
Der G7-Gipfel 2026 beginnt am Montag, dem 15. Juni, im französischen Évian-les-Bains am Genfer See. Gastgeber ist Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Nach Angaben des Europäischen Rates findet das Treffen vom 15. bis 17. Juni statt. Die Europäische Union wird durch EU-Ratspräsident António Costa und Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vertreten. Kananaskis in Alberta war dagegen der Gipfelort des Vorjahres unter kanadischem Vorsitz mit Premierminister Mark Carney.
Für Évian werden die Staats- und Regierungschefs der G7 erwartet, darunter US-Präsident Donald Trump, Bundeskanzler Friedrich Merz, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, Japans Premierminister Shigeru Ishiba, der britische Premier Keir Starmer und Kanadas Premier Mark Carney. Von deutscher Seite bestätigte das Bundeskanzleramt, dass Merz auf Einladung Macrons nach Évian reist.
Der Reiseplan des Bundeskanzlers sieht den Gipfelstart am Montag vor. Nach Angaben des Bundeskanzleramts gibt Friedrich Merz vor dem Abflug ein Pressestatement ab. Bis zum 17. Juni sollen die Staats- und Regierungschefs in mehreren Arbeitssitzungen über globale Fragen beraten. Für Dienstag nennt der Terminplan Arbeitssitzungen am Vormittag und bilaterale Gespräche am Nachmittag. Zum Abschluss am Mittwoch ist erneut ein Pressestatement des Kanzlers vorgesehen.
Unklar blieb zunächst, ob alle G7-Spitzen bereits am Sonntagabend in der Region eintreffen oder erst am Montag anreisen. Für Trump wurde am Sonntag berichtet, dass er vor der Reise nach Frankreich noch Termine in Washington wahrnahm. Sein Gipfelprogramm soll unter anderem ein Treffen mit Macron sowie weitere bilaterale Gespräche umfassen.
Die Eskalation im Nahen Osten dürfte den Gipfel stark prägen. Mehrere aktuelle Berichte nennen Iran und die Lage am Golf als zentrale Themen. Trump hatte vor dem Gipfel eine mögliche Einigung mit Iran ins Spiel gebracht, zugleich wurde diese Darstellung von iranischer Seite nicht in gleicher Weise bestätigt. Damit bleibt offen, ob Évian konkrete diplomatische Bewegung bringt oder zunächst vor allem der Abstimmung zwischen den westlichen Partnern dient.
Für die G7 ist die Lage besonders sensibel, weil ein Konflikt am Golf unmittelbare Folgen für Energiepreise, Handelswege und globale Sicherheit hätte. Nach Berichten steht auch die Straße von Hormus im Fokus. Eine gemeinsame Auftakt-Erklärung der G7 lag am Sonntag zunächst nicht vor.
Neben Nahost steht der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine auf der Tagesordnung. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach vor dem Gipfel mit Trump über Friedensbemühungen und militärische Unterstützung. Reuters berichtete am Sonntag, Selenskyj habe Trump über die Lage informiert und weitere Luftverteidigung angesprochen.
Nach einem Bericht des Guardian ist eine Arbeitssitzung mit Selenskyj vorgesehen. Ein formales bilaterales Treffen zwischen Trump und Selenskyj soll nach Angaben eines US-Regierungsvertreters zunächst nicht auf der Liste stehen. Unklar blieb zunächst, ob sich daran im Verlauf des Gipfels noch etwas ändert.
Ein weiteres Konfliktfeld ist der Handel. Der Gipfel findet vor dem Hintergrund amerikanischer Zollpolitik und anhaltender Spannungen zwischen Washington und mehreren Partnern statt. Für Deutschland und die EU ist dabei entscheidend, ob die G7 zumindest politische Leitplanken für Handel, Lieferketten und wirtschaftliche Stabilität formulieren können.
Frankreichs Präsidentschaft hatte die G7-Agenda zuvor auf globale Ungleichgewichte und internationale Partnerschaften ausgerichtet. Auch die Bundesregierung sieht den Gipfel als Ort für Gespräche über globale Fragen. Konkrete Beschlüsse zu Zöllen oder Handelskonflikten waren am Sonntag zunächst nicht bekannt.
Die Sicherheitslage rund um Évian ist angespannt. Le Monde berichtete am Sonntag von einem groß angelegten Sicherheitsaufgebot mit rund 16.000 Einsatzkräften, darunter Polizei, Gendarmerie, Spezialkräfte, Drohnenabwehr, Cyberexperten und Militär. In der Region gelten Zugangsbeschränkungen und kontrollierte Zonen.
Auch die Schweiz ist betroffen, weil Évian unmittelbar am Genfer See nahe der Grenze liegt. Die Schweizer Behörden weisen auf Auswirkungen für Verkehr und Sicherheit in der Genferseeregion hin. In Genf kam es am Sonntag zu großen Protesten gegen den Gipfel. Reuters und AP berichteten von rund 20.000 Demonstrierenden, einzelnen Ausschreitungen, einem brennenden Auto und einem Polizeieinsatz mit Tränengas.
Bis Sonntagabend war keine gemeinsame G7-Auftakterklärung der Staats- und Regierungschefs veröffentlicht. Vor dem Gipfel gab es jedoch einzelne politische Signale. Carney warb vor dem Treffen für engere Zusammenarbeit zwischen Kanada und Europa. Trump äußerte sich zur möglichen Iran-Diplomatie. Selenskyj suchte vor Évian den direkten Kontakt zu Washington.
Damit startet der Gipfel mit mehreren offenen Fragen: ob es Bewegung in der Iran-Krise gibt, wie geschlossen die G7 zur Ukraine auftreten, ob Handelskonflikte mit den USA entschärft werden können und ob Macron als Gastgeber eine gemeinsame Linie unter sehr unterschiedlichen politischen Interessen herstellen kann.
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