Piusbruderschaft weiht vier Bischöfe gegen den Willen Roms

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Zeremonie in Écône verschärft den Konflikt mit dem Vatikan

Écône. Die Priesterbruderschaft St. Pius X. hat am Mittwoch im schweizerischen Écône vier Priester zu Bischöfen geweiht, obwohl dafür kein päpstliches Mandat vorlag. Nach Angaben der Piusbruderschaft handelte es sich um Pascal Schreiber aus der Schweiz, Michael Goldade aus den USA sowie Michel Poinsinet de Sivry und Marc Hanappier aus Frankreich. Die Associated Press berichtete von einer Zeremonie mit Tausenden Teilnehmern auf dem Gelände des Seminars in Écône.

Der Schritt verschärft den seit Jahrzehnten bestehenden Streit zwischen der traditionalistischen Gemeinschaft und Rom. Nach katholischem Kirchenrecht zieht eine Bischofsweihe ohne päpstlichen Auftrag für die unmittelbar Beteiligten die Exkommunikation als Tatstrafe nach sich. Der Vatikan hatte den Vorgang zuvor als schismatischen Akt bewertet.

Papst Leo XIV. richtete einen letzten Appell an die Bruderschaft

Papst Leo XIV. hatte sich in einem Schreiben vom 29. Juni direkt an den Generaloberen Davide Pagliarani gewandt. Darin würdigte er zwar die liturgische Frömmigkeit und den Einsatz in der Priesterausbildung, forderte die Bruderschaft aber auf, von den Weihen Abstand zu nehmen. Er warnte, ein solcher Schritt könne Gläubige beim rechtmäßigen und teils auch gültigen Empfang von Sakramenten beeinträchtigen.

Pagliarani antwortete am 30. Juni öffentlich. Er erklärte, die Bruderschaft wolle sich nach eigener Darstellung nicht von der römischen Kirche trennen. Zugleich bat er den Papst, vor einer Entscheidung über die Piusbruderschaft die Absicht der Gemeinschaft zu würdigen. Die Weihen wurden dennoch nicht abgesagt.

Écône steht für die lange Vorgeschichte des Streits

Der Ort Écône ist für den Konflikt zentral. Dort hatte Erzbischof Marcel Lefebvre, Gründer der Piusbruderschaft, bereits 1988 vier Bischöfe ohne Zustimmung des Papstes geweiht. Der Vatikan erklärte den Vorgang damals zum schismatischen Akt. Lefebvre und die geweihten Bischöfe wurden exkommuniziert. Papst Benedikt XVI. hob 2009 die Exkommunikation der vier Bischöfe auf, eine vollständige Einigung zwischen Rom und der Bruderschaft kam jedoch nicht zustande.

Inhaltlich geht es nicht nur um die lateinische Liturgie. Die Piusbruderschaft lehnt zentrale Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils ab. Dazu zählen nach kirchlicher Einordnung vor allem Fragen der Liturgie, der Religionsfreiheit und der Ökumene. Rom sieht darin seit Jahrzehnten ein Hindernis für eine vollständige kirchliche Einheit.

Deutscher Bezug über Zaitzkofen und Regensburg

Der Konflikt hat auch einen deutschen Bezug. Pascal Schreiber, einer der vier nun geweihten Bischöfe, war seit 2020 Regens des Priesterseminars Herz Jesu der Piusbruderschaft in Zaitzkofen im Bistum Regensburg. Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer hatte der Bruderschaft Ende Mai erneut Priesterweihen auf dem Gebiet seiner Diözese untersagt. Nach Darstellung des Bistums fehlen dafür die notwendigen rechtlichen Voraussetzungen der römisch-katholischen Kirche.

Die Piusbruderschaft führte Ende Juni dennoch Priester- und Diakonatsweihen in Zaitzkofen an. Auf ihrer deutschen Seite veröffentlichte die Gemeinschaft dazu eigene Berichte und Termine. Damit bleibt Zaitzkofen einer der wichtigsten Standorte der Bruderschaft in Deutschland.

Weltweite Struktur mit Sitz in Menzingen

Die Priesterbruderschaft St. Pius X. wurde 1970 von Marcel Lefebvre gegründet und hat ihren Hauptsitz im schweizerischen Menzingen. Weltweit betreibt sie Priorate und Seminare.

Nach Zahlen der Bruderschaft zum Stichtag 1. November 2025 zählte sie 1.482 Mitglieder, darunter zwei Weihbischöfe, 733 Priester, 264 Seminaristen, 145 Brüder, 88 Oblatinnen und 250 Schwestern. In Deutschland nennt die Gemeinschaft knapp 50 Priester, elf Priorate und 52 betreute Kapellen.

Vatikan muss nun über die weitere Reaktion entscheiden

Unmittelbar nach den Weihen steht die Frage im Raum, wie der Vatikan den Vorgang öffentlich und kirchenrechtlich einordnet. Nach der bisherigen Linie Roms gilt die Weihe von Bischöfen ohne päpstliches Mandat als schwerer Verstoß gegen die kirchliche Einheit. Zugleich hatte Papst Leo XIV. in seinem Schreiben ausdrücklich die Möglichkeit eines Dialogs offengehalten.

Für die Piusbruderschaft bedeutet der Schritt eine neue Eskalationsstufe. Sie beruft sich auf einen innerkirchlichen Notstand und sieht die neuen Bischöfe als notwendig für Weihen und Firmungen in ihrem weltweiten Umfeld. Rom bewertet denselben Vorgang als Bruch mit der kirchlichen Ordnung. Damit rückt die Frage nach dem künftigen Verhältnis zwischen Vatikan und Piusbruderschaft erneut ins Zentrum der katholischen Weltkirche.

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