Kretschmann Abschied: Festakt zum Ende einer 15-jährigen Ära in Baden-Württemberg

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Am 29. April 2026 wird Winfried Kretschmann in einem feierlichen Staatsakt im Neuen Schloss in Stuttgart offiziell als Ministerpräsident Baden-Württembergs verabschiedet. Nach 15 Jahren an der Spitze der Landesregierung endet eine Ära, die Baden-Württemberg nachhaltig geprägt hat. Der 77-jährige Grünen-Politiker war der erste und bisher einzige Ministerpräsident seiner Partei in Deutschland – ein Rekord, der noch lange Bestand haben dürfte.

Der Festakt beginnt um 11 Uhr und vereint Vertreter aus Bundes- und Landespolitik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft. Es wird eine der größten politischen Zeremonien des Jahres in Baden-Württemberg. Kretschmann selbst hat betont, er wolle sich ohne Wehmut verabschieden: „Ich gehe in dem Wissen, dass ich mein Bestes gegeben habe.“

Ein Abschied mit Stil: Festakt im Neuen Schloss Stuttgart

Das Neue Schloss in Stuttgart bildet den repräsentativen Rahmen für den Abschied. Altbundespräsident Joachim Gauck hält die Laudatio – eine Wahl, die Kretschmanns überparteiliche Anerkennung unterstreicht. Das Stuttgarter Ballett gestaltet den kulturellen Teil des Abends mit Ausschnitten aus Schwanensee, ein Programmpunkt, der Kretschmanns bekannte Vorliebe für klassische Kultur würdigt.

Rund 600 geladene Gäste werden erwartet. Unter ihnen befinden sich Bundesratspräsidenten, Ministerpräsidenten der anderen Länder sowie zahlreiche Wegbegleiter aus Kretschmanns langer politischer Laufbahn. Auch Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche sind eingeladen – ein Zeichen für Kretschmanns tiefe religiöse Verwurzelung, die sein politisches Handeln stets beeinflusst hat.

15 Jahre Kretschmann: Eine politische Bilanz

Seit 2011 führte Kretschmann die Landesregierung zunächst in einer grün-roten Koalition, ab 2016 dann in einer grün-schwarzen Zusammenarbeit mit der CDU. Diese ungewöhnliche Konstellation galt bundesweit als Modell für pragmatisches Regieren jenseits ideologischer Grabenkämpfe. Unter seiner Führung entwickelte sich Baden-Württemberg zum wirtschaftsstärksten Flächenland Deutschlands.

Kretschmann setzte konsequent auf den Dreiklang aus Ökologie, Ökonomie und sozialer Verantwortung. Seine Politik der Transformation – von der Energiewende über die Mobilitätswende bis zur Digitalisierung der Verwaltung – hat Maßstäbe gesetzt. Gleichzeitig pflegte er einen respektvollen Umgang mit den Bürgerinnen und Bürgern, der ihm über Parteigrenzen hinweg hohe Zustimmungswerte bescherte.

Kritiker werfen ihm vor, in der Bildungspolitik zu wenig erreicht zu haben. Baden-Württemberg, einst Spitzenreiter bei den PISA-Studien, verlor in den vergangenen Jahren an Boden. Auch beim Wohnungsbau blieb manches hinter den Erwartungen zurück. Doch selbst politische Gegner zollen Kretschmann Respekt für seinen persönlichen Stil und seinen Verzicht auf billige Polemik.

Cem Özdemir übernimmt: Nachfolge geregelt

Kretschmanns Nachfolger steht fest: Cem Özdemir, ebenfalls von den Grünen, wird am 13. Mai 2026 vom Landtag zum neuen Ministerpräsidenten gewählt. Özdemir, bislang als Bundesminister bekannt, kehrt damit in sein Heimatland zurück. Seine Nominierung gilt als klares Signal der Kontinuität – und als Bekenntnis zu einer weltoffenen, toleranten und wirtschaftsstarken Landesidentität.

Die Übergabe der Amtsgeschäfte ist für den 14. Mai geplant. Kretschmann hat angekündigt, Özdemir in der Übergangsphase unterstützen zu wollen, ohne sich in dessen Arbeit einzumischen: „Ein Ministerpräsident braucht Raum, um seinen eigenen Stil zu entwickeln.“

Reaktionen aus Politik und Gesellschaft

Die Reaktionen auf Kretschmanns Abschied sind überwältigend. Bundeskanzlerin Ricarda Lang würdigte ihn als „einen der bedeutendsten Landespolitiker der Nachkriegsgeschichte“. CDU-Bundesvorsitzender Friedrich Merz, politischer Gegenspieler auf Bundesebene, sprach von einem „Staatsmann, der das Amt mit Würde ausgefüllt hat“.

Auch in der Bevölkerung ist die Wertschätzung groß. Eine aktuelle Umfrage des SWR zeigt: 71 Prozent der Baden-Württemberger bewerten Kretschmanns Amtszeit als „gut“ oder „sehr gut“ – ein Wert, den kaum ein anderer Ministerpräsident je erreicht hat. Selbst in Kreisen, die politisch weit von den Grünen entfernt sind, wird ihm Respekt gezollt.

Ein Kapitel der deutschen Landesgeschichte schließt sich

Winfried Kretschmann verlässt die Politik als Symbolfigur eines neuen Politikstils: nachdenklich, bürgernah, kompromissfähig ohne Profillosigkeit. Sein Abschied markiert das Ende einer Ära – und zugleich den Beginn eines neuen Kapitels für Baden-Württemberg. Mit Blick auf die bundesweiten Debatten über politische Erneuerung dürfte Kretschmanns Vermächtnis noch lange nachwirken.

Der Festakt am 29. April wird live im SWR übertragen. Wer das historische Ereignis verfolgen möchte, kann es ab 11 Uhr im Fernsehen oder im Livestream miterleben.

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