
Der Stromausfall in Kuba hat sich innerhalb von weniger als 24 Stunden zu einer doppelten Krise entwickelt. Nachdem das nationale Stromnetz am späten Sonntagabend vollständig zusammengebrochen war, scheiterte am Montagnachmittag auch der laufende Wiederaufbau. Gewitter und starke Regenfälle störten nach Angaben des staatlichen Energieversorgers UNE das noch instabile Übertragungsnetz. Bereits wieder zugeschaltete Kraftwerksblöcke fielen erneut aus. Millionen Menschen auf der Karibikinsel waren damit weiterhin ohne verlässliche Stromversorgung.
Die erste vollständige Trennung des nationalen Stromsystems SEN ereignete sich am Sonntag, 2. August 2026, gegen 22.43 Uhr Ortszeit. Eine konkrete technische Ursache dafür wurde zunächst nicht genannt. Die Unión Eléctrica begann anschließend, kleinere Versorgungsinseln aufzubauen und einzelne Kraftwerksblöcke wieder hochzufahren. Am Montag gegen 17.05 Uhr folgte jedoch der nächste Rückschlag. Unwetter im Westen des Landes beeinträchtigten die Übertragungsleitungen. Dadurch brach das bereits aufgebaute Teilsystem zwischen Pinar del Río und Cienfuegos erneut zusammen. Zwischen beiden Ereignissen lagen rund 18 Stunden.
Nach dem zweiten Zusammenbruch mussten die kubanischen Energiebehörden den Wiederaufbau erneut beginnen. Zunächst sollte ein stabiles westliches Teilnetz entstehen, bevor die Verbindung nach Zentral- und Ostkuba wiederhergestellt werden kann. Vorrang erhielten Krankenhäuser, Anlagen der Wasserversorgung und andere wichtige Einrichtungen. In Havanna waren nach dem jüngsten veröffentlichten Stand 144 Verteilkreise mit rund 434.000 Kunden wieder angeschlossen. Das entsprach etwa der Hälfte der Anschlüsse in der Hauptstadt. Zudem wurden 38 Krankenhäuser und mehrere Anlagen der Wasserversorgung wieder mit Energie versorgt. Die Behörden warnten allerdings vor erneuten Schwankungen und Abschaltungen.
Der aktuelle Stromausfall in Kuba ist bereits der sechste landesweite Blackout des Jahres 2026. Zwei vollständige Netzzusammenbrüche wurden im März registriert, drei weitere folgten im Juli. In einigen Teilen des Landes dauern die regelmäßigen Abschaltungen inzwischen mehr als 20 Stunden pro Tag. Sie beeinträchtigen Haushalte, Unternehmen, Krankenhäuser, die Wasserversorgung und den öffentlichen Verkehr. Nach Angaben der Associated Press suchen Menschen in Havanna nachts teilweise am Malecón Schutz vor der Hitze, weil Ventilatoren und Klimaanlagen in ihren Wohnungen nicht funktionieren.
Hinter den wiederholten Zusammenbrüchen stehen nach internationalen Berichten mehrere Probleme. Viele kubanische Wärmekraftwerke sind seit Jahrzehnten in Betrieb und fallen wegen technischer Defekte und unzureichender Wartung regelmäßig aus. Hinzu kommen fehlender Brennstoff, knappe Ersatzteile und jahrelang geringe Investitionen in die Energieversorgung. Die kubanische Regierung macht vor allem die Sanktionen und Handelsbeschränkungen der USA für fehlende Finanzierungsmöglichkeiten und Brennstofflieferungen verantwortlich. Die US-Regierung verweist dagegen auf strukturelle Probleme des staatlich kontrollierten Wirtschaftssystems. Auch nach einer vollständigen Wiederherstellung des Netzes werden weitere planmäßige und ungeplante Abschaltungen erwartet.
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