Wienerberger übernimmt Univerzum und kappt Jahresziel erneut

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der österreichische Baustoffkonzern Wienerberger verschärft angesichts einer schwachen Baukonjunktur seinen Sparkurs und senkt erneut die Ergebnisprognose für 2026. Gleichzeitig treibt das Unternehmen seine Expansion in Südosteuropa voran. Seit Anfang Oktober gehört der serbische Ziegelhersteller Univerzum zum Konzern. An der Börse sorgte vor allem der reduzierte Ergebnisausblick für deutlichen Druck auf die Aktie.

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Wienerberger senkt Prognose auf 640 bis 650 Millionen Euro

Wienerberger senkt die Prognose für das operative EBITDA im Gesamtjahr 2026 auf 640 bis 650 Millionen Euro. Erst im Sommer hatte der Konzern sein Ziel auf rund 700 Millionen Euro reduziert. Zu Jahresbeginn waren einschließlich des erwarteten Beitrags aus der Italcer-Übernahme noch rund 810 Millionen Euro vorgesehen. Für das dritte Quartal erwartet Wienerberger nun einen Umsatz von etwa 1,2 bis 1,3 Milliarden Euro und ein operatives EBITDA zwischen 170 und 180 Millionen Euro. Die endgültigen Zahlen für die ersten neun Monate sollen am 12. November veröffentlicht werden.

Der Konzern begründet die erneute Korrektur vor allem mit einer schwächeren Nachfrage im Wohnungsneubau. Nach der Sommerpause habe die saisonale Belebung der Bautätigkeit im September weniger stark eingesetzt als erwartet. Besonders unter Druck stehen demnach die Märkte in Großbritannien, den USA und Kanada. Renovierung und Infrastruktur entwickelten sich dagegen vergleichsweise stabil. Dadurch blieben Auslastung und Nachfrage in mehreren Produktionsbereichen hinter den Erwartungen zurück.

Höhere Kosten treffen auf schwache Nachfrage

Zusätzlich belastet eine erneute Verteuerung wichtiger Produktionsfaktoren. Wienerberger zufolge sind seit Ende August insbesondere die Kosten für Energie, Rohstoffe und Logistik deutlich gestiegen. Das Unternehmen reagierte bereits mit zusätzlichen Vertriebsmaßnahmen, Preiserhöhungen sowie Effizienzprogrammen. Diese Schritte konnten die höheren Kosten im dritten Quartal jedoch noch nicht vollständig auffangen.

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Interimschef Gerhard Hanke kündigte deshalb eine Beschleunigung und Ausweitung der laufenden Kostenoptimierung an. Ziel sei es, die Profitabilität zu verbessern, die Verschuldung zu reduzieren und die Kapitalrendite zu erhöhen. Parallel läuft eine strategische Überprüfung der Geschäftsbereiche. Konkrete neue Sparziele in Euro oder Angaben zu möglichen Auswirkungen auf Standorte und Beschäftigte nannte Wienerberger zunächst nicht. Weitere Details sollen mit den Neunmonatszahlen im November folgen.

Hanke führt den Konzern seit August interimistisch. Der langjährige Vorstandsvorsitzende Heimo Scheuch hatte sein Amt am 10. August aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig niedergelegt. Wienerberger sucht nach einem dauerhaften Nachfolger.

Univerzum in Serbien gehört jetzt zu Wienerberger

Während der Konzern bei Kosten und Ergebnis vorsichtiger wird, setzt Wienerberger seine gezielte Expansion fort. Die bereits im Mai angekündigte Übernahme der serbischen Univerzum-Gruppe ist inzwischen abgeschlossen. Nach Angaben des Unternehmens wurde Wienerberger am 1. Oktober Eigentümer von Univerzum Export-Import d.o.o. und Univerzum Ciglana d.o.o. Damit beginnt die operative Integration der Standorte in Aranđelovac und Inđija.

Bei Ankündigung der Transaktion im Mai hatte Wienerberger Univerzum als führenden Hersteller von Hintermauerziegeln in Serbien bezeichnet. Das Unternehmen beschäftigt rund 200 Menschen an zwei Produktionsstandorten. Für 2026 war ein Umsatz von ungefähr 20 Millionen Euro erwartet worden. Der Kauf umfasst einen schrittweisen Erwerb von 100 Prozent der Anteile, wobei die Kaufpreiszahlungen auf 2026 und 2027 verteilt werden sollten. Ein konkreter Kaufpreis wurde nicht veröffentlicht.

Strategisch ergänzt Univerzum das bestehende Netzwerk von Wienerberger für Wandbaustoffe in Bulgarien, Kroatien, Ungarn und Rumänien. In Serbien verfügt Wienerberger bereits über Aktivitäten im Dachbereich. Der Konzern sieht deshalb Möglichkeiten, verschiedene Produktgruppen gemeinsam zu vermarkten und seine Stellung in Südosteuropa auszubauen.

Aktie verliert nach neuer Ergebnisprognose

An der Börse wurde die erneute Prognosesenkung mit Kursverlusten aufgenommen. Die Wienerberger-Aktie schloss am Dienstag, 6. Oktober, bei 16,06 Euro. Das entsprach einem Minus von 3,77 Prozent gegenüber dem Vortag. Im Tagesverlauf fiel der Kurs zeitweise bis auf 15,56 Euro. Die Mitteilung zur neuen Prognose war bereits um 7 Uhr morgens und damit vor Beginn des regulären Wiener Börsenhandels veröffentlicht worden.

Als Zeitstempel für den letzten regulären Kurs weist StockAnalysis für den 6. Oktober 17.35 Uhr mit 16,06 Euro und einem Tagesverlust von 3,77 Prozent aus. Die offiziellen historischen Daten der Wiener Börse bestätigen Schlusskurs und prozentuale Veränderung. Damit war die Aktie nach Bekanntgabe des neuen Ausblicks deutlich schwächer aus dem Handel gegangen.

Bauwirtschaft erholt sich nur langsam

Die Probleme von Wienerberger treffen auf eine Bauwirtschaft, die sich regional und nach Segmenten sehr unterschiedlich entwickelt. Euroconstruct erwartet für die 19 untersuchten europäischen Märkte 2026 zwar einen Anstieg der gesamten Bauleistung um rund zwei Prozent. Noch Ende 2025 war allerdings mit 2,4 Prozent gerechnet worden. Insbesondere der Wohnungsbau hatte zuvor zwei Jahre mit deutlichen Rückgängen erlebt. Infrastrukturprojekte entwickeln sich robuster, während die Erholung im Hochbau langsamer verläuft.

Für Wienerberger ist diese Verschiebung besonders relevant. Mehr als 60 Prozent des Konzernumsatzes entfielen zuletzt auf Renovierung und Infrastruktur, Bereiche, die sich bislang stabiler zeigten. Der schwache Wohnungsneubau bleibt dennoch ein erheblicher Belastungsfaktor. Bereits im August hatte das Unternehmen hohe Finanzierungskosten, eingeschränkte Erschwinglichkeit von Wohnprojekten und geopolitische Unsicherheit als Gründe für die schwache Nachfrage genannt.

Die jüngste Entwicklung zeigt damit zwei parallele Linien: Wienerberger versucht, mit Zukäufen wie Univerzum stärker in wachstumsorientierte Regionen und weniger konjunkturanfällige Geschäftsfelder vorzudringen. Kurzfristig dominieren jedoch schwache Neubauvolumina und steigende Kosten. Wie weit das nun beschleunigte Sparprogramm reicht und welche Ergebnisse die strategische Überprüfung bringt, will der Konzern am 12. November konkretisieren.

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