
Nach mehreren Krankheitsfällen warnen französische Behörden davor, Wasser direkt aus Bächen, Flüssen oder Seen in den Pyrenäen zu trinken. Zuletzt mussten elf Wanderer nach schweren Magen-Darm-Beschwerden versorgt werden. Neun von ihnen wurden mit Hubschraubern in ein Krankenhaus nach Tarbes gebracht. Die Präfektur des Départements Hautes-Pyrénées rät dazu, ausschließlich Wasser aus kontrollierten Quellen zu nutzen.
Nach einem Bericht der französischen Regionalzeitung Sud-Ouest erkrankten zunächst zwei Wandergruppen mit insgesamt neun Teilnehmern. Die Betroffenen hatten während ihrer Touren Wasser aus Bächen oder Seen getrunken. Anschließend litten sie unter massivem Brechdurchfall und mussten mit Rettungshubschraubern in eine Klinik in Tarbes gebracht werden. Bereits am Vortag waren zwei weitere Wanderer mit ähnlichen Beschwerden betroffen. Damit wurden innerhalb kurzer Zeit mindestens elf Erkrankungen bekannt.
Auch Übelkeit, Erbrechen und Durchfall werden von den Hochgebirgsrettern der CRS Pyrénées als typische Beschwerden genannt. Ob bei allen Betroffenen derselbe Krankheitserreger festgestellt wurde, ist bislang nicht belegt. Die Behörden sprechen daher nicht von einer bestimmten Infektion, sondern von Erkrankungen, die nach dem Konsum von Wasser aus natürlichen Gewässern aufgetreten sind.
Bei den aktuellen Rettungseinsätzen handelt es sich nach Angaben der örtlichen Bergrettung nicht um Einzelfälle. Sébastien Abbadie, Leiter der Bergrettung in der Region, sagte dem französischen Sender Ici, die Einsatzkräfte würden täglich zu Notfällen gerufen.
Im Jahr 2025 habe es mehr als 50 Einsätze nach dem Trinken von Gebirgswasser gegeben. Abbadie appellierte deshalb an Wanderer, kein unbehandeltes Wasser aus Bächen oder Seen zu trinken. Damit ließen sich vermeidbare Rettungseinsätze verhindern.
Die hohe Zahl ist besonders relevant, weil Rettungen im Hochgebirge häufig aufwendig sind. Erkrankte Wanderer können wegen Flüssigkeitsverlust, Kreislaufproblemen und körperlicher Schwäche möglicherweise nicht mehr selbstständig absteigen. In abgelegenen Gebieten kann deshalb ein Hubschraubereinsatz erforderlich werden.
Die Präfektur der Hautes-Pyrénées weist darauf hin, dass klares und kühl wirkendes Wasser nicht automatisch Trinkwasserqualität besitzt. Krankheitserreger und andere Verunreinigungen sind mit bloßem Auge nicht erkennbar.
Als mögliche Ursachen nennt die Behörde Tierfäkalien und menschliche Abfälle, die oberhalb einer Entnahmestelle in das Gewässer gelangen können. Auch Wildtiere oder Weidetiere können Wasserläufe verunreinigen. Nach Niederschlägen können Keime und Schmutz zusätzlich aus dem Boden in Bäche und Seen gespült werden.
Dass ein Bach schnell fließt oder das Wasser keinen auffälligen Geruch besitzt, ist deshalb kein Nachweis für gesundheitliche Unbedenklichkeit. Auch abgelegene Gewässer können mikrobiologisch belastet sein. Der französische Wanderverband warnt laut der Deutschen Presse-Agentur ebenfalls vor solchen Verunreinigungen und rät davon ab, Wasser unmittelbar aus der Natur zu trinken.
Besorgt zeigen sich die Rettungskräfte über einen zunehmenden Trend: Einige Wanderer nehmen offenbar keinen ausreichenden Wasservorrat mehr mit und verlassen sich vollständig auf sogenannte Filterflaschen.
Die Präfektur warnt jedoch ausdrücklich, dass solche Flaschen nicht ausreichen, um Wasser aus natürlichen Bächen oder Flüssen zuverlässig zu reinigen. Die Wirksamkeit hängt unter anderem von der eingesetzten Filtertechnik, dem Zustand des Filters und der Art der Verunreinigung ab. Nicht jedes System entfernt sämtliche mikrobiologischen Belastungen.
Der französische Wanderverband empfiehlt deshalb, Filterflaschen höchstens in einer Notsituation zu verwenden. Sie sollten nicht als regulärer Ersatz für mitgebrachtes oder kontrolliertes Trinkwasser eingeplant werden. Auch sichtbare Schwebstoffe zu entfernen bedeutet nicht automatisch, dass das Wasser anschließend frei von gesundheitsschädlichen Keimen ist.
Die Präfektur der Hautes-Pyrénées empfiehlt, pro Person und Stunde Wanderzeit mindestens einen halben Liter Trinkwasser einzuplanen. Bei Hitze, starker körperlicher Belastung oder besonders langen Touren kann der persönliche Bedarf höher liegen.
Wanderer sollten ihre Flaschen vor dem Start mit Leitungswasser oder abgefülltem Trinkwasser füllen. Auf längeren Strecken können bewirtschaftete Berghütten zum sicheren Nachfüllen genutzt werden. Bereits bei der Tourenplanung sollte geprüft werden, wo kontrollierte Versorgungsmöglichkeiten vorhanden sind.
Wer nach dem Trinken von Naturwasser an starkem Erbrechen oder Durchfall leidet, sollte die Tour abbrechen und Hilfe anfordern. Der damit verbundene Flüssigkeitsverlust kann bei körperlicher Belastung schnell zu Schwäche und Kreislaufproblemen führen. In abgelegenen Gebieten sollten Betroffene ihren Standort möglichst genau übermitteln und nicht versuchen, trotz deutlicher Beschwerden weiterzuwandern.
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