Beim Gehen zählt offenbar mehr als nur die Zahl der Schritte

Ein Schild zeigt Warnung
Symbolbild mit KI erstellt

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Wie viele Schritte ein Mensch täglich zurücklegt, gilt seit Jahren als leicht verständliches Maß für körperliche Aktivität. Eine neue Untersuchung legt nun nahe, dass die Zahl allein das Bewegungsverhalten nur unvollständig beschreibt. Entscheidend könnte auch sein, mit welcher Intensität die Schritte zurückgelegt werden. Die im September 2026 veröffentlichte Studie zeigt einen Zusammenhang zwischen Schrittzahl und Gehtempo und dem späteren Sterberisiko. Eine zweite große Untersuchung hatte zuvor Hinweise darauf geliefert, dass bei wenig aktiven Menschen auch die Länge zusammenhängender Gehphasen eine Rolle spielen könnte.

Die aktuelle Arbeit wurde von Forschenden der University of Sydney und der Monash University in Australien durchgeführt und im British Journal of Sports Medicine veröffentlicht. Grundlage waren Daten der britischen UK Biobank. Für die Analyse der Gesamtsterblichkeit standen Daten von 64.743 Menschen zur Verfügung. Die Teilnehmenden waren im Mittel etwa 61,5 Jahre alt. Während der Nachbeobachtung wurden 1.697 Todesfälle registriert, darunter 502 Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Tracker zeichneten Schrittzahl und Tempo über sieben Tage auf

Die Forschenden griffen auf Messungen mit Beschleunigungssensoren zurück, die die Teilnehmenden sieben Tage lang am Handgelenk getragen hatten. Untersucht wurde zum einen die durchschnittliche tägliche Schrittzahl. Dafür wurden vier Gruppen gebildet: weniger als 5.000 Schritte, 5.000 bis unter 7.500 Schritte, 7.500 bis 10.000 Schritte sowie mehr als 10.000 Schritte pro Tag.

Zum anderen berechnete das Team die sogenannte Peak-30-Kadenz. Dabei handelt es sich um die durchschnittliche Zahl der Schritte pro Minute während der 30 aktivsten Minuten eines Tages. Diese 30 Minuten mussten ausdrücklich nicht zusammenhängend sein. Der Wert bildet damit eher das typische Tempo während der intensivsten Gehphasen eines Tages ab als einen durchgehenden halbstündigen Spaziergang.

In den statistischen Analysen wurden verschiedene Kombinationen aus Schrittzahl und Schritttempo miteinander verglichen. Die niedrigste Aktivitätsgruppe mit weniger als 5.000 Schritten täglich und einer sehr niedrigen Peak-30-Kadenz diente als Referenz.

Mehr Schritte und höheres Tempo waren mit geringerem Risiko verbunden

Die Ergebnisse zeigen, dass unterschiedliche Kombinationen von Schrittzahl und Tempo mit einem niedrigeren Sterberisiko verbunden waren. Bei Menschen mit weniger als 5.000 Schritten pro Tag lag das statistisch ermittelte Sterberisiko bei einer Peak-30-Kadenz von etwa 80 Schritten pro Minute rund 28 Prozent niedriger als in der Referenzgruppe. Bei 5.000 bis 7.500 täglichen Schritten zeigte sich bereits bei etwa 60 Schritten pro Minute ein ähnlich starker Zusammenhang.

Das niedrigste Risiko innerhalb der untersuchten Kombinationen fanden die Forschenden überwiegend bei 7.500 bis 10.000 Schritten täglich. Bei ungefähr 100 Schritten pro Minute lag die Hazard Ratio für die Gesamtsterblichkeit bei 0,57 gegenüber der Referenz. Das entspricht statistisch einer um 43 Prozent niedrigeren Ereignisrate. Vergleichbare Muster zeigten sich auch bei Todesfällen infolge von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Damit liefert die Studie Hinweise darauf, dass für die statistische Beziehung zwischen Bewegung und Sterberisiko sowohl die Menge als auch die Intensität der Schritte relevant sein können. Die Daten bedeuten jedoch nicht, dass ein bestimmtes Tempo oder eine bestimmte Schrittzahl das individuelle Sterberisiko um einen feststehenden Prozentsatz senkt.

