
Russland setzt im Krieg gegen die Ukraine weiter auf finanzielle Anreize für neue Vertragssoldaten. Präsident Wladimir Putin hat ein Gesetz unterzeichnet, das neuen Rekruten und ihren Ehepartnern den Erlass bestimmter Schulden ermöglicht. Die Regelung gilt für Russen, die ab dem 1. Mai 2026 einen mindestens einjährigen Vertrag mit dem Verteidigungsministerium schließen.
Der Schuldenerlass kann sich auf bis zu zehn Millionen Rubel belaufen. Das entspricht etwa 139.000 US-Dollar oder rund 120.000 Euro. Nach Angaben des Kremls und russischer Medien betrifft die Regelung jedoch nicht beliebige private Schulden, sondern überfällige Kreditverbindlichkeiten, die bereits Gegenstand gerichtlicher beziehungsweise vollstreckungsrechtlicher Verfahren sind.
Das Gesetz wurde Ende Mai unterzeichnet und gilt für Militärverträge, die seit dem 1. Mai 2026 abgeschlossen wurden. Damit können auch Männer profitieren, die sich bereits in den vergangenen Wochen verpflichtet haben. Voraussetzung ist ein Vertrag mit einer Mindestlaufzeit von einem Jahr für den Einsatz in dem von Russland offiziell als „Spezialoperation“ bezeichneten Krieg gegen die Ukraine.
Die Maßnahme bezieht auch Ehepartner ein. Damit kann die finanzielle Entlastung ganze Haushalte betreffen. Für Menschen mit hohen überfälligen Krediten kann der Anreiz erheblich sein, zumal Russland bereits seit Jahren mit hohen Einmalzahlungen, Sold und sozialen Vergünstigungen um Vertragssoldaten wirbt.
Der Schuldenerlass steht nicht isoliert. Russland versucht seit Beginn des großangelegten Angriffskriegs, neue Soldaten über finanzielle Vorteile zu gewinnen. Dazu gehören regionale Antrittsprämien, hohe monatliche Zahlungen, Vergünstigungen für Familien und weitere staatliche Unterstützungsangebote.
Bereits Ende 2024 hatte Putin ein Gesetz unterzeichnet, das neuen Vertragssoldaten unter bestimmten Bedingungen Schuldenerlasse von bis zu zehn Millionen Rubel ermöglichte. Die nun unterzeichnete Regelung setzt diese Linie fort und erweitert den Kreis der Begünstigten auf Verträge ab Mai 2026.
Der Kreml versucht, seine Truppenstärke zu erhöhen, ohne eine neue große Mobilmachung auszurufen. Die Teilmobilmachung im Herbst 2022 hatte in Russland erhebliche Unruhe ausgelöst und viele Männer zur Ausreise veranlasst. Seitdem setzt Moskau stärker auf Vertragssoldaten, regionale Werbekampagnen und finanzielle Versprechen.
Der neue Schuldenerlass passt in diese Strategie. Er spricht besonders Menschen an, die durch Kredite, Vollstreckungsverfahren oder wirtschaftlichen Druck belastet sind. Kritiker sehen darin einen Hinweis darauf, dass der russische Staat soziale und finanzielle Notlagen für die Rekrutierung nutzt.
Der Krieg dauert inzwischen mehr als vier Jahre. Russland hat nach westlichen und ukrainischen Schätzungen sehr hohe Verluste erlitten, wobei genaue Zahlen unabhängig schwer zu überprüfen sind. Sicher ist: Der Personalbedarf bleibt hoch, und Moskau sucht fortlaufend neue Wege, Männer für den Fronteinsatz zu gewinnen.
Die neue Regelung zeigt, wie stark der Krieg inzwischen in soziale und wirtschaftliche Bereiche hineinwirkt. Schulden, Familienfinanzen und militärische Verpflichtung werden durch das Gesetz unmittelbar miteinander verknüpft.
Für den Kreml kann der Schuldenerlass kurzfristig helfen, neue Vertragssoldaten zu gewinnen. Gleichzeitig offenbart die Maßnahme, wie teuer und personalintensiv der Krieg geworden ist. Wer sich verpflichtet, erhält nicht nur Sold und Prämien, sondern kann unter bestimmten Voraussetzungen auch erhebliche Schulden loswerden.
Für die Betroffenen bleibt der Preis hoch. Der Erlass finanzieller Verpflichtungen ist an den Militärdienst in einem verlustreichen Krieg gebunden. Genau darin liegt die politische Brisanz des Gesetzes: Es macht private Verschuldung zu einem Instrument der Kriegsrekrutierung.
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