Wacker Chemie Stellenabbau: 1.600 Jobs in Deutschland

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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Der Wacker Chemie Stellenabbau ist offiziell beschlossen: Der Münchener Spezialchemiekonzern wird bis Ende 2027 rund 1.600 Stellen in Deutschland abbauen. Betroffen sind vor allem der Stammsitz Burghausen in Oberbayern sowie der sächsische Standort Nünchritz. Das Unternehmen setzt damit sein konzernweites Kosten- und Effizienzprogramm PACE konsequent fort — ein Einschnitt, der rund 15 Prozent der deutschen Belegschaft betrifft. Der Schritt macht deutlich, unter welchem Kostendruck die deutsche Chemieindustrie aktuell steht — und wie ernst die Lage für einen der größten Spezialchemiekonzerne Europas geworden ist.

Wacker Chemie Stellenabbau: Was steckt hinter dem PACE-Programm?

Das Programm PACE (Performance Accelerator for Competitiveness and Excellence) läuft seit Oktober 2025 und verfolgt ein klares Ziel: Die jährlichen Konzernkosten sollen um mehr als 300 Millionen Euro gesenkt werden. Auslöser sind ein anhaltend schwieriges Marktumfeld, wachsender Wettbewerbsdruck vor allem aus Asien sowie geopolitische Unsicherheiten, die die Nachfrage nach chemischen Spezialitäten erheblich gedrückt haben. Hinzu kommen in Deutschland strukturell hohe Energiepreise, die die internationale Wettbewerbsfähigkeit dauerhaft belasten. Wacker Chemie produziert unter anderem Polysilicium für die Solarindustrie und Halbleitermaterialien, Märkte, die zuletzt von massivem Preisverfall und chinesischer Konkurrenz geprägt waren. Der Konzern betont, PACE sei notwendig, um die Profitabilität langfristig zu sichern und Wacker zukunftsfähig aufzustellen. Alle Maßnahmen sollen bis Ende 2027 umgesetzt sein.

1.300 Jobs in Burghausen — Stammsitz trägt die Hauptlast

Das Herz des Stellenabbaus schlägt in Burghausen: Am bayerischen Hauptsitz entfallen rund 1.300 der insgesamt 1.600 Stellen. Dazu kommen 200 Arbeitsplätze im sächsischen Nünchritz, 60 an der Münchener Unternehmenszentrale sowie 50 an weiteren deutschen Standorten. Der Wacker Chemie Stellenabbau betrifft damit einen erheblichen Teil der rund 10.600 deutschen Beschäftigten. Wacker ist damit nicht allein: Auch Festo streicht 1.300 Stellen in Deutschland — ein weiteres Zeichen für den Strukturwandel in der deutschen Industrie. Laut einer aktuellen Ifo-Erhebung fürchtet jedes zwölfte deutsche Unternehmen um seine Existenz.

Freiwilligenprogramm statt Kündigungen: So läuft der Abbau ab

Wacker Chemie und der Betriebsrat haben sich auf eine sozialverträgliche Lösung geeinigt: Betriebsbedingte Kündigungen sind ausdrücklich ausgeschlossen. Der Stellenabbau erfolgt ausschließlich über freiwillige Aufhebungsverträge, Altersteilzeitregelungen und vorzeitige Rentenlösungen. Zusätzlich leisten alle deutschen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bis 2028 einen temporären Solidarbeitrag in Form einer vierprozentigen Arbeitszeitverkürzung — bei entsprechend angepasster Vergütung. Diese Maßnahme soll helfen, die Kostenlast möglichst gleichmäßig auf die gesamte Belegschaft zu verteilen und trotz des Abbaus so viele Arbeitsplätze wie möglich zu sichern. Die genauen Konditionen werden in den nächsten Wochen zwischen Unternehmensleitung und Betriebsrat abgestimmt.

IG BCE: Beschäftigungssicherung hat höchste Priorität

Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) begleitet den Prozess kritisch, unterstützt aber den ausgehandelten Kompromiss. IG-BCE-Bezirksvorsitzender Günter Zellner betonte, dass Beschäftigungssicherung höchste Priorität habe und die Gewerkschaft fest an der Seite der Belegschaft und des Betriebsrats stehe. Der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen sei ein wichtiges Signal. Arbeitnehmervertreter sehen die Lage als Symptom eines tiefergehenden Strukturwandels in der deutschen Chemieindustrie, der durch hohe Energiekosten und globalen Wettbewerb weiter verschärft wird. Ob und wie weitere Standorte oder Bereiche betroffen sein könnten, blieb zunächst offen. Die Umsetzung wird schrittweise bis Ende 2027 erfolgen.

Quellen: Wacker Chemie AG (Pressemitteilung), PV Magazine Deutschland, K-Zeitung, IG BCE, Stadt Burghausen

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