Länge der Gehabschnitte stammt aus einer anderen Studie

Die Frage, ob auch zusammenhängende Gehphasen eine Rolle spielen, wurde in einer separaten Studie untersucht. Sie erschien bereits Ende Oktober 2025 in den Annals of Internal Medicine. Beteiligt waren unter anderem Forschende der University of Sydney, der Universidad Europea in Madrid und der Harvard Medical School.

Für diese Untersuchung wurden 33.560 UK-Biobank-Teilnehmende ausgewählt, die täglich höchstens 8.000 Schritte zurücklegten und zu Beginn weder eine bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankung noch Krebs hatten. Ihr Durchschnittsalter lag bei 62 Jahren. Auch hier waren die Bewegungsdaten zuvor mit Sensoren am Handgelenk erfasst worden.

Die Forschenden unterschieden danach, in welchen Zeitabschnitten die meisten Schritte gesammelt wurden. Die Kategorien reichten von Gehphasen unter fünf Minuten über fünf bis unter zehn sowie zehn bis unter 15 Minuten bis zu mindestens 15 Minuten. Während einer durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von 7,9 Jahren starben 735 Menschen, 3.119 erlitten ein Herz-Kreislauf-Ereignis.

Nach 9,5 Jahren lag die berechnete kumulative Gesamtsterblichkeit in der Gruppe mit überwiegend weniger als fünf Minuten langen Gehphasen bei 4,36 Prozent. Bei zehn bis unter 15 Minuten langen Abschnitten lag sie bei 0,84 Prozent, bei mindestens 15 Minuten bei 0,80 Prozent. Auch Herz-Kreislauf-Ereignisse traten in den Gruppen mit längeren Gehabschnitten seltener auf. Die Untersuchung bezog sich allerdings ausdrücklich auf Menschen mit höchstens 8.000 Schritten täglich.

Beide Untersuchungen können keine Ursache beweisen

Aus den Studien lässt sich nicht ableiten, dass ein höheres Tempo oder längere Gehabschnitte die beobachteten Unterschiede unmittelbar verursacht haben. Beide Untersuchungen sind Beobachtungsstudien. Menschen, die schneller oder länger am Stück gehen können, können sich beispielsweise auch in ihrem allgemeinen Gesundheitszustand von anderen Teilnehmenden unterscheiden.

Die Forschenden der aktuellen Tempstudie weisen deshalb unter anderem auf mögliche nicht vollständig erfasste Einflussfaktoren und auf eine mögliche umgekehrte Kausalität hin. Nicht diagnostizierte Erkrankungen könnten dazu führen, dass Menschen langsamer und weniger gehen und zugleich ein höheres Sterberisiko haben. Zudem können am Handgelenk getragene Sensoren einzelne Bewegungen fälschlich als Schritte erfassen oder Schritte übersehen, wenn sich der Arm beim Gehen kaum bewegt.

Auch die Untersuchung zu längeren Gehabschnitten nennt als Einschränkungen mögliche verbleibende Störfaktoren, eine umgekehrte Kausalität und die Tatsache, dass das Bewegungsverhalten nur zu einem Zeitpunkt gemessen wurde. Veränderungen während der folgenden Jahre wurden daher nicht fortlaufend erfasst.

Zusammen zeigen die Arbeiten damit vor allem, dass einfache Tageswerte nicht sämtliche Informationen über körperliche Aktivität enthalten. Neben der Zahl der Schritte waren in den untersuchten Bevölkerungsgruppen auch das Tempo beziehungsweise das Muster zusammenhängender Gehphasen mit späteren Gesundheitsereignissen verbunden. Welche dieser Eigenschaften tatsächlich ursächlich verantwortlich sind, lässt sich aus den vorliegenden Daten nicht bestimmen.

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