
Am 9. Mai 2026 feiert Russland den Tag des Sieges über Nazi-Deutschland – doch die diesjährige Parade auf dem Roten Platz in Moskau ist so anders wie keine zuvor. Zum ersten Mal seit fast zwei Jahrzehnten verzichtet Russland auf Panzer, Raketen und schweres Militärgerät. Gleichzeitig hält die von Moskau ausgerufene Waffenruhe kaum: Die Ukraine startete in der Nacht einen der größten Drohnenangriffe seit Kriegsbeginn.
Kremlsprecher Dmitri Peskow bestätigte die historische Änderung mit dürren Worten: „Vor dem Hintergrund der terroristischen Bedrohung werden Maßnahmen zur Minimierung der Gefahr getroffen.“ Gemeint ist die Angst vor ukrainischen Drohnenangriffen auf die Millionenstadt Moskau. Bereits in den Wochen zuvor hatten ukrainische Drohnen mehrfach Öl-Infrastruktur und Ziele weit im russischen Hinterland getroffen.
Statt der üblichen Panzerkolonnen und Raketensysteme sollen am 9. Mai nur Fußformationen von Soldaten, Kadetten der Militärschulen Suworow und Nachimow sowie eine Luftstaffel mit Suchoi Su-25-Kampfjets antreten. Die Jets sollen mit farbigem Rauch die Farben der russischen Nationalflagge an den Himmel malen. Studenten der Militärschulen bleiben der Veranstaltung dieses Jahr fern. Zuletzt verzichtete Russland 2007 auf einen vollständigen Panzeraufmarsch.
Für Beobachter ist das Fehlen des schweren Geräts ein bemerkenswertes Signal: Die Siegesparade war bisher jährlicher Höhepunkt russischer Militärpropaganda – ein Moment, in dem Putin die Stärke des Landes demonstrieren wollte. Nun fehlen genau jene Bilder, die Stärke verkörpern sollten.
Russland hatte im Vorfeld eine zweitägige einseitige Waffenruhe für den 8. und 9. Mai angeordnet – auf persönliche Weisung Putins, wie das russische Verteidigungsministerium mitteilte. Die Ukraine antwortete zunächst mit einer eigenen einseitigen Waffenruhe, brach diese jedoch bereits nach einem Tag wieder ab, als russische Angriffe weitergingen.
In der Nacht auf den 9. Mai eskalierte die Lage dramatisch: Die Ukraine startete nach russischen Angaben einen der größten Drohnenangriffe seit Kriegsbeginn. Das russische Verteidigungsministerium meldete, 347 ukrainische Drohnen seien über mehr als 20 russischen Regionen abgefangen worden, darunter über Moskau. Als Reaktion drohte Russland mit drastischen Konsequenzen: „Die Streitkräfte der Russischen Föderation werden einen massiven Raketenschlag auf das Zentrum von Kiew durchführen“, hieß es in einer Stellungnahme des Ministeriums.
Trotz der verkündeten Waffenruhe hatten beide Seiten ihre Luftangriffe nicht ausgesetzt. In Kiew heulten die Sirenen, in Moskau wurde die Luftabwehr verstärkt.
Der Tag des Sieges gehört zu den bedeutendsten Feiertagen Russlands. Er erinnert an die Kapitulation Nazi-Deutschlands am 8./9. Mai 1945 und das Ende des „Großen Vaterländischen Krieges“. Die Sowjetunion hatte im Zweiten Weltkrieg etwa 25 Millionen Menschenleben verloren – eine Zahl, die tief im kollektiven Gedächtnis vieler Russen verankert ist. Was einst ein Datum der Trauer und der Erinnerung war, hat sich unter Putin in eine jährliche Machtdemonstration verwandelt.
Der Historiker und Politologen beobachten seit Jahren, wie der Tag des Sieges zunehmend instrumentalisiert wird – als Legitimation für den Krieg in der Ukraine, als Beleg für eine angeblich fortlaufende Bedrohung Russlands durch den Westen. Die Parade ohne Panzer 2026 ist daher auch ein Zeichen, wie sehr der Ukraine-Krieg die russische Innenpolitik verändert hat: Der Kreml kann seine Stärke nicht mehr uneingeschränkt inszenieren, ohne Sicherheitsrisiken einzugehen.
Zum Kontext des Ukraine-Krieges lohnt ein Blick auf frühere Entwicklungen: Die Verhandlungen um Waffenstillstand und Feuerpausen zwischen Putin und Selenskyj waren bereits zuvor gescheitert. Auch die Pläne der USA, Soldaten aus Deutschland abzuziehen, veränderten das geopolitische Bild in Europa.
Quellen: ZDFheute (Parade ohne Militärfahrzeuge), Tagesspiegel (Waffenruhe Liveblog), Berliner Zeitung (Parade ohne Militärtechnik), BPB.de (Bedeutung 9. Mai), Weltwoche (Waffenruhe hält nicht)
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