
Berlin. Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Oleksii Makeiev, hat in einem aktuellen Interview deutliche Kritik am Russlandkurs der AfD geäußert. Zugleich zeigte er sich weiter überzeugt, dass die Ukraine langfristig Mitglied der Nato werden kann. Anlass sind Aussagen Makeievs gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Der Diplomat verband seine Kritik an der AfD mit einer grundsätzlichen Einordnung der ukrainischen Position zu möglichen Verhandlungen mit Russland.
Makeiev sagte dem RND mit Blick auf die hohen Umfragewerte der AfD, dies bereite ihm Sorge. Als Botschafter könne er den Deutschen nicht vorschreiben, wen sie wählen sollten. Zugleich kritisierte er Parteien, die aus seiner Sicht die russische Linie vertreten und Russland nicht klar für den Angriffskrieg gegen die Ukraine kritisieren. Kontakte zur AfD-Spitze oder zu AfD-Abgeordneten pflege er nach eigenen Angaben nicht. Makeiev bezeichnete die Partei in diesem Zusammenhang als undemokratisch.
Hintergrund der neuen Aussagen ist auch die Debatte über die Reise mehrerer AfD-Politiker zum St. Petersburger Wirtschaftsforum. Die Teilnahme hatte in Berlin parteiübergreifend Kritik ausgelöst und wurde im Bundestag thematisiert. Makeiev wertete solche Auftritte als politische Parteinahme zugunsten Russlands. Die AfD selbst begründet Kontakte nach Russland regelmäßig mit Gesprächsbereitschaft und deutschen Interessen. Die Bundesregierung und andere Fraktionen sehen darin dagegen ein falsches Signal, solange Russland seinen Krieg gegen die Ukraine fortsetzt.
In dem Interview machte Makeiev zudem deutlich, dass Kiew bei Gesprächen über ein Ende des Krieges keine Gebietsabtretungen akzeptieren will. Er warnte davor, die Ukraine zu Kompromissen zu drängen, die aus seiner Sicht den russischen Angriff belohnen würden. Europa müsse an Verhandlungen beteiligt sein, sagte der Botschafter. Zugleich betonte er: Die Ukraine brauche keine Vermittler, sondern Verbündete. Damit grenzt Makeiev die ukrainische Position von Vorschlägen ab, bei denen neutrale oder russlandnahe Vermittler eine größere Rolle spielen könnten.
Auch mit Blick auf die Nato zeigte sich Makeiev zuversichtlich. Ein Beitritt der Ukraine werde irgendwann kommen, sagte er sinngemäß. Russlands Präsident Wladimir Putin könne dies aus seiner Sicht nicht verhindern. Makeiev verwies dabei auf Finnland und Schweden, deren Nato-Beitritt nach dem russischen Angriff auf die Ukraine politisch möglich wurde. Für Kiew bleibt die Nato-Perspektive ein zentrales Sicherheitsziel, auch wenn ein konkreter Zeitplan derzeit nicht absehbar ist.
Makeievs Aussagen fügen sich in die ukrainische Linie ein, Russland nicht durch Zugeständnisse zu belohnen und die europäische Unterstützung langfristig zu sichern. Für Deutschland ist die Debatte innenpolitisch sensibel, weil der Ukrainekrieg inzwischen auch Teil parteipolitischer Auseinandersetzungen ist. Der Botschafter vermeidet eine direkte Wahlempfehlung, markiert aber klar, wo Kiew politische Nähe zu Moskau sieht. Damit wird die ukrainische Botschaft in Berlin erneut zu einem Akteur in der deutschen Debatte über Russland, Sicherheit und Europas Rolle im Krieg.
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