Trotz vieler Vorschläge: Warum „Mehrzweckeier“ nicht Jugendwort werden darf

Trotz vieler Vorschläge: Warum „Mehrzweckeier“ nicht Jugendwort werden darf
Ute Kranz

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„Mehrzweckeier“ gehörte nach Angaben des Langenscheidt-Verlags eigentlich zu den zehn am häufigsten eingereichten Vorschlägen für das Jugendwort des Jahres 2026. In der nun gestarteten Abstimmung taucht der Begriff trotzdem nicht auf. Der Verlag schloss „Mehrzweckeier“ vor der Veröffentlichung der Top 10 aus. Als Grund nennt Langenscheidt zwei zentrale Verstöße gegen die Regeln des Wettbewerbs: Der Ausdruck sei durch eine organisierte Kampagne verbreitet worden und beruhe zugleich auf einer persönlichen Beleidigung.

Damit hatte der Begriff trotz seiner hohen Zahl an Einreichungen keine Chance, in das offizielle Voting aufgenommen zu werden.

Mehrzweckeier nicht zugelassen: Das sind die beiden Gründe

Der Langenscheidt-Verlag erklärte zur Entscheidung, „Mehrzweckeier“ habe sich am Ende der Einreichungsphase rechnerisch unter den zehn häufigsten Vorschlägen befunden. Häufigkeit allein entscheidet jedoch nicht darüber, welche Begriffe zur Wahl gestellt werden.

Nach Angaben des Verlags geht der Ausdruck auf eine gezielte Kampagne zurück und beruht zugleich auf einer persönlichen Beleidigung. Damit erfülle er gleich zwei zentrale Ausschlusskriterien. Langenscheidt schließt nach seinen Regeln offensichtliche Fakes sowie Begriffe aus, die von einzelnen Gruppen oder reichweitenstarken Internetnutzern gezielt in die Abstimmung gedrückt werden. Ebenfalls ausgeschlossen werden beleidigende, rassistische, diskriminierende oder sexistische Ausdrücke.

Der Verlag will mit der Wahl Begriffe finden, die tatsächlich zum alltäglichen Wortschatz junger Menschen gehören. Eine hohe Zahl organisierter Einreichungen soll deshalb nicht ausreichen, um einen Ausdruck in die Endauswahl zu bringen.

Woher kommt der Begriff „Mehrzweckeier“?

Bei „Mehrzweckeier“ handelt es sich um eine lautliche und schriftliche Abwandlung der Parole „Merz leck Eier“. Der Spruch richtet sich gegen Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz und wurde unter anderem bei Protesten junger Menschen gegen die Wehrpflicht verwendet.

Bei einer Schülerdemonstration in Berlin trug ein 18-Jähriger Anfang März ein Plakat mit dieser Aufschrift. Anschließend wurde gegen ihn wegen des Verdachts der Verleumdung ermittelt. Auch bei späteren Protestveranstaltungen waren entsprechende Plakate zu sehen. Der Ausdruck könnte dabei zusätzlich auf die Musterung für den Wehrdienst anspielen.

Aus dem ursprünglichen Spruch entstand anschließend das zusammengezogene Kunstwort „Mehrzweckeier“. Im Internet verbreiteten sich verschiedene Schreibweisen. Bereits zu Beginn der Einreichungsphase bestätigte Pons Langenscheidt, dass mehrere Varianten als Vorschläge eingegangen waren. Welche konkrete Form am häufigsten genannt wurde, ließ der Verlag zunächst offen, um das weitere Einreichungsverhalten nicht zu beeinflussen.

Onlinekampagne sollte Begriff in die Top 10 bringen

Dass „Mehrzweckeier“ so häufig eingereicht wurde, war offenbar kein rein zufälliges Ergebnis. Vor allem auf Reddit wurde frühzeitig dazu aufgerufen, den Begriff ab dem Start der Vorschlagsphase für das Jugendwort des Jahres 2026 einzureichen.

In entsprechenden Beiträgen erinnerten Nutzer an den Beginn der Einreichung und forderten andere dazu auf, ebenfalls für die Wortschöpfung zu stimmen. Einige Nutzer berichteten anschließend öffentlich, den Begriff vorgeschlagen zu haben. Auf diese Weise sollte „Mehrzweckeier“ gezielt in die Liste der meistgenannten Wörter gebracht werden.

Diese Mobilisierung war offenbar erfolgreich. Nach Angaben des Verlags wäre der Begriff gemessen an der Zahl der Einreichungen tatsächlich in den Top 10 gelandet. Genau solche organisierten Aktionen fallen jedoch unter die Ausschlussregeln. Die Entscheidung richtet sich daher nicht gegen politische Begriffe im Allgemeinen, sondern gegen die Kombination aus gezielter Kampagne und beleidigendem Ursprung.

Jugendwort des Jahres 2026 wird ohne „Mehrzweckeier“ gewählt

Die Abstimmung über die offiziellen zehn Kandidaten läuft vom 28. Juli bis zum 20. August 2026. Wahlberechtigt sind Jugendliche zwischen 11 und 20 Jahren. Anschließend werden aus den Ergebnissen drei Finalisten bestimmt. Der Gewinner soll am 10. Oktober bekannt gegeben werden.

Zur Auswahl stehen in diesem Jahr unter anderem „67“, „Crashout“, „Digga“, „Du bist gut genug“, „Gute Käse“, „Macker“, „Peak“, „Ragebait“, „Schere“ und „Süper“. Was diese Begriffe bedeuten und wie die Abstimmung abläuft, zeigt unser Überblick zum Jugendwort des Jahres 2026.

„Mehrzweckeier“ bleibt damit ein viel diskutiertes Internetphänomen, wird aber kein offizieller Kandidat für das Jugendwort 2026. Die hohe Zahl der Vorschläge änderte nichts daran, dass der Begriff nach Einschätzung des Verlags zwei grundlegende Voraussetzungen des Wettbewerbs verletzt.

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