
Bei Rolls-Royce Power Systems in Friedrichshafen ist eine neue Debatte über die Zukunft des Standorts entbrannt. Der Betriebsrat warnt vor einem massiven Abbau von Arbeitsplätzen in den kommenden Jahren. Das Unternehmen weist diese Darstellung zurück und betont, dass Friedrichshafen weiterhin ein zentraler Standort bleiben solle. Die Auseinandersetzung trifft einen Konzernbereich, der zuletzt wirtschaftlich ausgesprochen stark dastand.
Auslöser der neuen Diskussion ist eine Betriebsversammlung vom Montag, 20. April 2026. Dort warnte Betriebsratschef Thomas Bittelmeyer nach Berichten mehrerer Medien davor, dass in den kommenden Jahren bis zu 3.000 Arbeitsplätze in der Bodenseeregion gefährdet sein könnten. Hintergrund seien geplante Verlagerungen einzelner Funktionen ins Ausland. Genannt wurden Bereiche wie Finanzen, Personal und Garantieabwicklung, die demnach nach Polen gehen könnten. Zudem befürchtet der Betriebsrat, dass auch Teile von Entwicklungsabteilungen nach Indien verlagert werden.
Besonders brisant ist die Zahl deshalb, weil Rolls-Royce Power Systems in der Region nach aktuellem Stand rund 6.600 Menschen beschäftigt. Sollte sich die Sorge des Betriebsrats bewahrheiten, wäre das für Friedrichshafen und den Bodenseeraum ein tiefer Einschnitt. Zugleich ist wichtig: Bislang handelt es sich um eine Warnung der Arbeitnehmervertretung, nicht um eine vom Unternehmen angekündigte Streichliste in dieser Größenordnung.
Die Unternehmensführung stellt den Befürchtungen eine völlig andere Lesart entgegen. Nach Angaben des Unternehmens sollen bis Ende 2028 in Friedrichshafen sogar rund 600 neue Stellen entstehen. Weltweit seien im Rahmen von Umstrukturierungen bis dahin lediglich etwa 290 Stellen betroffen, davon weniger als die Hälfte in Deutschland. Arbeitsdirektorin Thelse Godewerth betonte laut den Berichten, der Standort Friedrichshafen spiele weiterhin eine zentrale Rolle.
Damit stehen sich derzeit zwei sehr unterschiedliche Narrative gegenüber. Auf der einen Seite die Warnung vor einer schleichenden Verlagerung zentraler Aufgaben ins Ausland. Auf der anderen Seite der Verweis auf zusätzliche Arbeitsplätze, Investitionen und die strategische Bedeutung des Standorts. Gerade deshalb dürfte die Frage in den kommenden Tagen sein, ob das Unternehmen seine Planungen detaillierter offenlegt und wie diese mit den Sorgen des Betriebsrats zusammenpassen. Die heute öffentlich gewordene Debatte zeigt vor allem, dass das Vertrauen zwischen Belegschaftsseite und Management stark belastet ist. Diese Zuspitzung ist eine Einordnung auf Basis der öffentlich bekannten Positionen.
Brisant ist die Debatte auch deshalb, weil Rolls-Royce Power Systems erst vor wenigen Wochen starke Geschäftszahlen vorgestellt hatte. Für 2025 meldete das Unternehmen einen Umsatz von 5,72 Milliarden Euro und einen bereinigten Betriebsgewinn von 995 Millionen Euro. Der Auftragseingang lag bei 7,14 Milliarden Euro. Als Wachstumstreiber nannte der Konzern vor allem die Energieversorgung für Rechenzentren und das Verteidigungsgeschäft.
Parallel dazu hatte Rolls-Royce erklärt, weiter in Kapazitäten zu investieren. In Friedrichshafen werden Werke neu aufgestellt, zusätzlich entsteht ein neues Werk, in dem ab 2028 auch die Baureihe 4000 montiert werden soll. Nach Unternehmensangaben sollen im laufenden Jahr mehr als 1.000 Stellen besetzt werden. Gerade diese Expansion macht den aktuellen Konflikt so erklärungsbedürftig: Während das Unternehmen Wachstum und Investitionen betont, fürchtet der Betriebsrat, dass gut bezahlte und qualifizierte Tätigkeiten dennoch schrittweise aus Deutschland heraus verlagert werden könnten.
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