
Nach einem außergewöhnlich heißen und trockenen Sommer haben Umweltverbände, Gewerkschaften und weitere Organisationen für Samstag zu Protesten in ganz Frankreich aufgerufen. Mehr als 260 lokale Aktionen waren für den 26. September registriert. Die Klimaproteste in Frankreich richten sich mit konkreten Forderungen an Präsident Emmanuel Macron und die französische Regierung. Eine belastbare Gesamtzahl der Teilnehmer lag am Samstagnachmittag zunächst nicht vor.
Ausgangspunkt ist ein zunächst von Bürgern und Umweltengagierten getragenes Bündnis unter dem Motto für Klima, Leben, Frieden und soziale Gerechtigkeit. Bis Samstag verzeichnete die zentrale Internetseite der Bewegung mehr als 53.000 persönliche Unterstützer sowie über 1.200 Organisationen. Zu den Unterstützern gehören unter anderem Greenpeace France, France Nature Environnement, Les Amis de la Terre, Alternatiba, Fridays for Future France, Attac und die Gewerkschaft Solidaires. Auch politische Organisationen aus dem linken Spektrum beteiligen sich an der Mobilisierung.
Die angekündigten Veranstaltungen verteilen sich auf Großstädte ebenso wie auf kleinere Kommunen. Aktionen waren unter anderem in Lille, Lyon, Reims, Aix-en-Provence, Amiens und zahlreichen weiteren Orten geplant. In Paris musste das ursprüngliche Konzept kurzfristig geändert werden. Wegen des Besuchs von Papst Leo XIV. genehmigten die Behörden nach Angaben der Organisatoren keine Demonstrationsroute durch die Hauptstadt. Stattdessen wurde für Samstag von 17 bis 20 Uhr ein stationäres Treffen auf der Place de la République vereinbart.
Die Zahl von mehr als 260 bezieht sich auf angekündigte beziehungsweise von den Organisatoren erfasste lokale Mobilisierungen. Sie ist deshalb nicht mit einer nachträglich amtlich bestätigten Zahl tatsächlich abgehaltener Demonstrationen gleichzusetzen. Eine landesweite offizielle Teilnehmerbilanz lag zunächst ebenfalls nicht vor.
Fridays for Future France kündigte eine Beteiligung seiner lokalen Gruppen an. Auch Greenpeace unterstützt die Proteste. Hinzu kommen Umweltverbände, Initiativen aus dem sozialen Bereich sowie Gewerkschaften. Damit reicht das Bündnis deutlich über die klassische Klimabewegung hinaus.
Der zentrale Aufruf verlangt von Präsident und Regierung drei miteinander verbundene Maßnahmenpakete. Erstens fordern die Initiatoren einen Notfallplan für extreme Hitze. Dazu zählen mehr öffentlich zugängliche kühle Orte, Schutzmaßnahmen in Schulen, Kindertagesstätten, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen sowie ein stärkerer Schutz von Beschäftigten bei hohen Temperaturen. Auch Rettungsdienste sollen nach dem Willen der Initiatoren zusätzliche Mittel erhalten.
Zweitens verlangt das Bündnis einen umfangreicheren Anpassungsplan. Genannt werden unter anderem mehr Mittel für den französischen Fonds zur Unterstützung ökologischer Projekte der Kommunen, Gebäudesanierungen sowie Maßnahmen zum Schutz von Wäldern, Böden, Hecken, Flüssen und Grundwasser.
Der dritte Bereich betrifft die Verringerung der Treibhausgasemissionen. Die Initiatoren fordern unter anderem ein Ende staatlicher Unterstützung für fossile Energien, keine neuen fossilen Projekte und einen Ausbau des öffentlichen Verkehrs. Zusätzlich verlangt das Bündnis eine stärkere finanzielle Beteiligung von Unternehmen der fossilen Energiewirtschaft und besonders vermögenden Haushalten. Dabei handelt es sich um politische Forderungen der Organisatoren, nicht um beschlossene Maßnahmen der französischen Regierung.
Der unmittelbare Hintergrund der Proteste ist der Sommer 2026. Météo-France stuft die Monate Juni bis August als heißesten Sommer in Frankreich seit Beginn der landesweiten Messreihe im Jahr 1900 ein. Die Durchschnittstemperatur lag bei 24,0 Grad Celsius und damit 3,6 Grad über dem Referenzwert. Insgesamt registrierte der Wetterdienst 53 Tage innerhalb von Hitzewellen. 90 Prozent des französischen Staatsgebiets erreichten während des Sommers mindestens einmal 35 Grad, auf 45 Prozent wurden mindestens einmal 40 Grad gemessen.
Auch die Trockenheit war ungewöhnlich stark. Météo-France bezifferte das Niederschlagsdefizit im Sommer auf knapp 40 Prozent. Damit war es seit Beginn der Messungen der zweitniederschlagsärmste Sommer. Der Wetterdienst kommt zu dem Ergebnis, dass ein Sommer mit diesen Temperaturen ohne den menschengemachten Klimawandel nahezu unmöglich gewesen wäre.
Die Hitze hatte zudem erhebliche gesundheitliche Folgen. Santé publique France schätzte allein für die Hitzewelle vom 17. Juni bis 2. Juli mindestens 5.764 zusätzliche Todesfälle aller Ursachen in den betroffenen Gebieten. Für eine weitere Hitzeperiode im Juli wurden mindestens 1.243 zusätzliche Todesfälle ermittelt, für den Zeitraum Ende Juli bis 20. August mindestens 817. Die Behörde weist darauf hin, dass es sich bei solchen Auswertungen um statistisch bestimmte Übersterblichkeit während der jeweiligen Hitzeperioden handelt und nicht automatisch jeder einzelne Todesfall unmittelbar der Hitze zugerechnet werden kann.
Eine eigene öffentliche Stellungnahme der französischen Regierung speziell zu den landesweiten Protesten lag zunächst nicht vor. Die Regierung hatte allerdings bereits vor dem Aktionstag eine Beschleunigung ihrer Anpassungspolitik angekündigt.
Ende Juli beauftragte der Premierminister Umweltministerin Monique Barbut damit, die Umsetzung des nationalen Anpassungsplans an den Klimawandel zu beschleunigen. Ministerien, Kommunen, Unternehmen, Verbände und andere Beteiligte sollten dafür im September Maßnahmen überprüfen und Vorschläge erarbeiten. Ergebnisse mit konkreten Zeitplänen, Verantwortlichkeiten und Finanzierungsangaben sollen nach den bisherigen Regierungsplänen im Oktober vorgelegt werden.
Der bestehende dritte nationale Anpassungsplan stammt aus dem Jahr 2025. Er umfasst 52 Maßnahmen und mehr als 200 einzelne Aktionen. Die staatliche Planung richtet sich dabei auf ein Szenario aus, in dem sich Frankreich bis zum Jahr 2100 um etwa vier Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit erwärmen könnte. Im Juni 2026 erklärte das Umweltministerium, 85 Prozent der vorgesehenen Aktionen seien inzwischen begonnen worden.
Die Demonstrierenden verlangen dennoch zusätzliche Maßnahmen und vor allem mehr finanzielle Mittel. Damit richtet sich der Protest nicht nur auf langfristige Klimaziele. Im Mittelpunkt steht nach dem Rekordsommer zunehmend die Frage, wie Frankreich seine Bevölkerung kurzfristig gegen Hitze, Trockenheit und andere Folgen eines wärmeren Klimas schützen und zugleich seine Treibhausgasemissionen weiter reduzieren will.
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