Volkswagen baut Modellangebot radikal um: Nur noch rund 75 Modelle geplant

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der Volkswagen-Konzern will sein weltweites Fahrzeugangebot in den kommenden Jahren deutlich verkleinern. Die Volkswagen Modellpalette bis 2035 soll von derzeit rund 150 auf perspektivisch etwa 75 Modelle schrumpfen. Der Aufsichtsrat hat den dazugehörigen Zukunftsplan 2030 Anfang September beschlossen. Damit reagiert Europas größter Autobauer auf hohe Kosten, Überkapazitäten, wachsenden Wettbewerbsdruck aus China und eine zunehmend teure technologische Transformation.

Die Kürzungen sollen schrittweise erfolgen. Eine konkrete Liste der Modelle, die verschwinden sollen, hat Volkswagen bislang nicht veröffentlicht. Fest steht jedoch, dass Doppelstrukturen und Überschneidungen zwischen Marken und Fahrzeugklassen reduziert werden sollen. Der Konzern will zugleich die Zahl der Ausstattungsvarianten deutlich senken. Die sogenannte Angebotskomplexität soll um rund 75 Prozent zurückgehen.

Weniger Modelle, aber weiterhin alle Fahrzeugsegmente

Betroffen ist grundsätzlich das konzernweite Produktportfolio. Dazu gehören unter anderem die Volumenmarken Volkswagen, Škoda, SEAT und CUPRA sowie Audi und die weiteren Pkw-Marken des Konzerns. Eine pauschale Halbierung bei jeder einzelnen Marke ist allerdings nicht vorgesehen. Welche Baureihen langfristig entfallen, zusammengelegt oder regional unterschiedlich angeboten werden, ist noch nicht im Detail festgelegt.

Volkswagen betont, auch künftig alle wesentlichen Fahrzeugsegmente bedienen zu wollen. Der Schwerpunkt soll stärker auf Modellen liegen, die hohe Stückzahlen oder attraktive Margen versprechen. Parallel angebotene Baureihen mit Verbrennungsmotor und Elektroantrieb sollen perspektivisch teilweise zusammengeführt werden. Der Konzern erwartet dadurch weniger Entwicklungsaufwand und niedrigere Produktionskosten.

Regional soll das Angebot stärker auseinandergehen. In Nordamerika will Volkswagen vor allem profitable Segmente ausbauen. Dort sollen Volkswagen und Audi stärker auf mittlere und größere SUVs sowie Pick-ups ausgerichtet werden. In China verfolgt der Konzern weiterhin seine Strategie, Fahrzeuge gezielt für den dortigen Markt zu entwickeln und stärker auf lokale Technik und Partnerschaften zu setzen.

Hohe Kosten und Überkapazitäten setzen Volkswagen unter Druck

Hinter der Verkleinerung des Portfolios steht ein umfassendes Sparprogramm. Bis 2030 sollen sich die Kosten gegenüber der bisherigen Planung um rund 20 Milliarden Euro verbessern. Der Konzern will dafür unter anderem Entwicklungsprozesse vereinfachen, Materialkosten senken, Produktion und Vertrieb effizienter organisieren und Gemeinkosten reduzieren.

Volkswagen richtet seine langfristige Planung auf einen weltweiten Absatz von durchschnittlich neun Millionen Fahrzeugen aus. Für 2030 strebt der Konzern eine operative Umsatzrendite von neun Prozent an. Gleichzeitig sollen Investitionen stärker gebündelt werden. Für Sachinvestitionen sowie Forschung und Entwicklung sind von 2027 bis 2031 insgesamt rund 135 Milliarden Euro vorgesehen.

Der Konzern begründet den Umbau mit einem deutlich schwierigeren internationalen Umfeld. Besonders in China hat sich der Wettbewerb verschärft. Dort treten zahlreiche neue Hersteller mit preislich aggressiven Elektroautos und kurzen Entwicklungszyklen an. Hinzu kommen Handelsbarrieren und höhere Kosten in Europa. Im ersten Halbjahr 2026 lag das operative Ergebnis des Volkswagen-Konzerns unter dem Vorjahreswert. Gleichzeitig entwickelte sich der chinesische Markt für Volkswagen deutlich schwächer.

