Im Saalekreis entscheidet sich die Nachfolge im Landratsamt

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Im Saalekreis wird an diesem Sonntag ein neuer Landrat gewählt. Der bisherige Amtsinhaber Hartmut Handschak tritt nicht erneut an. Seine Amtszeit endet am 31. Oktober 2026. Die Wahl entscheidet damit über die künftige Spitze der Kreisverwaltung in einem Landkreis, der wirtschaftlich stark durch die Chemieindustrie, Strukturwandel, Infrastrukturfragen und die Versorgung im ländlichen Raum geprägt ist.

Zur Wahl stehen Sven Czekalla von der CDU, Uwe Arendt von der AfD, Kerstin Eisenreich von der Linken und der parteilose Lars Zaruba. Erreicht keiner der Bewerber im ersten Wahlgang die erforderliche Mehrheit, ist eine Stichwahl am 28. Juni vorgesehen. Der neue Landrat soll das Amt am 1. November übernehmen.

Wahlbeteiligung lag bis 16 Uhr bei 29,34 Prozent

Bis 16 Uhr hatten nach Angaben des Saalekreises 45.016 Wahlberechtigte ihre Stimme in den Urnenwahllokalen abgegeben. Die Wahlbeteiligung lag damit bezogen auf die Gesamtzahl der Wahlberechtigten bei 29,34 Prozent. Briefwahlstimmen waren in diesem Zwischenstand nicht enthalten.

Insgesamt sind 153.449 Wahlberechtigte zur Stimmabgabe aufgerufen. Die Wahllokale waren von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Schon am Vormittag hatte der Kreis eine höhere Beteiligung als bei der Landratswahl 2019 gemeldet. Um 11 Uhr lag sie bei 13,41 Prozent, 2019 hatte der entsprechende Wert bei 8,46 Prozent gelegen.

Vier Bewerber treten zur Landratswahl an

Sven Czekalla geht für die CDU ins Rennen. Er ist Landtagsabgeordneter und verfügt über kommunalpolitische Erfahrung. Im Wahlkampf setzte er nach öffentlichen Angaben vor allem auf Wirtschaft, Verwaltung, Infrastruktur und eine stärkere Vertretung der Interessen des Landkreises gegenüber Land, Bund und Europäischer Union.

Kerstin Eisenreich kandidiert für die Linke. Sie sitzt ebenfalls im Landtag Sachsen-Anhalt und rückt soziale Fragen, die Sicherung von Arbeitsplätzen und die Lage von Beschäftigten in den Mittelpunkt. Lars Zaruba tritt parteilos an. Er arbeitet in der Kreisverwaltung und setzt den Schwerpunkt auf Verwaltungsabläufe, Genehmigungen und eine effizientere Organisation.

Uwe Arendt kandidiert für die AfD. Er setzt nach öffentlichen Angaben unter anderem auf Sicherheit, Ordnung, Familienpolitik und Kritik an energiepolitischen Rahmenbedingungen. Gegen Arendt läuft ein Disziplinarverfahren. Die Polizei bestätigte das Verfahren, nannte jedoch keine Details. Berichte über angebliche Wahlkampfauftritte während einer Krankschreibung ließen sich zunächst nicht unabhängig bestätigen. Arendt wies die Vorwürfe zurück.

Mögliche Stichwahl am 28. Juni

Für die Wahl ist entscheidend, ob einer der Bewerber bereits im ersten Wahlgang die notwendige Mehrheit erreicht. Gelingt das nicht, kommt es am 28. Juni zur Stichwahl. Das endgültige Ergebnis soll im Kreiswahlausschuss festgestellt werden.

Die Landratswahl Saalekreis erhält überregionale Aufmerksamkeit, weil mit Uwe Arendt erstmals in Sachsen-Anhalt ein AfD-Politiker Landrat werden könnte. Bundesweit hatte die AfD 2023 mit Robert Sesselmann im thüringischen Landkreis Sonneberg erstmals ein Landratsamt gewonnen. Im Saalekreis fällt die Wahl zudem wenige Monate vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt.

Landkreis vor wirtschaftlichen und kommunalen Aufgaben

Der Saalekreis gehört zu den wirtschaftlich bedeutenden Regionen im Süden Sachsen-Anhalts. Industrie, Energiepreise, Verkehrsanbindung, Fachkräfte, ärztliche Versorgung und Verwaltungstempo prägen die politische Debatte. Besonders die Chemie- und Industriestandorte rund um Leuna spielen für Arbeitsplätze und kommunale Einnahmen eine zentrale Rolle.

Gleichzeitig geht es um die Frage, wie die Kreisverwaltung in einem Landkreis mit unterschiedlichen regionalen Interessen geführt wird. Gemeinden im nördlichen und südlichen Kreisgebiet haben teils unterschiedliche Erwartungen an Präsenz, Investitionen und politische Vertretung. Der neue Landrat übernimmt damit nicht nur Verwaltungsverantwortung, sondern auch eine Schlüsselrolle für die kommunale Entwicklung der kommenden Jahre.

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