Weltkriegsmunition in der Ostsee: 100 Millionen Euro für die Bergung

Ein Schild zeigt Warnung
Symbolbild mit KI erstellt

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Auf dem Grund der deutschen Nord- und Ostsee liegt ein erschreckendes Erbe des Zweiten Weltkriegs: rund 1,6 Millionen Tonnen Weltkriegsmunition – Bomben, Granaten, Minen und chemische Kampfstoffe. Jahrzehntelang wurde das Problem ignoriert, doch nun setzt Deutschland mit einem milliardenschweren Sofortprogramm ein klares Zeichen. Die Bergung der Altmunition in der Ostsee ist eines der größten Umweltprojekte in der Geschichte der Bundesrepublik.

Das Ausmaß des Problems: Tickende Zeitbomben unter Wasser

Nach aktuellen Schätzungen liegen allein in der Ostsee rund 300.000 Tonnen konventionelle Munition auf dem Meeresboden. In der Nordsee sind es sogar über 1,3 Millionen Tonnen. Hinzu kommen etwa 170.000 Tonnen chemischer Kampfstoffe im Nordseeboden und 42.000 bis 65.000 Tonnen in der Ostsee. Die Waffen aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg wurden nach Kriegsende gezielt im Meer versenkt – was damals als einfache Entsorgungslösung galt, ist heute eine tickende Umweltbombe.

Die Munition rostet zunehmend und gibt gefährliche Schadstoffe wie TNT, Trinitrotoluol und Senfgas ins Meerwasser ab. Wissenschaftler warnen seit Jahren vor den Folgen für das Ökosystem der Ostsee und für Fischer sowie Taucher, die regelmäßig auf alte Granaten stoßen. Auch in der Lübecker Bucht wurden hunderte Munitionsstapel auf dem Meeresboden entdeckt – teils nur wenige Kilometer von Urlaubsstränden entfernt. Das ist auch für Menschen in Nordrhein-Westfalen relevant, denn Kampfmittelfunde wie zuletzt in Alfter zeigen, dass das Erbe des Krieges noch immer mitten unter uns präsent ist.

Sofortprogramm: 100 Millionen Euro für die Munitionsbergung

Die Bundesregierung hat mit dem Sofortprogramm Munitionsaltlasten 100 Millionen Euro für die Bergung, Sichtung und Entsorgung der Weltkriegsmunition bereitgestellt. Das Programm umfasst mehrere Phasen: Zunächst wurden Pilotprojekte in der Lübecker Bucht durchgeführt, um die technischen und logistischen Herausforderungen einer Bergung in der Praxis zu erproben. Die Probephase wurde erfolgreich abgeschlossen – die Ergebnisse der Auswertungen liegen jetzt vor und sind ermutigend.

Ein zentrales Element des Programms ist der Bau einer schwimmenden Bergungsplattform. Diese speziell entwickelte Plattform soll bis Ende 2026 fertiggestellt werden und kann Munition sichten, bergen und direkt an Bord entsorgen. Die Entwicklung erfolgt über eine sogenannte Innovationspartnerschaft – ein besonderes Vergabeverfahren, das zum Einsatz kommt, wenn das benötigte Produkt noch nie zuvor in dieser Form gebaut wurde. Es ist ein technologisches Pionierprojekt ohne Vorbild weltweit.

Herausforderungen der Bergung und Entsorgung

Die technischen und finanziellen Anforderungen sind enorm. Ein einziger Bergungseinsatz kann Millionen Euro kosten, und die Munition ist oft so stark korrodiert, dass jede Bewegung gefährlich ist. Speziell ausgebildete Kampfmittelräumer und Unterwasserroboter müssen die Granaten mit größter Vorsicht identifizieren und sichern. Ähnlich wie beim Kampfmittelfund in der Aaseestadt oder dem Panzerfaust-Fund im Dortmund-Ems-Kanal braucht jeder Einsatz sorgfältige Vorbereitung und spezielles Gerät.

Experten schätzen, dass die vollständige Bergung aller Munition Jahrzehnte dauern und mehrere Milliarden Euro kosten wird. Das Sofortprogramm ist daher nur ein erster, aber entscheidender Schritt. Bundesumweltminister haben betont, dass das Problem nicht länger aufgeschoben werden kann: Die zunehmende Korrosion der Metallhüllen beschleunigt die Freisetzung von Giftstoffen und erhöht das Risiko spontaner Explosionen durch Fischernetze oder Ankerwerfen erheblich.

Für die Küstenregionen bedeutet die Altmunition auch ein wirtschaftliches Risiko: Strandschließungen nach Munitionsfunden, Schäden an Fischernetzen und touristische Einbußen summieren sich auf viele Millionen Euro jährlich. Mit dem Sofortprogramm und der neuen Bergungsplattform will Deutschland nun endlich Verantwortung für dieses Erbe des Krieges übernehmen – und die Meere langfristig von dieser gefährlichen Last befreien.

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