Vier deutsche Werke ohne gesicherte Folgeproduktion

Der Umbau betrifft nicht nur einzelne Modelle, sondern auch das Produktionsnetz. Volkswagen sieht in Europa derzeit Überkapazitäten von rund 500.000 Fahrzeugen pro Jahr. Bis Ende Juni 2027 soll deshalb ein Konzept für eine langfristig wettbewerbsfähige europäische Produktionsstruktur entstehen.

Besonders unsicher ist die Lage für die Werke Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm. Für diese Standorte kann Volkswagen nach der aktuellen Planung gestaffelt zwischen 2031 und 2034 keine wirtschaftlich tragfähige Folgebelegung garantieren. Parallel sollen alternative Nutzungsmöglichkeiten geprüft werden. Eine endgültige Entscheidung über Schließungen oder eine andere Verwendung der Werke ist damit noch nicht gefallen.

Bereits Ende 2024 hatte sich die Volkswagen AG mit Arbeitnehmervertretern auf einen Abbau von mehr als 35.000 Stellen an deutschen Standorten bis 2030 verständigt. Dieser Personalabbau soll sozialverträglich erfolgen und betrifft vor allem die Volkswagen AG mit den Marken Volkswagen Pkw, Volkswagen Nutzfahrzeuge und Konzernkomponenten.

Zusätzlich rund 50.000 Stellen im indirekten Bereich betroffen

Der neue Zukunftsplan geht darüber hinaus. Eine konzernweite Analyse von rund 170 Gesellschaften sieht zusätzlich einen Abbau von etwa 50.000 Stellen im indirekten Bereich vor. Rund die Hälfte davon soll nach den derzeitigen Planungen Deutschland betreffen, die andere Hälfte Standorte im Ausland. Die Marken und Gesellschaften müssen die Maßnahmen nun konkret ausarbeiten und mit den jeweiligen Arbeitnehmervertretungen abstimmen.

Auch die Managementstruktur soll kleiner werden. Die Zahl der Führungspositionen soll weltweit um rund ein Viertel sinken. Vorgesehen ist eine Reduzierung von etwa 21.500 auf 16.000 Managementstellen. Damit will Volkswagen Entscheidungswege verkürzen und die Organisation vereinfachen.

Deutsche Autoindustrie produziert weiterhin unter Vorkrisenniveau

Der Volkswagen-Umbau fällt in eine schwierige Phase für die gesamte deutsche Automobilindustrie. Nach Angaben des Verbands der Automobilindustrie wurden in Deutschland von Januar bis August 2026 rund 2,65 Millionen Pkw produziert. Das waren vier Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres und 16 Prozent weniger als 2019.

Gleichzeitig wächst der Anteil elektrischer Fahrzeuge am deutschen Markt deutlich. Im August lag der Elektroanteil an den Neuzulassungen nach Angaben des VDA bei 44 Prozent. Für die Hersteller bedeutet der Wandel hohe Investitionen in neue Plattformen, Batterietechnik und Software, während bestehende Werke und Verbrennermodelle weiterhin finanziert werden müssen.

Der VDA warnt zudem vor einem weiteren Rückgang der Beschäftigung in der deutschen Autoindustrie. Der Verband hält bis 2035 einen Verlust von weiteren 125.000 Arbeitsplätzen für möglich, wenn sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht verbessern. Die Prognose ist eine Einschätzung des Branchenverbands und keine feststehende Entwicklung.

Volkswagen versucht mit der verkleinerten Modellpalette, diesen strukturellen Problemen mit weniger Komplexität und höheren Stückzahlen je Fahrzeug zu begegnen. Welche bekannten Modellnamen dabei tatsächlich verschwinden und welche Baureihen künftig stärker zusammengeführt werden, ist bislang nicht festgelegt. Klar ist jedoch, dass der Konzern bis 2035 deutlich weniger unterschiedliche Fahrzeuge entwickeln und produzieren will als heute.

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