
Der Ausbruch des Andes-Hantavirus auf dem Kreuzfahrtschiff MV Hondius hat die Forschung an einem Hantavirus Impfstoff 2026 weltweit in den Fokus gerückt. Während Experten seit Jahren an einem Vakzin arbeiten, zeigen aktuelle Entwicklungen aus Großbritannien, dass eine neue Technologie die Herstellung eines stabilen mRNA-Impfstoffs ermöglichen könnte – doch bis zur Marktreife sind noch wichtige Hürden zu überwinden.
Forschende der Universität Bath im Vereinigten Königreich arbeiten seit 2024 an einem revolutionären Ansatz. Im Auftrag der britischen Regierung entwickeln sie den möglicherweise weltweit ersten thermisch stabilen mRNA-Impfstoff gegen Hantaviren. Das Besondere an diesem Projekt: die sogenannte Ensilication-Technologie.
Dabei werden die empfindlichen mRNA-Moleküle in winzige Silikonhüllen eingebettet, die das Vakzin deutlich beständiger gegen Temperaturschwankungen machen. Bisher erfordern mRNA-Impfstoffe eine Lagerung bei bis zu minus 70 Grad Celsius – ein enormer logistischer Aufwand, besonders für Länder mit schwacher Kühlkette. Mit der Ensilication-Methode lässt sich der Impfstoff bei gewöhnlichen Kühlschranktemperaturen zwischen zwei und acht Grad Celsius lagern und transportieren. Das könnte die globale Verfügbarkeit erheblich verbessern.
In Labor- und Tierversuchen hat der Impfstoff bereits vielversprechende Immunantworten ausgelöst. Klinische Phase-1-Studien am Menschen sind in nächster Zeit geplant – bis zur Zulassung werden jedoch laut Experten noch mehrere Jahre vergehen.
Eine entscheidende Frage bleibt offen: Der von der Universität Bath entwickelte Impfstoff richtet sich ursprünglich gegen das Hantaan-Virus, das vor allem in Asien vorkommt. Ob er auch gegen den Andes-Virus – den Erreger des aktuellen Ausbruchs auf dem Kreuzfahrtschiff MV Hondius – wirksam ist, können die Forscher derzeit nicht sagen.
Das Andes-Virus gehört zur Gruppe der südamerikanischen Hantaviren und unterscheidet sich in wichtigen Eigenschaften vom Hantaan-Virus. Besonders besorgniserregend: Während die meisten Hantaviren nur durch infizierte Nagetiere auf den Menschen übertragen werden, kann das Andes-Virus auch von Mensch zu Mensch weitergegeben werden – ein seltenes Merkmal in dieser Virusfamilie.
Das Forschungsteam aus Bath hofft, dass das entwickelte Antigen zumindest einen Grundschutz bieten könnte. Eindeutige wissenschaftliche Belege fehlen jedoch bislang. Die Forscher haben ihre Arbeiten als Reaktion auf den Hondius-Ausbruch beschleunigt, um schnellstmöglich Antworten zu liefern.
Auslöser der gesteigerten Forschungsaktivität ist der Ausbruch auf dem niederländischen Expeditionsschiff MV Hondius, das am 1. April 2026 in Südargentinien gestartet war. Bis zum 12. Mai 2026 zählte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) elf Fälle, davon neun bestätigt. Drei Menschen starben – darunter eine Person aus Deutschland.
Vier deutsche Passagiere, die engen Kontakt zu infizierten Personen hatten, wurden nach Deutschland gebracht und unter Quarantäne gestellt. Alle Kontaktpersonen werden täglich auf Symptome überwacht. Laut Risikobewertung des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) ist das Risiko für die allgemeine Bevölkerung im EU- und EWR-Raum derzeit sehr gering.
Das Robert Koch-Institut (RKI) verfolgt die Lage eng und hat spezifische Quarantäneempfehlungen für Kontaktpersonen herausgegeben, die möglicherweise dem Andes-Hantavirus ausgesetzt waren.
In der Europäischen Union existiert derzeit kein zugelassener Impfstoff gegen Hantaviren. Lediglich China und Südkorea verfügen über zugelassene Impfstoffe – allerdings gegen die in Asien endemischen Hantaan- und Seoul-Viren, nicht gegen den amerikanischen Andes-Stamm.
Wer sich in Deutschland schützen möchte, kann nur auf Präventionsmaßnahmen setzen: Kontakt mit Nagetieren und deren Ausscheidungen vermeiden, insbesondere beim Aufräumen von Kellern, Dachböden oder Gartengebäuden. In Europa verbreitet das Puumala-Virus, das vor allem über die Rötelmaus übertragen wird, leichtere Nierenerkrankungen – gelegentlich kommt es zu regionalen Häufungen, wie zuletzt in Nordrhein-Westfalen. Über Infektionsgeschehen in NRW hat ms-aktuell.de bereits berichtet.
Für Reisende in Endemiegebiete Südamerikas, insbesondere Chile und Argentinien, empfiehlt das Auswärtige Amt erhöhte Vorsicht. Der direkte Kontakt zu Nagetieren sollte in diesen Regionen unbedingt vermieden werden.
Experten sind sich einig: Trotz der beschleunigten Forschung ist ein fertiger, zugelassener Hantavirus-Impfstoff noch mindestens mehrere Jahre entfernt. Auf einen ähnlichen Zeitrahmen hat auch ein Bericht von NBC News hingewiesen, der Wissenschaftler zu Wort kommen lässt. Klinische Studien am Menschen erfordern in der Regel mehrere Phasen über Jahre hinweg, bevor Sicherheit und Wirksamkeit ausreichend belegt sind.
Das Modell der Pandemie-Impfstoffentwicklung – wie bei COVID-19 durch BioNTech in Rekordzeit – lässt sich nicht eins zu eins übertragen, da die globale Bedrohungslage durch Hantaviren bislang deutlich begrenzter ist. Dennoch zeigt die Hondius-Episode, wie schnell ein zunächst lokal erscheinendes Ausbruchsgeschehen internationale Aufmerksamkeit erzeugen kann.
Für besorgte Bürgerinnen und Bürger gilt: Aktuelle Informationen liefern das RKI und das ECDC fortlaufend auf ihren Webseiten. Die Situation wird von den Gesundheitsbehörden engmaschig beobachtet.
Quellen: Euronews (13.05.2026), RKI, ECDC, Deutsches Ärzteblatt, Innovation News Network, NBC News
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