
Die Hassnachrichten gegen Manuel Kelemen folgten auf einen ungewöhnlich emotionalen Wetterbericht im österreichischen Fernsehen. Der Meteorologe hatte die extreme Hitze des Sommers 2026 bei PULS 24 deutlich eingeordnet und vor den Folgen der Klimakrise gewarnt. Nachdem sich der Ausschnitt in sozialen Netzwerken verbreitet hatte, erhielt Kelemen nach eigenen Angaben zahlreiche beleidigende und teilweise nicht jugendfreie Nachrichten. Unter anderem sei er als „Klimanazi“ beschimpft worden. Eine unabhängige Aufstellung der Nachrichten oder Angaben zu ihrer genauen Zahl liegen bislang nicht vor.
Auslöser war die außergewöhnliche Hitze in Österreich. Im Juni, Juli und August wurde demnach jeweils mindestens einmal die Marke von 40 Grad erreicht. Am 4. August wurden in Wien-Stammersdorf 41,0 Grad gemessen, an mehreren weiteren Orten lagen die Werte ebenfalls über 40 Grad. Kelemen bezeichnete diese Entwicklung in seiner Wetteransage als meteorologischen Irrsinn. Zudem verwies er darauf, dass der Alpenraum zeitweise heißer gewesen sei als Regionen in Spanien, Süditalien oder Griechenland.
Schon der Juni hatte neue Maßstäbe gesetzt. GeoSphere Austria registrierte damals eine 14 Tage dauernde Hitzephase, Temperaturen bis 40,1 Grad und neue Juni-Höchstwerte an 157 von 277 ausgewerteten Stationen. Die Behörde sprach von einer der extremsten Hitzewellen in der österreichischen Messgeschichte.
Der Ausschnitt aus der Sendung wurde anschließend vielfach auf Instagram, Facebook und weiteren Plattformen geteilt. Neben viel Zustimmung habe Kelemen auch eine große Zahl aggressiver Reaktionen erhalten. In einer weiteren Sendung berichtete er, in der Nacht mit Beleidigungen und anstößigen Botschaften konfrontiert worden zu sein. Das Ausmaß der Reaktionen bezeichnete er als grotesk. Die Darstellung der Hassnachrichten gegen Manuel Kelemen stützt sich bislang vor allem auf seine eigenen Aussagen sowie Beiträge des Senders.
Inhaltlich blieb der Meteorologe bei seiner Warnung. Er verwies auf hitzebedingte Todesfälle, die anhaltende Trockenheit, Waldbrände, Gletscherschmelze und Belastungen für die Landwirtschaft. Die Folgen der Erwärmung seien inzwischen deutlich sichtbar und erforderten politisches sowie gesellschaftliches Handeln.
Kritik gab es auch an Kelemens Formulierung, drei Sommermonate mit Temperaturen von mindestens 40 Grad seien statistisch nicht möglich, obwohl genau dies nun geschehe. Wörtlich genommen ist diese Aussage zu weitgehend: Ein sehr unwahrscheinliches Ereignis ist nicht automatisch mathematisch unmöglich. Kelemen bezog sich erkennbar auf die bisherigen Messreihen und darauf, wie außergewöhnlich die Häufung der Rekorde aus meteorologischer Sicht ist. GeoSphere Austria bestätigt zumindest für den Juni eine zuvor nicht beobachtete Dimension der Hitzewelle.
Persönliche Angriffe wegen seiner Klimaberichterstattung erlebt Kelemen nicht zum ersten Mal. Bereits in einem Interview aus dem Jahr 2024 berichtete er, dass ihn nach Einordnungen zum Klimawandel regelmäßig Beleidigungen per E-Mail, Kontaktformular oder Telefon erreichten. Diskussionen mit überzeugten Klimawandelleugnern meide er deshalb zunehmend, weil sachliche Gespräche häufig in persönliche Angriffe übergingen.
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