollzugsvoraussetzungen erfüllt und die vereinbarte Transaktionsstruktur umgesetzt werden.

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