Warum Lidl in Nordirland plötzlich einen eigenen Pub betreibt

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Symbolbild

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Ein Discounter als Pub-Betreiber: Was wie eine Idee aus der Sonderangebotsabteilung klingt, ist in Nordirland seit dieser Woche Realität. Lidl hat in Dundonald bei Belfast ein Lokal mit dem Namen The Middle Ale eröffnet. Der Pub liegt neben einer bestehenden Lidl-Filiale an der Dunlady Road, arbeitet aber eigenständig und ist über einen separaten Zugang erreichbar. Das Lokal bietet nach Branchenangaben Platz für 60 Gäste und ist als klassischer Getränkepub mit angeschlossenem Off-Sales-Bereich konzipiert.

The Middle Ale spielt mit einem bekannten Lidl-Begriff

Der Name The Middle Ale ist kein Zufall. Er spielt auf die sogenannte Middle Aisle an, also jene Aktionswaren-Gänge, für die Lidl und andere Discounter in Großbritannien und Irland bekannt sind. Aus dem Gang mit Werkzeug, Gartenartikeln oder Haushaltswaren wird hier sprachlich ein Bierlokal. Inhaltlich bleibt das Konzept allerdings nüchterner als der Name vermuten lässt: Es handelt sich nicht um eine Eventfläche im Supermarkt, sondern um einen eigenständigen Pub direkt neben dem Markt. Die Fläche wird unabhängig vom Laden betrieben, der Zugang ist getrennt.

Warum das nordirische Lizenzrecht eine zentrale Rolle spielt

Der ungewöhnliche Schritt hängt eng mit dem nordirischen Alkoholrecht zusammen. Dort sind Lizenzen für den Verkauf von Alkohol stark begrenzt. Neue Lizenzen setzen in der Regel voraus, dass eine bestehende Lizenz eines anderen Betriebs aufgegeben wird. Zudem muss nachgewiesen werden, dass es in der Umgebung nicht bereits genügend passende lizenzierte Betriebe gibt. Genau an diesem Punkt wurde der Fall Lidl juristisch interessant: Der Discounter wollte in Dundonald Alkohol verkaufen, konnte nach den Regeln aber nicht einfach eine gewöhnliche Off-Licence für den Supermarkt erhalten. Judiciary NI

Aus dem Verkaufsregal wurde ein Pub mit Off-Sales-Bereich

Lidl verfolgte deshalb einen anderen Weg. Das Unternehmen beantragte eine Lizenz für ein Public House mit zusätzlichem Off-Sales-Bereich. In der gerichtlichen Zusammenfassung heißt es, die geplante Lizenz sei für Räumlichkeiten an Unit 2, Dunlady Road, Dundonald, vorgesehen gewesen. Als abzugebende Lizenz spielte der frühere Pub Rubys, zuvor The Elk, eine Rolle. Der Streit drehte sich unter anderem darum, ob Lidl damit faktisch eine Off-Licence durch die Hintertür betreiben wolle. Das High Court in Belfast wies den Einspruch im Januar 2025 zurück. Judiciary NI

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Das Gericht sah die Voraussetzungen als erfüllt an

Entscheidend war, dass das Gericht bei der Prüfung nicht auf bestehende Off-Licence-Angebote abstellte, sondern auf die Kategorie Public House mit On- und Off-Sales. Nach der Zusammenfassung kam das Gericht zu dem Ergebnis, dass Lidl die erforderliche Unterversorgung nachgewiesen habe. Genannt wurden unter anderem der Rückgang früherer Pub-Angebote in der Umgebung, die Lage in einem Einkaufs- und Verkehrsknotenpunkt sowie eine gewachsene erwachsene Bevölkerung im Einzugsbereich. Damit wurde der Weg für das Projekt frei. Judiciary NI

Ein Kuriosum mit wirtschaftlichem Kern

So kurios der Lidl Pub in Nordirland wirkt, so klar ist der wirtschaftliche Hintergrund. Für Lidl geht es nicht nur um ein paar Zapfhähne neben dem Einkaufswagen, sondern um Zugang zu einem streng regulierten Markt. Das Lokal verbindet Gastronomie mit einem Verkaufsbereich für Alkohol zum Mitnehmen. Angeboten werden laut Branchenberichten unter anderem Bier und Cider vom Fass, Wein, Spirituosen, alkoholfreie Optionen sowie Snacks. Warme Küche ist nicht Teil des Konzepts. Mit der Eröffnung entstanden acht dauerhafte Arbeitsplätze am Standort. Business Eye

Warum The Middle Ale wohl ein Sonderfall bleibt

Ob Lidl nun zur Pub-Kette wird, ist damit nicht gesagt. Gerade die Besonderheiten des nordirischen Lizenzrechts machen The Middle Ale zu einem Fall, der sich nicht ohne Weiteres übertragen lässt. Der Pub ist weniger der Beginn einer neuen Gastronomiestrategie als eine pragmatische Antwort auf lokale Regeln. Für Beobachter bleibt das Projekt trotzdem bemerkenswert: Ein Supermarkt musste in Nordirland nicht nur ein Regal aufstellen, sondern gleich einen Pub eröffnen, um seinen Kundinnen und Kunden am Standort ein vollständiges Alkoholangebot machen zu können.

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