Lieken schließt Werk Essen: 120 Jobs weg

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

Teilen:

Das Lieken Werk Essen wird zum Jahresende geschlossen. Die Großbäckerei Lieken hat angekündigt, ihren Standort im Essener Stadtteil Borbeck bis zum 31. Dezember 2026 zu schließen. Rund 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verlieren dadurch ihre Arbeit. Lieken ist vor allem durch seine Marken Golden Toast und Lieken Urkorn bekannt – Toastbrote und Backwaren, die in fast jedem deutschen Supermarkt zu finden sind.

Lieken Werk Essen: Was steckt hinter der Schließung?

Als Hauptgründe nennt das Unternehmen ein anhaltend schwieriges Marktumfeld sowie stark gestiegene Kosten. Konkret verweist Lieken auf hohe Energiekosten, gestiegene Betriebskosten sowie erheblichen Investitions- und Sanierungsbedarf am Essener Standort. Dazu kommt laut Unternehmensangaben ein stagnierend bis leicht rückläufiges Marktumfeld im Segment Toast und Sandwich-Brot.

Lieken ist ein Tochterunternehmen der britischen Allied Bakeries-Gruppe und hat seinen deutschen Hauptsitz in Sachsen-Anhalt. Der Essener Standort war einer von mehreren Produktionswerken in Deutschland. Mit der Schließung reagiert das Unternehmen auf wirtschaftlichen Druck, dem die gesamte deutsche Backindustrie ausgesetzt ist. Ähnliche Entwicklungen zeigen sich auch in anderen Branchen: Aldi Süd baut ebenfalls massiv Stellen ab – rund 1.250 Jobs sollen in Mülheim wegfallen, wie der Konzern erst kürzlich bekanntgab.

Lieken Werk Essen: Golden Toast und Lieken Urkorn betroffen

Im Werk Essen-Borbeck produziert Lieken die bekannten Eigenmarken Golden Toast und Lieken Urkorn. Golden Toast gilt als eine der bekanntesten Toastbrot-Marken in Deutschland und ist seit Jahrzehnten fester Bestandteil deutscher Frühstückstische. Die Produktion dieser Marken wird nach der Schließung des Essener Standorts auf andere Werke der Lieken-Gruppe verlagert, wie das Unternehmen mitteilte.

Für Verbraucherinnen und Verbraucher soll die Versorgung mit den beliebten Produkten also gesichert bleiben. Für die rund 120 Beschäftigten am Essener Standort sieht die Situation jedoch dramatisch anders aus: Sie verlieren bis Ende des Jahres ihre Jobs. Das Unternehmen kündigte an, in den kommenden Tagen weitere Gespräche mit den Betroffenen zu führen, verbunden mit Abfindungsangeboten.

Mitarbeiter überrascht: Schocknachricht vor der Frühschicht

Viele Beschäftigte erfuhren von der Schließung auf einem ungewöhnlichen Weg: Kurz vor Beginn ihrer Frühschicht wurden sie von Unternehmensvertretern zu Einzelgesprächen gebeten, in denen man ihnen den Verlust ihrer Stelle mitteilte. Für viele kam die Nachricht völlig überraschend. Radio Essen berichtete von Mitarbeitern, die schockiert und fassungslos reagierten.

Erschwerend kommt hinzu, dass es am Essener Standort bislang keinen Betriebsrat gibt. Eine Betriebsratswahl war laut Gewerkschaftsangaben für den kommenden Monat geplant. Das bedeutet: Es fehlt eine formelle Arbeitnehmervertretung, die in die Entscheidung hätte eingebunden werden können oder ein Mitspracherecht bei Sozialplan-Verhandlungen gehabt hätte.

Das Fehlen eines Betriebsrats in Zeiten drohender Werkschließungen ist kein Einzelfall. Auch bei BioNTech kämpft der Betriebsrat derzeit um rund 1.350 Stellen und zeigt, wie wichtig eine starke Arbeitnehmervertretung in solchen Situationen ist.

NGG fordert Alternativen – wie geht es weiter?

Die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) hat die Schließungspläne scharf kritisiert. Sie fordert von Lieken mehr Transparenz und verlangt, dass das Unternehmen ernsthaft Alternativen zur vollständigen Werkschließung prüft. Ob Kurzarbeit, Umstrukturierungen oder eine Teilweiterführung des Betriebs als Optionen in Frage kommen, ist derzeit offen.

In den kommenden Wochen werden entscheidende Gespräche stattfinden. Da es am Essener Standort noch keinen Betriebsrat gibt, liegt ein Großteil der Verhandlungsmacht derzeit bei der Gewerkschaft NGG als externer Vertreterin der Beschäftigten. Die NGG hat angekündigt, die Interessen der 120 betroffenen Mitarbeiter aktiv zu vertreten.

Der Fall Lieken reiht sich in eine beunruhigende Serie von Werkschließungen und Stellenabbau in der deutschen Industrie ein. Laut einer aktuellen Ifo-Umfrage sieht jedes zwölfte Unternehmen in Deutschland seine Existenz bedroht – ein Zeichen dafür, dass der wirtschaftliche Druck in vielen Branchen erheblich ist. Hohe Energiekosten, Kostensteigerungen und stagnierenden Absatzmärkte machen insbesondere der lebensmittelverarbeitenden Industrie zu schaffen.

Quellen: t-online.de, lebensmittelpraxis.de, radioessen.de, lebensmittelzeitung.net, soester-anzeiger.de

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu