
Die SAP Aktie hat in den vergangenen Handelstagen deutlich zugelegt und zwischenzeitlich um mehr als acht Prozent angezogen. Gleichzeitig haben mehrere Analysten ihre Kursziele für den Walldorfer Softwarekonzern teils drastisch nach unten korrigiert. Ein Widerspruch, der die aktuelle Unsicherheit am Markt gut spiegelt.
Nach einem schwachen Jahresstart, in dem die SAP Aktie von über 230 Euro auf zeitweise unter 140 Euro abrutschte, setzt nun eine Gegenbewegung ein. Auslöser ist eine breit angelegte Erholung an den europäischen Technologiemärkten, nachdem die erste Schockwelle der US-Zollankündigungen von Präsident Trump verdaut wurde. Händler berichten von Schnäppchenkäufen institutioneller Investoren, die die temporären Tiefstkurse nutzten. Ähnliche Bewegungen waren zuletzt auch bei anderen europäischen Technologieaktien wie ASML zu beobachten.
Trotz der kurzfristigen Kursrally zeichnen die großen Investmentbanken ein gedämpftes Bild. JP Morgan hat die SAP Aktie von „Overweight“ auf „Neutral“ herabgestuft und das Kursziel von 260 auf 175 Euro gesenkt – ein Rückgang von fast einem Drittel. Als Begründung nennen die Analysten steigende Risiken durch KI-Konkurrenten sowie einen möglichen Rückgang der IT-Budgets amerikanischer Kunden infolge der Zollpolitik. Barclays bleibt zwar bei seiner Kaufempfehlung, senkte das Ziel aber ebenfalls von 240 auf 220 Euro. Frühere Analysen zur SAP Aktie hatten noch deutlich optimistischere Szenarien gezeichnet.
SAP selbst ist als europäischer Softwareanbieter nicht direkt von US-Importzöllen auf Waren betroffen. Der indirekte Effekt ist jedoch erheblich: Viele SAP-Kunden in den USA – vor allem produzierende Unternehmen und Handelskonzerne – sind unmittelbar von den Zöllen betroffen. Kürzen diese Firmen ihre IT-Budgets, treffen Investitionsaufschübe für Cloud-Migrationen oder neue ERP-Lizenzen direkt das SAP-Geschäft. Analysten sprechen hier vom sogenannten „Umweg-Effekt“ der Zollpolitik. Auch bei anderen KI- und Technologieunternehmen wie OpenAI wird der gesamtwirtschaftliche Bremseffekt zunehmend diskutiert.
Der entscheidende Termin rückt näher: Am 23. April 2026 veröffentlicht SAP seine Ergebnisse für das erste Quartal. Analysten erwarten Gesamterlöse von rund 9,56 Milliarden Euro – ein Plus von etwa sechs Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Besonders im Fokus steht der sogenannte „Current Cloud Backlog“, der vertraglich gebundene Cloudumsatz der Zukunft. Dieser Wert gilt als direkter Indikator dafür, ob Unternehmenskunden trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten an ihren KI-gestützten ERP-Investitionen festhalten. Für die Aktie dürfte das Quartalsergebnis richtungsweisend sein – nach oben wie nach unten.
Quellen: JP Morgan Research, Barclays Analyst Report, finanzen.ch, MarketBeat, TradingKey
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