Persönliche Sorgen landen immer häufiger im KI-Chatbot

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Grzegorz Walczak

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Künstliche Intelligenz wird in Deutschland längst nicht mehr nur zum Schreiben von Texten, Übersetzen oder Recherchieren eingesetzt. Viele Nutzer wenden sich auch mit persönlichen Problemen, Gesundheitsfragen oder wichtigen Entscheidungen an Chatbots. Aktuelle Umfragen zeigen, wie weit diese Form der Nutzung inzwischen verbreitet ist. Gleichzeitig rücken Fragen nach Datenschutz, Verlässlichkeit und den Grenzen automatisierter Beratung stärker in den Mittelpunkt.

Eine repräsentative Befragung von Bitkom Research zeigt, dass 44 Prozent der Menschen, die KI verwenden, sich bei persönlichen Fragen Unterstützung von der Technologie holen. 34 Prozent nutzen KI bei gesundheitlichen Themen, 21 Prozent bei Fragen zu ihren Finanzen. Damit gehören KI-Chatbots bei persönlichen Fragen inzwischen für einen erheblichen Teil der Nutzer zum Alltag.

Grundlage der Bitkom-Zahlen ist eine telefonische Befragung von 1.003 Menschen ab 16 Jahren in Deutschland. Sie wurde zwischen der achten und elften Kalenderwoche 2026 von Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt.

Jüngere sprechen besonders häufig mit Chatbots über Privates

Eine weitere repräsentativ quotierte Untersuchung von Ipsos gemeinsam mit der Beruflichen Schule für Medien und Kommunikation Hamburg kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. In der Befragung gaben 57 Prozent an, KI-Chatbots für persönliche Anliegen einzusetzen. Gemeint waren unter anderem zwischenmenschliche Probleme, Konflikte, Beratung und Entscheidungssituationen.

Unter den 18- bis 34-Jährigen lag dieser Anteil mit 84 Prozent deutlich höher. Insgesamt fühlten sich 32 Prozent der Chatbot-Nutzer wohl dabei, persönliche Informationen mit einer KI zu teilen. 27 Prozent erklärten sogar, sie fühlten sich von einem Chatbot besser verstanden als von anderen Menschen.

Für die Untersuchung wurden Ende März 2026 insgesamt 500 deutschsprachige Menschen zwischen 18 und 75 Jahren online befragt. Die Stichprobe wurde nach Alter, Geschlecht und Region quotiert.

Auch andere Untersuchungen weisen in dieselbe Richtung. Eine internationale wissenschaftliche Studie mit mehr als 7.000 Befragten aus Deutschland, China, Südafrika und den USA untersuchte emotionale Bindungen an Chatbots. In Deutschland umfasste die ausgewertete Stichprobe 1.836 Menschen. Von ihnen hatten 1.221 bereits Chatbots genutzt. Rund ein Viertel dieser Nutzer betrachtete Chatbots zumindest teilweise als eine Art Freund. Etwa 17 Prozent gaben an, einen Chatbot nach längerer Nichtnutzung zu vermissen.

Gesundheit gehört zu den häufigsten sensiblen Themen

Besonders relevant ist die Entwicklung bei Gesundheitsfragen. In der Ipsos-Befragung nannten 45 Prozent der Chatbot-Nutzer körperliche Gesundheit als einen Themenbereich, zu dem sie bereits eine KI konsultiert hatten. Bei 30 Prozent ging es um mentale Gesundheit.

Eine frühere repräsentative Bitkom-Erhebung zum digitalen Gesundheitswesen zeigte ebenfalls, wie weit die Nutzung reicht. 45 Prozent der Befragten hatten demnach schon einmal KI-Chatbots genutzt, um Symptome oder allgemeine Gesundheitsfragen zu klären. Unter den Nutzern vertrauten 55 Prozent den Antworten zu Gesundheitsfragen. 16 Prozent erklärten sogar, schon einmal einer Empfehlung des Chatbots eher gefolgt zu sein als einer ärztlichen Empfehlung.

Solche Angaben beschreiben das Verhalten der Befragten. Sie belegen nicht, dass die medizinischen Antworten eines Chatbots richtig oder für eine Diagnose geeignet sind.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO weist bei generativer KI im Gesundheitsbereich ausdrücklich auf diese Grenze hin. Große KI-Modelle können falsche, unvollständige oder verzerrte Aussagen erzeugen. Solche Fehler können besonders problematisch werden, wenn Menschen Informationen für medizinische Entscheidungen nutzen. Die WHO empfiehlt deshalb unter anderem klare Regeln, Datenschutzvorgaben sowie eine unabhängige Bewertung von KI-Anwendungen im Gesundheitswesen.

Persönliche Gespräche werfen Datenschutzfragen auf

Mit der zunehmenden Offenheit gegenüber Chatbots wächst zugleich die Bedeutung des Datenschutzes. In der Ipsos-Erhebung äußerten 44 Prozent der Nutzer Sorgen darüber, wie ihre Daten verarbeitet werden.

Gerade bei Gesprächen über psychische Belastungen, Sexualität, Beziehungen, Krankheiten oder finanzielle Schwierigkeiten können besonders sensible Informationen entstehen. Welche Daten gespeichert oder anderweitig verarbeitet werden, hängt vom jeweiligen Anbieter, dessen Datenschutzbestimmungen, dem verwendeten Produkt und teilweise auch von den Einstellungen des Nutzers ab.

Die Datenschutzkonferenz von Bund und Ländern weist in ihrer Orientierungshilfe zu künstlicher Intelligenz darauf hin, dass bei der Verwendung von KI-Systemen datenschutzrechtliche Anforderungen berücksichtigt werden müssen. Das betrifft insbesondere personenbezogene Informationen und die Frage, für welche Zwecke eingegebene Daten verarbeitet werden.

Für Nutzer bedeutet das praktisch, dass ein scheinbar privates Gespräch mit einem Chatbot nicht automatisch denselben Schutz genießt wie ein vertrauliches Gespräch mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer psychotherapeutischen Fachkraft. Vor der Eingabe besonders sensibler Informationen lohnt sich deshalb ein Blick auf Datenschutzbedingungen und mögliche Einstellungen zur Datennutzung.

KI wird vom Werkzeug zunehmend zum Gesprächspartner

Die verschiedenen Untersuchungen zeigen vor allem einen Wandel der Nutzung. KI dient nicht mehr ausschließlich als technisches Werkzeug für Texte, Übersetzungen oder Informationssuche. Ein Teil der Nutzer setzt Chatbots inzwischen auch als Ratgeber, Entscheidungshilfe oder Gesprächspartner ein.

Dabei bleibt das Verhältnis zur Technologie widersprüchlich. Viele Menschen schätzen die schnelle Verfügbarkeit und die Möglichkeit, Fragen ohne zwischenmenschliche Hemmschwelle zu stellen. Gleichzeitig zeigen die Befragungen erhebliche Sorgen um Datenschutz, falsche Informationen und eine zu starke Abhängigkeit von den Systemen.

Gerade bei gesundheitlichen oder psychischen Problemen bleibt deshalb entscheidend, zwischen einem digitalen Hilfsmittel und professioneller Beratung zu unterscheiden. Ein KI-Chatbot kann Informationen strukturieren oder einen ersten Überblick geben. Eine fachliche Diagnose oder Behandlung kann er nicht ersetzen.

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