IW Konjunkturprognose 2026: Deutschland wächst nur 0,4 Prozent – Iran-Krieg stoppt Erholung

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln hat seine Konjunkturprognose für das Jahr 2026 drastisch nach unten korrigiert. Statt der im Dezember noch erwarteten 0,9 Prozent rechnen die Ökonomen nun nur noch mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von gut 0,4 Prozent. Der Grund: Der Iran-Krieg mit seinen massiven Auswirkungen auf Energiepreise und globale Lieferketten hat die erhoffte wirtschaftliche Erholung Deutschlands nach drei Jahren Rezession und Stagnation erneut abgewürgt.

Iran-Krieg stoppt wirtschaftliche Erholung

IW-Ökonom Michael Grömling beschreibt die aktuelle Lage der deutschen Wirtschaft als instabile Seitenlage. In seiner Frühjahrsanalyse betont er, dass der Iran-Krieg eine ohnehin schon geschwächte Volkswirtschaft trifft, die sich nach Jahren der Stagnation kaum erholen konnte. Steigende Energiepreise und Lieferstörungen entziehen Haushalten und Unternehmen gleichermaßen Kaufkraft und Investitionsbereitschaft.

Besonders hart trifft es den Außenhandel: Die deutschen Exporte sinken 2026 um 0,3 Prozent – bereits zum vierten Mal in Folge. Das ist bemerkenswert, denn der Welthandel legt im gleichen Zeitraum um 1,7 Prozent zu. Deutschland verliert damit kontinuierlich Marktanteile im globalen Handel. Auch die Anlageinvestitionen werden vom IW stark nach unten revidiert: von 2,2 Prozent auf nur noch 1,2 Prozent.

Damit steht die Bundesrepublik vor einem weiteren verlorenen Jahr. Die im Dezember noch vorsichtig optimistische Prognose hat sich als zu ambitioniert erwiesen – eine Situation, die Ökonomen wie ifo-Chef Clemens Fuest bereits früh als Risiko benannt hatte.

Inflation und Arbeitslosigkeit steigen gleichzeitig

Besonders beunruhigend ist das Zusammentreffen von steigender Inflation und wachsender Arbeitslosigkeit. Die Inflationsrate klettert laut IW-Prognose auf gut drei Prozent – angeheizt durch teurere Energie und steigende Lebensmittelpreise. Das trifft einkommensschwächere Haushalte besonders hart und dämpft den privaten Konsum empfindlich.

Noch im Dezember hatte das IW für den Privatkonsum ein Plus von einem Prozent prognostiziert. Nun stagniert er wieder – die Kaufkraftgewinne durch frühere Lohnsteigerungen werden von der Inflation aufgezehrt. Das wirkt sich direkt auf die Konjunktur aus, denn der private Konsum ist normalerweise eine der wichtigsten Stützen der deutschen Wirtschaft.

Auf dem Arbeitsmarkt zeichnet sich eine deutliche Verschlechterung ab: Die Zahl der Arbeitslosen steigt auf gut drei Millionen, die Arbeitslosenquote klettert auf 6,4 Prozent. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Erwerbstätigen um 190.000 Personen. Das ist ein erheblicher Rückgang, der in vielen Branchen spürbar sein wird – von der Industrie über den Handel bis hin zu Dienstleistungsunternehmen.

Staatsdefizit wächst auf 156 Milliarden Euro

Die wirtschaftliche Schwäche schlägt sich auch auf die öffentlichen Finanzen nieder. Das IW erwartet für 2026 ein staatliches Haushaltsdefizit von rund 156 Milliarden Euro, was 3,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspricht. Damit überschreitet Deutschland erneut die europäische Defizitgrenze von drei Prozent – eine Entwicklung, die in Brüssel mit Sorge verfolgt wird.

Die Ursachen für das wachsende Defizit sind vielfältig: Einerseits brechen Steuereinnahmen durch die schwächere Konjunktur ein, andererseits steigen die Ausgaben für Sozialleistungen durch die höhere Arbeitslosigkeit. Hinzu kommen erhöhte Energiekosten für den Staat selbst sowie Ausgaben im Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Folgen des Iran-Konflikts.

Die Prognose des IW reiht sich in ein Bild ein, das mehrere Wirtschaftsforschungsinstitute in den vergangenen Wochen gezeichnet haben. Auch die Auswirkungen des Energiepreisschocks auf die deutsche Konjunktur waren bereits zuvor ein zentrales Thema – nun bestätigt das IW die negativen Folgen für das Gesamtjahr.

Kein schnelles Ende der Wirtschaftskrise in Sicht

Was bedeutet die IW-Prognose für Verbraucher und Unternehmen in Deutschland? Zunächst müssen sich beide Gruppen auf ein weiteres schwieriges Jahr einstellen. Für Arbeitnehmer bedeutet eine steigende Arbeitslosenquote von 6,4 Prozent mehr Unsicherheit auf dem Arbeitsmarkt – vor allem in exportabhängigen Branchen wie dem Maschinenbau, der Automobilindustrie und der Chemieindustrie.

Für Unternehmen sind die sinkenden Exporte und stagnierenden Investitionen besonders problematisch. Wer auf Wachstum im Ausland setzt, findet durch den Iran-Krieg bedingte Handelshemmnisse und höhere Transportkosten vor. Wer auf den Binnenmarkt hofft, sieht Verbraucher, die durch Inflation weniger Kaufkraft haben.

Das IW sieht dennoch keine unmittelbare Rezessionsgefahr: Das Wachstum von 0,4 Prozent ist zwar minimal, bleibt aber im positiven Bereich. Ob sich diese Prognose hält, hängt nach Einschätzung der Ökonomen vor allem davon ab, wie sich der Iran-Konflikt weiterentwickelt und ob eine Entspannung an den Energiemärkten gelingt. Ohne eine Stabilisierung der geopolitischen Lage dürfte die deutsche Wirtschaft weiterhin auf Sichtflug bleiben.

Quellen: IW Institut der deutschen Wirtschaft Köln, Frühjahrsanalyse 2026 (Michael Grömling); Badische Zeitung; finanzen.net

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