Aldi Süd Stellenabbau: 1250 Jobs in Mülheim fallen weg

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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Der Aldi Süd Stellenabbau trifft den Discounter mit voller Wucht: Am Stammsitz in Mülheim an der Ruhr sollen bis Ende 2027 insgesamt 1.250 Stellen gestrichen werden. Betroffen ist vor allem die Digitalsparte Aldi DX, in der über 1.000 der betroffenen Arbeitsplätze angesiedelt sind. Damit erlebt einer der größten deutschen Lebensmitteleinzelhändler das Ende einer teuren Digital-Offensive, die sich als Fehlkalkulation entpuppt.

Aldi Süd Stellenabbau: Mehr als 1.000 IT-Jobs fallen weg

Die Ankündigung kam für viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter überraschend. Aldi Süd informierte die Belegschaft in einer virtuellen Versammlung darüber, dass am Hauptsitz in Mülheim rund 1.250 Stellen bis Ende 2027 wegfallen sollen. Den größten Teil davon trägt die digitale Tochtergesellschaft Aldi DX, die 2024 gegründet worden war, um die IT-Kompetenzen des Konzerns zu bündeln. Die dort beschäftigten Teams sollen einer Unternehmensplanung zufolge um 25 bis 30 Prozent schrumpfen. Von den Bereichsleitern, sogenannten Directors, soll laut Berichten rund 40 Prozent die Stelle verlieren.

Aldi DX war als Herzstück einer ambitionierten Digitalisierungsstrategie gegründet worden. Die IT-Abteilung war in den vergangenen Jahren auf mehr als 4.000 Mitarbeiter angewachsen – eine Zahl, die bei einem Discounter, dessen Geschäftsmodell auf maximaler Kosteneffizienz beruht, als außergewöhnlich gilt. Nun macht das Unternehmen diesen Kurs teilweise rückgängig.

Gescheiterte Digital-Offensive: Wie Aldi Süd die Kostenkontrolle verlor

Was mit großen Zielen begann, droht nun zum teuren Lehrstück zu werden. Aldi Süd hatte jahrelang massiv in digitale Infrastruktur investiert – Personal, Systeme und Prozesse wurden ausgebaut. Doch der Aufbau verlief nach Einschätzung von Branchenkennern ohne ausreichende Kostendisziplin. Angesichts des wachsenden wirtschaftlichen Drucks im gesamten Lebensmitteleinzelhandel zieht das Unternehmen nun die Notbremse.

Teile der Aufgaben sollen künftig nach Ungarn ausgelagert werden. Diese Strategie hat bei Aldi DX bereits Vorläufer: Im vergangenen Jahr sollen bereits rund 400 Stellen durch Auslagerung an den indischen IT-Dienstleister Tata Consultancy Services weggefallen sein. Der jetzt angekündigte Abbau ist jedoch deutlich umfangreicher und betrifft auch Bereiche außerhalb der reinen IT-Funktion, darunter Teile des Einkaufs.

Damit steht Aldi Süd nicht allein. Wie das Ifo Beschäftigungsbarometer für April 2026 zeigt, planen in Deutschland so viele Unternehmen Stellenstreichungen wie seit der Corona-Krise nicht mehr. Der Einzelhandel gehört zu den am stärksten betroffenen Sektoren.

Freiwilligenprogramm statt Entlassungen – vorerst

Betriebsbedingte Kündigungen soll es dem Vernehmen nach vorerst nicht geben. Das Unternehmen plant stattdessen ein Freiwilligenprogramm, das betroffenen Mitarbeitern einen strukturierten Austritt ermöglichen soll. Dabei kommen Abfindungen und Aufhebungsverträge zum Einsatz. Wie viele Beschäftigte das Programm annehmen werden, ist noch offen.

Dennoch wirft der angekündigte Umfang des Stellenabbaus Fragen auf. In der Mülheimer Zentrale sind insgesamt rund 2.000 Mitarbeiter beschäftigt. Fallen 1.250 davon weg, wären das mehr als 60 Prozent der Belegschaft am Stammsitz – eine Zahl, die in der Branche als außergewöhnlich hoch gilt. Insbesondere wenn Maßnahmen wie Verlagerungen und externe Dienstleister nicht ausreichen, könnte der Druck auf Betroffene steigen.

Betriebsrat gegründet – Gewerkschaft mit begrenztem Einfluss

Als Reaktion auf die Stellenabbaupläne haben Beschäftigte bei Aldi DX einen Betriebsrat gegründet. Es ist der erste Betriebsrat in der Geschichte der Digitalsparte. Ein Wahlvorstand wurde gewählt, der die formale Grundlage für die Betriebsratswahl schuf. Der neu gegründete Betriebsrat soll die Interessen der rund 4.000 Mitarbeiter von Aldi International Services – dem rechtlichen Träger von Aldi DX – vertreten.

Die Gewerkschaft ver.di spielt in diesem Prozess eine begrenzte Rolle. Laut Berichten ist der Organisationsgrad bei Aldi DX gering, was die gewerkschaftliche Mitbestimmung erschwert. Dennoch sieht ver.di in möglichen Behinderungen neu gewählter Betriebsräte einen klaren Verstoß gegen geltendes Arbeitsrecht.

Einzelhandel unter Druck – ein strukturelles Problem

Der Aldi-Fall steht stellvertretend für eine breite Krise im deutschen Einzelhandel. Wie eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt, plant jedes dritte Unternehmen in Deutschland für 2026 Personalabbau. Im Einzelhandel häufen sich die Meldungen: von Insolvenzen über Filialschließungen bis zu massiven Stellenstreichungen in Zentralen. Dass nun auch ein Branchenprimus wie Aldi Süd betroffen ist, zeigt, wie tiefgreifend der Wandel ist.

Der Abbauprozess wird die gesamte Branche noch länger beschäftigen. Firmenpleiten in Deutschland haben 2026 ein Rekordniveau nach 20 Jahren erreicht – ein Kontext, in dem der Aldi-Abbau als Teil eines größeren Trends einzuordnen ist. Wie das Unternehmen den Umbau kommuniziert und ob das Freiwilligenprogramm ausreicht, bleibt in den kommenden Monaten entscheidend.

Quellen: Handelsblatt, Lebensmittelzeitung, Business Insider, heise online, Business Punk, ad-hoc-news.de

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