
Der traditionsreiche Polstermöbelhersteller Himolla aus Taufkirchen bei Landshut hat ein Schutzschirmverfahren beantragt. Das Unternehmen will sich unter gerichtlichem Schutz neu aufstellen und den Geschäftsbetrieb fortführen. Betroffen sind nach offiziellen Angaben rund 850 Mitarbeiter am Standort Taufkirchen. Die Himolla-Gruppe beschäftigt insgesamt rund 2.000 Menschen. Kunden sollen ihre Aufträge weiterhin erhalten, die Auslieferung soll nach Angaben der Sanierungsbeteiligten weiterlaufen.
Die Himolla Polstermöbel GmbH hat beim Amtsgericht Landshut ein Schutzschirmverfahren beantragt. Das Gericht folgte dem Antrag und bestellte Arndt Geiwitz von SGP Schneider Geiwitz zum vorläufigen Sachwalter. Das Verfahren ist keine klassische Regelinsolvenz, sondern ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung. Die Geschäftsführung bleibt handlungsfähig, wird aber durch Sanierungsexperten begleitet und vom Sachwalter überwacht. Als Sanierungsgeschäftsführer unterstützt Tillmann Peeters von Falkensteg die Neuordnung. Offiziell bestätigt war zunächst nur, dass der Betrieb weiterläuft und ein Sanierungsplan erarbeitet werden soll.
Am Standort Taufkirchen sind rund 850 Mitarbeiter betroffen. Ihre Löhne und Gehälter sollen für drei Monate über Insolvenzgeld abgesichert sein. Die internationale Gruppe beschäftigt insgesamt rund 2.000 Menschen. Die ausländischen Tochtergesellschaften und Produktionsstandorte in Rumänien, der Slowakei und Ungarn sind von dem in Deutschland beantragten Verfahren nach Angaben der Sanierungsbeteiligten nicht unmittelbar betroffen. Einzelne Medien nennen für Taufkirchen leicht abweichend rund 830 Beschäftigte. Belastbar ist deshalb die Einordnung, dass es um etwa 850 Arbeitsplätze am Stammsitz geht.
Himolla nennt als Auslöser des Verfahrens vor allem Marktrückgänge, Ergebnisdruck und ein schwieriges Umfeld für klassische Möbelanbieter. Dazu gehören ein schwaches Konsumklima, die stockende Bautätigkeit und ein stärkerer Preiswettbewerb durch Anbieter aus Niedriglohnländern. Die Möbelbranche steht insgesamt unter Druck. Die deutsche Möbelindustrie lag im ersten Quartal 2026 nach Verbandsangaben um 3 Prozent unter dem Vorjahresumsatz. Bereits 2025 war der Branchenumsatz zum dritten Mal in Folge gesunken. Himolla konnte die Rückgänge nach bisherigen Angaben trotz Restrukturierungsmaßnahmen nicht mehr ausreichend auffangen.
Für Kunden und Möbelhändler soll sich zunächst wenig ändern. Der Geschäftsbetrieb läuft weiter, Aufträge sollen wie geplant bearbeitet werden. Himolla verkauft seine Polstermöbel vor allem über den Möbelhandel im In- und Ausland. Für Händler ist deshalb entscheidend, ob Lieferfähigkeit und Service stabil bleiben. Genau darauf zielt die erste Phase des Verfahrens. Zu möglichen Einschränkungen, Verzögerungen oder Änderungen im Sortiment gab es zunächst keine gesicherten Angaben. Auch über konkrete Forderungen von Gläubigern wurden zunächst keine belastbaren Zahlen veröffentlicht.
In den kommenden Wochen soll ein Sanierungsplan ausgearbeitet werden. Dabei geht es um Kosten, Lieferbeziehungen, Finanzierung und die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Kerngeschäfts. Ob es später zu Stellenabbau, Standortveränderungen oder einem Einstieg neuer Geldgeber kommt, war zunächst nicht gesichert. Eine unabhängige Bestätigung dafür lag zunächst nicht vor. Klar ist: Das Schutzschirmverfahren verschafft Himolla Zeit, ersetzt aber keine wirtschaftliche Sanierung. Für Beschäftigte, Kunden und Gläubiger hängt die weitere Entwicklung davon ab, ob das Unternehmen tragfähige Vereinbarungen erreichen kann.
Himolla steht nicht nur für einen einzelnen Unternehmensfall. Die Krise zeigt, wie stark langlebige Konsumgüter unter Kaufzurückhaltung leiden. Sofas, Sessel und Wohnlandschaften sind Anschaffungen, die viele Haushalte in unsicheren Zeiten verschieben. Gleichzeitig belasten höhere Kosten, schwächere Baukonjunktur und internationaler Wettbewerb traditionelle Hersteller. Für die Möbelindustrie ist der Fall deshalb ein weiteres Signal, dass die Anpassung an veränderte Märkte noch nicht abgeschlossen ist. Entscheidend wird sein, ob Himolla seine Marke, Produktion und Händlerbeziehungen in ein tragfähiges Geschäftsmodell überführen kann.
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