
Deutschland. Die Zahl älterer Menschen, die staatliche Hilfe zum Lebensunterhalt benötigen, steigt weiter. Nach einer aktuellen Auswertung auf Basis einer Anfrage beim Statistischen Bundesamt beziehen im März 2026 bundesweit 771.275 Rentnerinnen und Rentner Grundsicherung im Alter. Das sind fast 30.000 mehr als ein Jahr zuvor und fast 180.000 mehr als vor vier Jahren. Die Grundsicherung im Alter Deutschland rückt damit erneut in den Mittelpunkt der sozialpolitischen Debatte. Fachlich geht es um Leistungen nach dem Zwölften Sozialgesetzbuch für Menschen, die die Altersgrenze erreicht haben und ihren Lebensunterhalt nicht aus eigenem Einkommen oder Vermögen sichern können.
Die Entwicklung betrifft Frauen stärker als Männer. Das zeigen auch die amtlichen Daten aus Nordrhein-Westfalen: Dort lag der Frauenanteil bei der Grundsicherung im Alter Ende 2025 bei 58,1 Prozent. Ein Grund dafür kann sein, dass Frauen häufiger geringere Renten beziehen, etwa wegen niedrigerer Einkommen, Teilzeitphasen oder Unterbrechungen in der Erwerbsbiografie. Diese Ursachen werden in der Statistik jedoch nicht für jeden Einzelfall ausgewiesen. Sicher ist: Die Zahl der Rentner mit Sozialhilfe in Deutschland steigt, und ältere Frauen sind in den verfügbaren Zahlen überdurchschnittlich vertreten.
Das Statistische Bundesamt hatte bereits für Ende 2025 einen neuen Höchststand gemeldet. Demnach erhielten im Dezember 2025 rund 1,28 Millionen Menschen Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung. Darunter waren knapp 764.100 Personen über der Altersgrenze. Gegenüber Dezember 2024 bedeutete das bei der Grundsicherung im Alter ein Plus von 3,4 Prozent. Die nun genannte März-Zahl setzt diese Entwicklung fort. Die Grundsicherung im Alter Deutschland ist damit kein kurzfristiger Ausreißer, sondern Teil eines seit Jahren sichtbaren Anstiegs.
Auch in Nordrhein-Westfalen ist der Trend deutlich. Nach Angaben des Statistischen Landesamts IT.NRW bezogen Ende 2025 insgesamt 201.940 Menschen Grundsicherung im Alter. Das waren 3,0 Prozent mehr als Ende 2024. Seit 2020 steigt die Zahl in NRW kontinuierlich. Damals lag sie noch bei 155.310. Für ein Nachrichtenportal in NRW ist diese Entwicklung besonders relevant, weil sie zeigt, dass Altersarmut nicht nur ein bundespolitisches Thema ist, sondern auch Städte und Kommunen im Land betrifft.
Die Zahlen zeigen nur Menschen, die Grundsicherung tatsächlich erhalten. Sie sagen nichts darüber aus, wie viele ältere Menschen einen Anspruch hätten, aber keinen Antrag stellen. Gründe können Scham, Unkenntnis oder die Sorge vor bürokratischem Aufwand sein. Deshalb ist bei der Einordnung wichtig: Die amtliche Statistik misst den Leistungsbezug, nicht die gesamte verdeckte Armut im Alter. Politisch wird der Anstieg dennoch als Warnsignal verstanden, weil immer mehr ältere Menschen trotz Rente zusätzliche staatliche Unterstützung benötigen.
Das Bündnis Sahra Wagenknecht verweist nach der Anfrage beim Statistischen Bundesamt auf eine wachsende soziale Schieflage. Der BSW-Politiker Thomas Schulze bezeichnete die offiziellen Zahlen als lediglich sichtbaren Teil des Problems und verwies darauf, dass manche Betroffene keine Hilfe beantragen würden. Die Partei fordert ein Rentensystem nach österreichischem Vorbild und verweist auf höhere Durchschnittsrenten sowie eine Mindestrente nach jahrzehntelanger Arbeit. Diese Forderung ist eine politische Position des BSW. Eine Bewertung der Umsetzbarkeit geht aus den amtlichen Zahlen nicht hervor.
Die steigende Zahl der Bezieher von Sozialhilfe im Alter trifft auf eine ohnehin angespannte Rentendebatte. Für viele Rentner reicht die gesetzliche Rente nicht aus, wenn Miete, Energie, Lebensmittel und Gesundheitskosten das verfügbare Einkommen übersteigen. Die Grundsicherung soll in solchen Fällen das Existenzminimum sichern. Dass immer mehr ältere Menschen darauf angewiesen sind, erhöht den Druck auf Politik und Sozialverwaltung. Für die weitere Einordnung entscheidend sind neben bundesweiten Zahlen auch regionale Unterschiede, etwa in NRW, wo die Quote der älteren Bezieher zuletzt über dem Bundesschnitt lag.
Quellen: Statistisches Bundesamt, IT.NRW, dpa-AFX/BSW-Anfrage beim Statistischen Bundesamt.
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