
Die Schüsse in Neustadt in Sachsen vom 28. April 2026 bewegen Deutschland weiterhin: Drei Menschen starben, nachdem ein Mann in einer Begegnungsstätte um sich geschossen hatte. Nun fordern Expertinnen und Politiker die offizielle Einordnung der Tat als Femizid – und Tausende Euro wurden für die hinterbliebenen Kinder der Opfer gespendet.
Am 28. April 2026 gegen 12:40 Uhr alarmierte die Polizei ein Notruf: In einer offenen Begegnungsstätte in Neustadt in Sachsen hatte ein Mann das Feuer eröffnet. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Dresden fanden die eintreffenden Beamten vor Ort zwei Tote und eine schwer verletzte Person. Bei den Todesopfern handelte es sich laut Ermittlungen um eine 48-jährige Frau – die frühere Lebensgefährtin des Täters – sowie um einen 54-jährigen Sozialarbeiter, der an dem Gespräch zwischen den Beteiligten teilgenommen hatte. Die schwer verletzte 49-Jährige erlag am nächsten Tag im Krankenhaus ihren Verletzungen. Der Täter beging nach der Tat am Tatort Suizid. Die Staatsanwaltschaft Dresden ermittelt wegen zweifachen Mordes.
In den Wochen nach der Tat hat sich eine breite gesellschaftliche Debatte über die Schüsse in Neustadt Sachsen entwickelt. Laut übereinstimmenden Medienberichten fordern Fachleute aus der Opferschutzarbeit und der Rechtswissenschaft, die Tat als Femizid einzuordnen – also als gezielten Mord an einer Frau aufgrund ihres Geschlechts und im Kontext einer Trennungssituation. Die Partei Die Linke Sachsen erklärte in einer Pressemitteilung, es sei wieder einmal nicht ausgesprochen worden, was es sei: Femizid. Auch der MDR hat den Fall in einem Politikpodcast als Beispiel für ein bundesweites Muster analysiert. Das Gespräch in der Begegnungsstätte hatte stattgefunden, weil sich das Paar wenige Wochen zuvor getrennt hatte – eine Konstellation, die Expertinnen zufolge besonders gefährlich ist: Die Trennung gilt als häufigster Auslöser für tödliche Partnerschaftsgewalt.
Die Anteilnahme der Bevölkerung für die Hinterbliebenen ist groß: Laut einem Bericht der Freien Presse wurden Tausende Euro für die Kinder der Todesopfer gespendet. Die tödliche Gewalt durch Schusswaffen ist in Deutschland trotz strenger Waffengesetze ein wiederkehrendes Thema. Im Fall Neustadt war der Täter nach Angaben der Staatsanwaltschaft zwar berechtigt, die eingesetzte Waffe zu besitzen, jedoch nicht, sie außerhalb seiner Wohnung zu führen. Dieser Umstand wird von Juristen als möglicher Anknüpfungspunkt für schärfere Regelungen diskutiert. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Dresden dauern weiter an.
Der Fall Neustadt reiht sich in eine erschreckende Statistik ein. Laut Bundeskriminalamt werden in Deutschland im Durchschnitt alle zwei bis drei Tage eine Frau von ihrem (Ex-)Partner getötet. Der Begriff Femizid ist in Deutschland bislang nicht als eigener Straftatbestand im Strafgesetzbuch verankert. Aktivistinnen und Juristinnen fordern seit Jahren eine gesonderte gesetzliche Anerkennung, um das Ausmaß der Gewalt sichtbar zu machen und Strafverfolgung gezielter zu gestalten. Dem Fall Neustadt in Sachsen kommt dabei eine besondere Bedeutung zu: Er zeigt, dass auch institutionelle Schutzräume wie Beratungsstellen und Begegnungsstätten keine garantierte Sicherheit bieten können – und dass Präventionsmaßnahmen bei Hochrisikofällen in der Trennungsphase dringend ausgebaut werden müssen.
Quellen: Medienservice Sachsen, t-online.de, Freie Presse, L-IZ Leipzig, Die Linke Sachsen, MDR, Berliner Zeitung
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