
Ein russischer Angriff auf Kiew hat in der Nacht zu Sonntag die ukrainische Hauptstadt getroffen. Die ukrainische Luftwaffe meldete insgesamt 690 Angriffsmittel, darunter 90 Raketen verschiedener Typen und 600 Drohnen. Einschläge wurden in allen Stadtbezirken registriert, Wohnhäuser, Schulen und Infrastruktur wurden beschädigt.
Die Luftabwehr schoss nach eigenen Angaben 55 Raketen und 549 Drohnen ab oder unterdrückte sie elektronisch. Dennoch wurden Einschläge von 16 Raketen und 51 Angriffsdrohnen an insgesamt 54 Orten registriert. Bürgermeister Vitali Klitschko berichtete von Schäden in allen Bezirken, darunter Darnyzkyj, Obolon, Schewtschenkiwskyj, Dnipro, Swjatoschyn, Podil, Holosijiwskyj, Desna, Solomjanka und Petschersk. Betroffen waren Wohnhäuser, Schulen, Geschäftsgebäude, Lagerflächen und Fahrzeuge.
In der Hauptstadt wurden mindestens zwei Menschen getötet, 62 Personen erlitten Verletzungen, darunter zwei Kinder. Im Gebiet Kiew kamen nach Angaben des Regionalgouverneurs zwei weitere Menschen ums Leben, neun Personen wurden verletzt. Für Stadt und Region zusammen zählten die Behörden damit mindestens vier Tote. Präsident Wolodymyr Selenskyj nannte am Morgen 83 Verletzte seit Tagesbeginn und sprach von 90 Raketen verschiedener Typen, darunter ballistische Raketen, sowie 600 Drohnen.
Ukrainische Stellen meldeten zudem den Einsatz einer Oreshnik-Rakete. Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe wurde der Start vom russischen Testgelände Kapustin Jar aus durchgeführt. Als Einschlagsgebiet wurde der Raum Bila Zerkwa im Gebiet Kiew angegeben, rund 80 Kilometer südlich der Hauptstadt. Selenskyj bestätigte den Einsatz. Das russische Verteidigungsministerium erklärte ebenfalls, eine Oreshnik eingesetzt zu haben, und nannte als Ziele militärische Führungsstellen, Flugplätze sowie Rüstungsbetriebe. Diese russischen Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig bestätigen. Die Oreshnik gilt als ballistische Mittelstreckenwaffe. Russland hatte diesen Raketentyp bereits im November 2024 gegen Dnipro und im Januar 2026 gegen Lwiw eingesetzt.
Selenskyj beschrieb den Angriff als landesweiten Luftschlag mit Kiew als Hauptziel. Die ukrainische Luftwaffe listete neben der Oreshnik auch Kinschal-, Zirkon-, Iskander-, S-400-, Ch-101- und Kalibr-Raketen sowie Drohnen der Typen Shahed, Gerbera und Italmas auf. Mehrere Drohnen befanden sich nach Angaben der Luftwaffe noch nach Ende des Hauptangriffs im ukrainischen Luftraum.
Der nächtliche Angriff löste auch Reaktionen im Nachbarland Polen aus. Das polnische Militär aktivierte eigene und alliierte Kampfflugzeuge zum Schutz des Luftraums. Verletzungen der polnischen Staatsgrenze wurden nach Angaben des Militärs nicht festgestellt. Unklar blieb zunächst, ob einzelne Drohnen in Richtung Westen abgedriftet waren, bevor die Flugabwehr reagierte.
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