
Strahlentherapie gehört zu den wichtigsten Verfahren in der Krebsmedizin. Sie kann Tumoren gezielt zerstören, Beschwerden lindern oder in Kombination mit Operation und Medikamenten eingesetzt werden. Aktuell steht die Behandlung aus zwei sehr unterschiedlichen Gründen im Fokus: Die an schwarzem Hautkrebs erkrankte Patrice Aminati hat laut eigenen Angaben weitere Bestrahlungen vor sich. Gleichzeitig zeigt eine neue Studie unter Beteiligung des Deutschen Krebsforschungszentrums, wie schwer manche Tumoren selbst mit hoch dosierter Bestrahlung zu kontrollieren sind.
Patrice Aminati, frühere Ehefrau von TV-Moderator Daniel Aminati, hat nach eigener Darstellung erneut eine Strahlentherapie nötig. In einer Instagram-Story habe sie geschrieben, dass eine laufende Therapie bei manchen Metastasen nicht anschlage. Ein MRT habe dies gezeigt. Deshalb seien zusätzliche Bestrahlungen erforderlich. Aminati leidet nach früheren eigenen Angaben seit rund drei Jahren an schwarzem Hautkrebs. Eine vollständige Heilung sei nach früheren Aussagen von ihr ausgeschlossen.
Der private Fall eignet sich nur begrenzt zur medizinischen Verallgemeinerung. Er zeigt aber die Belastung, die eine langwierige onkologische Behandlung für Patientinnen und Patienten bedeutet.
Den wissenschaftlich belastbaren Anlass liefert eine am 30. Juni veröffentlichte Mitteilung des DKFZ. Danach hat ein internationales Forschungsteam in der INTRAGO-II-Studie untersucht, ob eine zusätzliche intraoperative Bestrahlung bei neu diagnostiziertem Glioblastom Vorteile bringt. Glioblastome gehören zu den aggressivsten bösartigen Hirntumoren bei Erwachsenen. In die Studie wurden 314 Patienten aus 18 Kliniken in 7 Ländern auf 4 Kontinenten aufgenommen.
Das Ergebnis fiel nach DKFZ-Angaben ernüchternd aus. Trotz einer sehr hohen Strahlendosis direkt im Operationsgebiet konnte das Fortschreiten der Erkrankung nicht aufgehalten werden. Die Studie deutet damit darauf hin, dass beim Glioblastom nicht allein eine höhere Dosis entscheidend ist. Wichtiger wird das Verständnis der biologischen Mechanismen, mit denen sich Tumorzellen gegen Therapien behaupten.
Die Strahlentherapie hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Moderne Verfahren versuchen, die Strahlung genauer auf Tumorgewebe zu lenken und gesundes Gewebe besser zu schonen. Das DKFZ nennt als Forschungsschwerpunkte unter anderem die Behandlung beweglicher Tumoren in Lunge und Oberbauch, atemangepasste Verfahren, funktionelle Bildgebung mit PET und MRT sowie die Integration der MR-Bildgebung in die bildgesteuerte Strahlentherapie.
Auch MRT Linac Systeme stehen für diesen Fortschritt. Dabei werden Magnetresonanztomographie und Linearbeschleuniger kombiniert. Der Vorteil liegt darin, dass Lage und Veränderung eines Tumors während der Behandlung genauer berücksichtigt werden können. Besonders bei beweglichen Organen oder bei Tumoren in empfindlicher Umgebung kann das für die Planung und Steuerung der Bestrahlung wichtig sein.
Die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie verweist in einer Übersicht auf Studien, in denen moderne Strahlentherapie organerhaltende Behandlungen ermöglichen kann. Genannt werden Prostatakarzinome und tief sitzende Enddarmtumoren. In diesen Bereichen geht es nicht nur um Tumorkontrolle, sondern auch um den Erhalt von Funktionen und Lebensqualität.
Die Fachgesellschaft ordnet Strahlentherapie als tragende Säule der Krebsbehandlung ein. Nach DEGRO-Angaben erhalten von den geheilten Krebspatienten etwa 50 bis 60 Prozent im Rahmen der primär auf Heilung zielenden Behandlung eine Strahlentherapie, entweder allein oder in Kombination mit Operation oder Chemotherapie.
Die Bedeutung solcher Forschung ist groß, weil Krebs in Deutschland sehr häufig ist. Nach Angaben des Zentrums für Krebsregisterdaten am Robert Koch-Institut wurden im Jahr 2023 in Deutschland 517.800 Krebserkrankungen diagnostiziert. Etwa die Hälfte entfiel auf Prostata, Brustdrüse, Lunge sowie Dick und Enddarm.
Gleichzeitig zeigen die aktuellen Daten, dass technische Präzision allein nicht jede therapeutische Grenze überwindet. Beim Glioblastom etwa reicht eine zusätzliche Hochdosis-Bestrahlung nach den neuen Studiendaten nicht aus, um den Verlauf entscheidend zu verändern. Bei anderen Tumorarten kann moderne Bestrahlung dagegen helfen, Eingriffe zu vermeiden oder Organe zu erhalten. Genau deshalb rückt die personalisierte Krebsmedizin stärker in den Mittelpunkt.
Strahlentherapie bleibt ein zentraler Baustein der Onkologie. Der Fall Patrice Aminati macht die Belastung einer langwierigen Krebsbehandlung sichtbar, darf aber nicht medizinisch verallgemeinert werden. Die DKFZ-Studie zeigt zugleich, dass selbst hochmoderne Bestrahlung bei besonders aggressiven Tumoren an biologische Grenzen stoßen kann. Der Fortschritt liegt deshalb nicht nur in mehr Technik, sondern in der genaueren Auswahl der passenden Behandlung für den jeweiligen Tumor.
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