
Die Aktie von Corning Inc. (NYSE: GLW) hat am Montag deutlich auf einen neuen Großauftrag von Amazon reagiert. Im vorbörslichen Handel stieg das Papier zeitweise um rund 9,3 Prozent auf 194,16 US-Dollar. Im frühen regulären Handel notierte Corning nach Reuters-Angaben weiter klar im Plus. Hintergrund ist ein mehrjähriger Milliardenvertrag, mit dem Corning optische Fasern, Kabel und Konnektivitätslösungen für die wachsende Rechenzentrumsinfrastruktur von Amazon und Amazon Web Services in den USA liefern soll.
Wie Corning und Amazon mitteilen, soll die Vereinbarung die US-Produktion von Glasfaser- und Verbindungstechnologie stärken. Corning liefert demnach optische Fasern, Kabel und Konnektivitätslösungen für Amazons Rechenzentren in den Vereinigten Staaten. Finanzielle Details nannten die Unternehmen nicht. Reuters berichtet ebenfalls von einem mehrjährigen Milliardenvertrag, ohne konkrete Vertragsvolumen über die Einordnung hinaus zu nennen.
Der Auftrag ist eng mit dem Ausbau der Cloud- und KI-Infrastruktur verknüpft. Rechenzentren benötigen immer leistungsfähigere optische Verbindungen, damit Daten schnell zwischen Servern, Prozessoren und Speichersystemen übertragen werden können. Besonders KI-Cluster stellen hohe Anforderungen an Bandbreite, Latenz und Skalierbarkeit. Für Corning wird damit aus einem klassischen Glasfaser- und Materialgeschäft zunehmend ein Infrastrukturthema für Hyperscaler.
Der Vertrag soll nach Unternehmensangaben 1.000 neue qualifizierte Arbeitsplätze in Corning-Werken in North Carolina schaffen. Betroffen sind vor allem Standorte in der Region Hickory und Newton, wo Corning bereits bedeutende Glasfaser- und Kabelkapazitäten betreibt. Zusätzlich sollen Hunderte Arbeitsplätze im Bau entstehen, weil Produktionsanlagen erweitert werden.
Amazon und Corning wollen außerdem gemeinsam ein Ausbildungsprogramm ausbauen. Dabei geht es um die Qualifizierung von Fachkräften für Glasfaserproduktion, Verbindungstechnik und verwandte technische Berufe. AWS-Chef Matt Garman erklärte laut Mitteilung, Amazon investiere weiter in North Carolina und wolle mit Corning langfristige Karrieren in der Region ermöglichen. Corning-Chef Wendell Weeks bezeichnete die Vereinbarung als wichtigen Meilenstein für Corning und die amerikanische Fertigung.
Für Corning kommt der Amazon-Auftrag in einer Phase, in der das Optical-Communications-Geschäft stark an Bedeutung gewonnen hat. Das Segment umfasst Glasfasern, Kabel, Verbindungslösungen und Netzwerktechnik. Im Gesamtjahr 2025 erzielte Optical Communications nach Unternehmensangaben einen Umsatz von 6,27 Milliarden US-Dollar. Das entsprach einem Wachstum von 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Segmentgewinn stieg zugleich um 71 Prozent auf 1,05 Milliarden US-Dollar.
Damit hebt sich das Geschäft deutlich von anderen Sparten ab. Corning ist breiter aufgestellt und beliefert neben Telekommunikation und Rechenzentren auch Display Technologies, Specialty Materials, Automotive, Life Sciences sowie neue Wachstumsbereiche. Displayglas und Gorilla Glass bleiben bekannte Produkte, doch die stärkere Nachfrage nach Rechenzentrumstechnik verschiebt den Schwerpunkt der Investoren zunehmend in Richtung Optical Communications.
Die Kursreaktion zeigt, wie stark der Markt Corning inzwischen als Zulieferer der KI-Infrastruktur wahrnimmt. Die Corning Aktie (NYSE: GLW) hatte seit Jahresbeginn bereits deutlich zugelegt. Laut Marktdaten lag die Jahresperformance zuletzt bei mehr als 100 Prozent, bevor die Aktie am Montag erneut anzog. Aktuelle Kursdaten zeigten Corning zuletzt bei 191,05 US-Dollar. Daraus ergab sich eine Marktkapitalisierung von rund 164,4 Milliarden US-Dollar.
Corning gehört zum S&P 500 und ist damit Teil des wichtigsten US-Aktienindex für große börsennotierte Unternehmen. Die Indexzugehörigkeit verstärkt die Aufmerksamkeit institutioneller Anleger, weil Kursbewegungen großer S&P-500-Werte auch für Fonds, ETFs und Benchmark-Portfolios relevant sind. Die Bewertung bleibt zugleich anspruchsvoll, weil Anleger bereits viel künftiges Wachstum aus KI-Rechenzentren einpreisen.
Der neue Vertrag reiht sich in mehrere große Vereinbarungen mit Technologiekonzernen ein. Reuters hatte bereits im Januar über eine Vereinbarung von Corning mit Meta berichtet, die bis zu 6 Milliarden US-Dollar umfassen soll. Im Mai meldete Corning zudem eine Partnerschaft mit Nvidia, um die US-Produktion optischer Verbindungslösungen für KI-Rechenzentren auszubauen. Diese Abfolge macht deutlich, dass Corning nicht nur von einem einzelnen Kunden profitiert, sondern eine breitere Nachfrage großer Cloud- und KI-Anbieter bedient.
Zu früheren konkreten AWS-Lieferverhältnissen mit Corning nannten die Unternehmen in der aktuellen Mitteilung keine Details. Bestätigt ist jedoch, dass Amazon den Corning-Auftrag mit dem Ausbau seiner US-Rechenzentrumsinfrastruktur verbindet. Amazon hatte bereits zuvor Investitionen in Milliardenhöhe in North Carolina angekündigt.
Für Corning wird nun entscheidend, wie schnell die zusätzlichen Kapazitäten hochgefahren werden und welche Margen das Optical-Geschäft im größeren Maßstab liefert. Der Amazon-Vertrag stärkt die Sichtbarkeit künftiger Umsätze, ersetzt aber keine konkreten Ergebnisziele. Da Amazon keine detaillierten finanziellen Konditionen veröffentlichte, bleibt offen, welcher Umsatzanteil wann in den Zahlen sichtbar wird.
Anleger dürften deshalb auf die nächsten Quartalsberichte und Aussagen des Managements achten. Wichtig werden vor allem Auftragseingang, Produktionsausbau, Investitionskosten und die Entwicklung der nicht optischen Sparten. Sollte die Nachfrage nach KI-Rechenzentren anhalten, könnte Corning weiter zu den indirekten Profiteuren des Infrastrukturbooms zählen. Gleichzeitig bleibt die Aktie nach dem starken Lauf seit Jahresbeginn anfällig für Gewinnmitnahmen, falls Erwartungen oder Margen enttäuschen.
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