Zuckersteuer 2026: Foodwatch fordert Gesetz – Warken ist dafür

Papst Leo XIV Todesstrafe Abschaffung Vatikan
Papst Leo XIV. fordert weltweite Abschaffung der Todesstrafe

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Die Debatte um eine Zuckersteuer in Deutschland gewinnt im Frühjahr 2026 an Fahrt. Die Verbraucherorganisation Foodwatch fordert Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) auf, noch in dieser Legislaturperiode einen konkreten Gesetzentwurf vorzulegen. Rückendeckung erhält sie von unerwarteter Seite: Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat sich ausdrücklich dafür ausgesprochen, den Schritt zu wagen – und das ausgerechnet inmitten einer Spardebatte im Gesundheitswesen.

Foodwatch und Warken: Zuckersteuer als Chance für die Volksgesundheit

Foodwatch-Expertin Luise Molling macht in ihrer Forderung deutlich, was auf dem Spiel steht: Eine konsequente Steuer auf zuckerhaltige Getränke könnte nach Berechnungen der Organisation Hunderttausende Erkrankungen verhindern und 16 Milliarden Euro an Kosten im Gesundheitssystem einsparen. Das sind Zahlen, die in der laufenden Debatte um das GKV-Spargesetz von Ministerin Warken besonderes Gewicht bekommen.

Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) erklärte öffentlich, sie sei „sehr dafür“, die Zuckersteuer anzugehen. Unter Präventionsaspekten müsse man „jetzt einen weiteren Schritt machen“. Allerdings macht Warken auch klar: Formal liegt die Zuständigkeit nicht bei ihr, sondern beim Finanzministerium. Die Koalition diskutiere das Thema intern.

Ein unabhängiges Expertengremium, das Warken selbst eingesetzt hatte, hat bereits ein konkretes Modell erarbeitet. Es sieht eine gestaffelte Steuer auf zuckerhaltige Softdrinks vor: Getränke mit weniger als fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter sollen steuerfrei bleiben. Bei einem Zuckergehalt von fünf bis unter acht Gramm würden 26 Cent pro Liter fällig, bei acht Gramm oder mehr dann 32 Cent pro Liter. Ziel des Stufenmodells ist es, die Industrie gezielt zur Rezeptur-Umstellung anzuregen.

Was das internationale Vorbild zeigt – und warum Deutschland zögert

Ein Blick ins Ausland zeigt: Die Idee ist nicht neu, sie funktioniert. Großbritannien hat seine Zuckersteuer bereits im April 2018 eingeführt – und kann bemerkenswerte Ergebnisse vorweisen. Der Zuckergehalt der betroffenen Getränke sank zwischen 2015 und 2024 um fast 50 Prozent. Studien zeigen außerdem, dass sich die Zuckermenge, die Kinder über Limonaden zu sich nehmen, innerhalb eines Jahres nach Einführung der Steuer halbierte.

Insgesamt haben bereits sechs Staaten in Europa vergleichbare Modelle eingeführt: Dänemark, Finnland (seit 2011), Frankreich (seit 2012), Ungarn (seit 2011), das Vereinigte Königreich (2018) und Irland (2024). Deutschland bildet damit unter den großen EU-Volkswirtschaften eine Ausnahme. Auch das Thema gesunde Ernährung im Alltag bekommt durch solche politischen Instrumente neue Impulse.

Die Gegenseite: Industrie und 37 Verbände schlagen Alarm

Die Lebensmittelwirtschaft stemmt sich mit geballter Kraft gegen die Pläne. 37 Verbände der Branche haben in einer gemeinsamen Stellungnahme die Einführung einer Zuckersteuer abgelehnt. Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) warnt, die Abgabe belaste Verbraucher, setze den Mittelstand unter Druck und gefährde Investitionen sowie Arbeitsplätze. Außerdem verweist die Branche darauf, den Zuckergehalt in Getränken seit 2018 bereits aus eigener Initiative um 15 Prozent gesenkt zu haben.

Kritiker aus der Industrie bezweifeln auch die gesundheitliche Wirksamkeit: In Großbritannien, so das Argument, sei die Adipositas-Rate bei Kindern trotz Zuckersteuer weiterhin hoch. Die Kosten im deutschen Gesundheitssystem steigen derweil weiter – und die politische Entscheidung vertagt sich.

Wann kommt die Zuckersteuer – und was wäre die Konsequenz?

Ein konkreter Zeitplan steht noch nicht fest. Finanzminister Klingbeil hat sich bislang nicht festgelegt, ob er einen Gesetzentwurf vorlegen wird. Foodwatch drängt auf ein rasches Handeln, um den gesundheitspolitischen Impuls nicht zu verschlafen. Die Debatte zeigt: Das Thema ist längst keine Randnotiz mehr, sondern ein ernsthafter Streitpunkt zwischen Verbraucherschutz, Lebensmittelindustrie und Koalitionspolitik.

Klar ist: Wenn Deutschland dem europäischen Trend folgt, müssen sich Verbraucher auf höhere Preise für zuckerhaltige Softdrinks einstellen. Gleichzeitig könnten Hersteller dazu animiert werden, ihre Rezepturen zu überarbeiten – ganz wie in Großbritannien zu beobachten. Ob das reicht, um das Gesundheitssystem nachhaltig zu entlasten, bleibt Gegenstand der wissenschaftlichen Debatte.

Quellen: Foodwatch, Handelsblatt, t-online, nwzonline, Deutsches Ärzteblatt, ZDFheute, BVE / ernaehrungsindustrie.de

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