
Die Nike-Aktie hat im April 2026 ein 12-Jahres-Tief markiert. Wer den Kurs vor zehn Jahren zuletzt auf diesem Niveau gesehen hat, erkennt das Ausmaß der Krise: Die Zölle der Trump-Regierung treffen den Sportartikelgiganten an seiner empfindlichsten Stelle – der Lieferkette. Gleichzeitig läuft die Restrukturierung unter CEO Elliott Hill erst an. Die große Frage für Anleger lautet: Ist das Tief eine Kaufgelegenheit oder erst der Beginn eines längeren Absturgs?
Rund 44 Prozent seiner Schuhe produziert Nike in Vietnam, weitere 11 Prozent in China und 21 Prozent in Indonesien. Genau diese Länder trifft die US-Zollpolitik besonders hart: Vietnam mit 46 Prozent Strafzoll, China mit über 54 Prozent, Indonesien mit 32 Prozent. Für Nike bedeutet das eine zusätzliche Kostenlast von rund 1,5 Milliarden US-Dollar allein in diesem Geschäftsjahr – 50 Prozent mehr als noch zu Jahresbeginn erwartet. CFO Matt Friend warnte bereits, dass eine Margenverbesserung vor dem zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 unwahrscheinlich sei. Die Reaktion an der Börse war entsprechend brutal: Am ersten Handelstag nach dem Zollschock fiel die Aktie um mehr als 15 Prozent – der stärkste Tagesrückgang seit Jahren.
Bereits vor dem Zollschock lieferte Nike schwache Zahlen. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2025 sank der Umsatz um 9 Prozent auf 11,3 Milliarden US-Dollar. Besonders schmerzhaft: Der Direktvertrieb – Nikes strategisch wichtigster Kanal – verlor 12 Prozent. Der Großhandel schrumpfte um 7 Prozent. Die Bruttomarge fiel um 3,3 Prozentpunkte auf 41,5 Prozent. Und in China, dem zweitwichtigsten Markt, brach der Umsatz um 17 Prozent ein – ein alarmierendes Signal für die globale Wettbewerbsposition der Marke. Sechs Quartale in Folge zeigt Nike rückläufige Zahlen. Das ist keine Delle, das ist eine strukturelle Herausforderung.
Im Oktober 2024 übernahm Elliott Hill den CEO-Posten – ein Nike-Veteran, der die Marke von innen kennt. Seine Strategie trägt den Namen „Win Now“ und setzt auf Rückbesinnung auf den Sportmarken-Kern: Athleten-Storytelling, Performance-Produkte, große Sportmomente. Erste Erfolge sind sichtbar: Der neue Pegasus Premium ist in Nordamerika nahezu ausverkauft, der Romero 18 für Alltagsläufer verzeichnet starke Nachfrage. Doch Hill selbst dämpft die Erwartungen: Der Turnaround sei „nicht linear“ und brauche Zeit. Das ist eine ehrliche Kommunikation – aber für Anleger, die schnelle Ergebnisse erwarten, eine schwierige Botschaft.
Die Zollwelle hat eine Welle von Kurszielsenkungen ausgelöst. Goldman Sachs stufte Nike von „Buy“ auf „Neutral“ herab und kappte das Kursziel von 76 auf 52 US-Dollar. Bank of America setzte das Ziel von 73 auf 55 US-Dollar zurück, ebenfalls mit der Note „Neutral“. DA Davidson ist noch vorsichtiger und sieht nur 46 US-Dollar als fairen Wert. Das durchschnittliche Kursziel von 39 befragten Analysten liegt trotz der Rückstufungen noch bei rund 77 US-Dollar – doch dieser Konsens berücksichtigt noch nicht alle Zollszenarien vollständig. Fakt ist: Die Bewertung mit einem Forward-KGV von rund 40 auf Basis der Schätzungen für das Geschäftsjahr 2026 wirkt trotz des Kursrückgangs noch ambitioniert, wenn gleichzeitig ein Gewinnrückgang von 30 Prozent erwartet wird.
Nikes eigentliches Problem geht tiefer als Zölle und Quartalszahlen: Die Marke hat in den vergangenen Jahren an Strahlkraft verloren. Das aggressive Direktvertriebsmodell beschädigte die Beziehungen zum Fachhandel, während Herausforderer wie On Running, Hoka und New Balance Marktanteile gewannen. Zuletzt kauften Nike-Insider verstärkt eigene Aktien – ein klassisches Zeichen, dass Insider die Aktie für unterbewertet halten. Historisch gesehen war das häufig ein früher Indikator für eine Trendwende. Doch Insiderkäufe allein machen noch kein Comeback.
Die Nike-Aktie steht an einem Scheideweg. Wer langfristig denkt, sieht eine der stärksten Konsumentenmarken der Welt auf einem Mehrjahrestief – mit einem neuen CEO, der die Marke versteht, und einem Turnaroundplan, der langsam Konturen gewinnt. Das Aufwärtspotenzial ist real: Sollten die Zölle teilweise zurückgenommen oder Lieferketten umstrukturiert werden, könnte die Aktie schnell deutlich zulegen. Wer kurzfristig denkt, sieht hingegen: sinkende Margen, steigende Kosten, rückläufige Umsätze in China, und eine Bewertung, die noch nicht historisch günstig ist. Ein Einstieg macht heute vor allem für Anleger mit einem Horizont von mindestens zwei bis drei Jahren Sinn – und mit der Bereitschaft, zwischenzeitlich weitere Rückschläge auszusitzen.
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