
Münster. Der Konflikt um Werbebanner an Zäunen städtischer Sportanlagen in Münster entwickelt sich zu einer politischen Grundsatzdebatte. Nach der kurzfristigen Aufforderung des Sportamtes, nicht genehmigte Banner an Ballfang- und Begrenzungszäunen zu entfernen, wächst der Druck aus dem Rat. Während die Verwaltung inzwischen Gesprächsbereitschaft signalisiert, fordern mehrere Fraktionen eine pragmatische Lösung mit Augenmaß.
Aus dem Stadthaus kommt nach der deutlichen Kritik aus Vereinen und Politik ein differenzierterer Ton. Das Sportamt stellt klar, dass es kein generelles Werbeverbot auf Sportanlagen geben solle. Man habe vielmehr bestehende Regelungen verdeutlichen wollen. Um Missverständnisse auszuräumen, kündigt die Verwaltung an, kurzfristig das Gespräch mit dem Stadtsportbund zu suchen.
Hintergrund der verschärften Vorgaben sind Sicherheitsüberlegungen. Die Stadt verweist auf mögliche statische Risiken durch zusätzliche Windlasten an Zäunen, insbesondere bei ungünstiger Witterung. Künftig sollen Werbebanner nur noch nach vorheriger Abstimmung mit der Stadt und mit entsprechendem Nachweis zulässig sein.
Doch genau die Art und Weise der Umsetzung sorgt für Kritik.
Die SPD-Ratsfraktion warnt davor, die Clubs ohne Übergangsfrist mit weitreichenden Konsequenzen zu konfrontieren. Der sportpolitische Sprecher Philipp Hagemann berichtet von zahlreichen Rückmeldungen aus den Vereinen. Die Sorge sei groß – und nachvollziehbar.
Nach Einschätzung der SPD sind die Einnahmen aus Zaunwerbung vielerorts fest eingeplant. Es gehe nicht um kosmetische Zusatzbeträge, sondern um Mittel für Jugendarbeit, Qualifizierung und laufende Vereinsstrukturen. Sicherheit müsse selbstverständlich Vorrang haben. Ein pauschales Entfernen sämtlicher Banner ohne vorherige Abstimmung und ohne abgestufte Lösung halte man jedoch für problematisch.
Hagemann kündigt an, das Thema in die nächste Sitzung des Sportausschusses zu tragen. Ziel müsse es sein, einheitliche und transparente Kriterien zu entwickeln, die sowohl Sicherheitsanforderungen als auch Planungssicherheit für Vereine gewährleisten.
Auch die FDP im Rat positioniert sich deutlich. Ihr sportpolitischer Sprecher Maximilian Kemler spricht sich gegen ein abruptes Vorgehen aus. Sponsoring sei für viele Vereine ein entscheidender Baustein ihrer Finanzierung. Die bisherige Praxis der Zaunwerbung habe sich über Jahre etabliert.
Zudem stellt die FDP die Prioritätensetzung der Verwaltung infrage. Angesichts zahlreicher Herausforderungen im Sportbereich erscheine der aktuelle Vorstoß zumindest erklärungsbedürftig. Aus Sicht der Liberalen braucht es praktikable Verfahren, keine zusätzlichen bürokratischen Hürden.
Bereits zuvor hatte die CDU mehr Augenmaß gefordert. Mit den nun vorliegenden Stellungnahmen von SPD und FDP wird deutlich, dass sich im Rat eine breite politische Front bildet, die eine differenzierte Lösung verlangt.
Damit verlagert sich die Diskussion von einer reinen Verwaltungsfrage hin zu einer grundsätzlichen politischen Abwägung: Wie lassen sich Sicherheitsanforderungen und gewachsene Vereinsstrukturen in Einklang bringen? Wie viel Regulierung ist notwendig – und wie viel Flexibilität verträgt das Ehrenamt?
Die kommenden Wochen dürften entscheidend sein. Mit der angekündigten Gesprächsrunde zwischen Sportamt und Stadtsportbund sowie der Behandlung im Sportausschuss steht das Thema auf der politischen Agenda.
Für viele Vereine geht es um mehr als Banner an Zäunen. Es geht um Kalkulationssicherheit, um Sponsorbeziehungen – und um das Signal, wie die Stadt mit ihrem organisierten Sport umgeht.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu