US-Inflation lässt nach und verändert die Zinswetten

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die US-Inflationsdaten Juli 2026 haben den Finanzmärkten zunächst etwas Erleichterung gebracht. Die Verbraucherpreise stiegen im Juli gegenüber dem Vormonat um 0,1 Prozent. Im Jahresvergleich lag die Inflationsrate bei 3,4 Prozent und damit geringfügig unter den 3,5 Prozent aus dem Juni. Auch die viel beachtete Kerninflation schwächte sich ab. Ohne Lebensmittel und Energie erhöhten sich die Preise um 0,2 Prozent zum Vormonat und um 2,5 Prozent binnen eines Jahres. Damit lagen die Zahlen weitgehend dort, wo Ökonomen sie erwartet hatten. Für die US-Notenbank Fed wird die Entscheidung im September dadurch allerdings nicht einfacher. An den Finanzmärkten wird derzeit nicht über eine Zinssenkung, sondern vor allem über unveränderte Zinsen oder eine weitere Erhöhung diskutiert.

US-Verbraucherpreise steigen im Juli um 0,1 Prozent

Das US-Arbeitsministerium meldete für Juli einen saisonbereinigten Anstieg des Verbraucherpreisindex um 0,1 Prozent. Im Juni waren die Preise noch um 0,4 Prozent gefallen. Auf Jahressicht verlangsamte sich der Preisanstieg von 3,5 auf 3,4 Prozent. Damit traf die Gesamtrate die Erwartungen der von Reuters befragten Ökonomen. Diese hatten im Mittel ebenfalls mit einem Monatsplus von 0,1 Prozent und einer Jahresrate von 3,4 Prozent gerechnet.

Auch bei der Kerninflation gab es keine größere Überraschung. Ohne die besonders schwankungsanfälligen Bereiche Lebensmittel und Energie erhöhten sich die Verbraucherpreise um 0,2 Prozent gegenüber Juni. Im Juni war die Kernrate im Monatsvergleich unverändert geblieben. Auf Jahressicht ging sie von 2,6 auf 2,5 Prozent zurück. Auch hier entsprach die Entwicklung weitgehend den zuvor veröffentlichten Erwartungen.

Damit setzt sich die zuletzt erkennbare Abkühlung fort. Von Entwarnung kann dennoch nicht gesprochen werden. Die Gesamtinflation liegt weiter deutlich oberhalb des Zwei-Prozent-Ziels der Federal Reserve. Zudem orientiert sich die Notenbank bei ihrem Inflationsziel nicht direkt am Verbraucherpreisindex CPI, sondern vor allem am Preisindex der persönlichen Konsumausgaben, dem PCE-Index.

Günstigeres Benzin bremst die Inflationsrate

Ein wesentlicher Grund für den vergleichsweise geringen monatlichen Preisanstieg war die Energiekomponente. Der Energieindex sank im Juli um 1,5 Prozent, nachdem er bereits im Juni um 5,7 Prozent gefallen war. Besonders deutlich gingen erneut die Benzinpreise zurück. Sie verbilligten sich saisonbereinigt um 2,9 Prozent gegenüber dem Vormonat.

Im Jahresvergleich zeigt sich allerdings ein anderes Bild. Energie kostete insgesamt 14,7 Prozent mehr als zwölf Monate zuvor. Benzin lag sogar 24,6 Prozent über dem Vorjahresniveau. Die starken Preisbewegungen der vergangenen Monate spiegeln damit weiterhin die erheblichen Schwankungen an den internationalen Energiemärkten wider.

Für die Fed ist dieser Unterschied zwischen Monats- und Jahresentwicklung wichtig. Der Juli-Bericht signalisiert zwar aktuell weniger Druck durch Kraftstoffe. Gleichzeitig sind die Energiepreise noch immer deutlich höher als vor einem Jahr. Hinzu kommt, dass jüngere Bewegungen am Ölmarkt in den Juli-Daten noch nicht vollständig enthalten sind.

Lebensmittel steigen moderat, Restaurants stärker

Die Lebensmittelpreise erhöhten sich im Juli insgesamt um 0,1 Prozent. Lebensmittel für den Verzehr zu Hause wurden dagegen im Durchschnitt um 0,1 Prozent günstiger. Bei drei der sechs großen Lebensmittelgruppen im Einzelhandel gingen die Preise zurück.

Fleisch, Geflügel, Fisch und Eier verbilligten sich insgesamt um 0,7 Prozent. Schweinefleisch kostete 1,5 Prozent weniger als im Juni. Auch Obst und Gemüse wurden leicht günstiger. Besonders stark sank der Preisindex für Salat. Dagegen verteuerten sich alkoholfreie Getränke um 0,9 Prozent und Getreide- sowie Backwaren um 0,2 Prozent.

Deutlich robuster blieb die Preisentwicklung beim Essen außer Haus. Hier erhöhten sich die Preise im Juli um 0,3 Prozent. Im Jahresvergleich lagen Lebensmittel insgesamt 3,0 Prozent höher. Nahrungsmittel für den heimischen Verbrauch verteuerten sich um 2,7 Prozent, Restaurant- und ähnliche Verpflegungsleistungen um 3,4 Prozent.

Mieten und Wohnen bleiben ein wichtiger Preistreiber

Der Bereich Wohnen spielte erneut eine zentrale Rolle. Der Shelter-Index erhöhte sich im Juli um 0,1 Prozent und war nach Angaben des US-Arbeitsministeriums für ungefähr zwei Drittel des gesamten monatlichen CPI-Anstiegs verantwortlich.

Innerhalb dieser Kategorie zeigten sich allerdings deutliche Unterschiede. Die tatsächlich gezahlten Mieten und die kalkulatorischen Eigentümermieten stiegen jeweils um 0,3 Prozent. Gleichzeitig gingen die Preise für Hotel- und Motelübernachtungen deutlich zurück. Diese Komponente dämpfte den gesamten Wohnkostenindex.

Im Jahresvergleich lagen die Wohnkosten 3,2 Prozent über dem Niveau von Juli 2025. Damit bleibt dieser Bereich ein wichtiger Faktor für die Kerninflation. Für die Fed ist insbesondere entscheidend, ob sich die vergleichsweise hartnäckigen Dienstleistungspreise dauerhaft abschwächen. Ein einzelner Monat mit niedrigeren Hotelpreisen reicht dafür noch nicht aus.

Dienstleistungen bleiben das zentrale Thema für die Fed

Bei den Dienstleistungen ohne Energiedienstleistungen erhöhten sich die Preise im Juli um 0,2 Prozent und lagen 3,0 Prozent über dem Vorjahresniveau. Einige Untergruppen verzeichneten deutlich stärkere Bewegungen.

Medizinische Dienstleistungen verteuerten sich im Monatsvergleich um 0,6 Prozent. Flugtickets kosteten 2,2 Prozent mehr als im Juni. Kommunikationsleistungen stiegen um 0,6 Prozent, Bildung um 0,5 Prozent und Freizeitangebote um 0,2 Prozent. Dagegen gingen die Preise für Kfz-Versicherungen um 0,3 Prozent zurück.

Scott Anderson, Chefökonom für die USA bei BMO Capital Markets, wertete die Zahlen als Signal dafür, dass die Gefahr einer durch Energie ausgelösten neuen Inflationsspirale etwas geringer geworden sei. Gleichzeitig verwies er darauf, dass die Fed weitere Belege für eine nachhaltige Abschwächung der Kerninflation bei Dienstleistungen benötigen dürfte, bevor eine erneute Zinserhöhung vollständig vom Tisch genommen werden könne.

Auch Olu Sonola, Leiter der US-Volkswirtschaft bei Fitch Ratings, sieht die September-Entscheidung weiterhin als eng an. Sowohl Befürworter einer unveränderten Geldpolitik als auch Vertreter eines strafferen Kurses könnten in den kommenden Daten Argumente für ihre Position finden.

US-Zölle wirken noch nach, aber der Preisdruck lässt nach

Besondere Aufmerksamkeit gilt weiterhin den Folgen der US-Handelspolitik. Höhere Einfuhrzölle hatten in den vergangenen Monaten bei verschiedenen Konsumgütern die Beschaffungskosten erhöht. Im Juli war der direkte Preisdruck in vielen Warenkategorien jedoch vergleichsweise begrenzt.

Die Preise für Waren ohne Lebensmittel und Energie stiegen insgesamt um 0,2 Prozent, nachdem sie zuvor zwei Monate in Folge gefallen waren. Gebrauchtwagen und leichte Nutzfahrzeuge verteuerten sich um 0,4 Prozent. Auch neue Fahrzeuge, Bekleidung sowie Haushaltsausstattung wurden etwas teurer.

Einige Ökonomen sehen darin weiterhin Hinweise darauf, dass Unternehmen höhere Import-, Logistik- und Vertriebskosten zumindest teilweise an Verbraucher weiterreichen. Gleichzeitig spricht die moderate Gesamtentwicklung dafür, dass der unmittelbare Zollimpuls gegenüber früheren Monaten an Bedeutung verloren hat.

Der Präsident der New Yorker Federal Reserve, John Williams, hatte bereits darauf verwiesen, dass die Effekte früherer Zollerhöhungen nachlassen könnten. Für die kommenden Monate bleibt allerdings entscheidend, ob Unternehmen ihre Margen weiter belasten oder zusätzliche Kosten doch noch stärker auf Verkaufspreise überwälzen.

Wall Street reagiert überwiegend positiv

An der Wall Street wurden die Inflationszahlen zunächst freundlich aufgenommen. Der S&P 500 legte im Handelsverlauf um rund 0,3 Prozent auf etwa 7.751 Punkte zu. Der technologielastige Nasdaq Composite gewann rund 0,6 Prozent und stieg auf etwa 26.600 Punkte. Der Dow Jones bewegte sich dagegen nur knapp im Plus und notierte zeitweise um 53.800 Punkte.

Die Reaktion war allerdings nicht ausschließlich auf die Inflationsdaten zurückzuführen. Vor allem Technologie- und KI-Aktien wurden zusätzlich von Unternehmenszahlen und Prognosen aus der Branche unterstützt. Die Verbraucherpreise nahmen den Märkten aber zumindest einen Teil der Sorge, dass die Fed bereits im September erneut straffen müsse.

Am US-Anleihemarkt gingen die Renditen zunächst zurück. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen lag im späteren Handel bei rund 4,67 Prozent. Bei zweijährigen Papieren war unmittelbar nach Veröffentlichung ebenfalls eine leichte Entspannung zu beobachten.

Dax steigt zunächst auf Rekord und gibt Gewinne wieder ab

Auch am deutschen Aktienmarkt sorgten die US-Daten zunächst für Käufe. Der Dax erreichte am frühen Nachmittag mit rund 26.574 Punkten ein neues Rekordhoch. Der Anstieg erwies sich allerdings als nicht nachhaltig. Später setzten Gewinnmitnahmen ein und der deutsche Leitindex fiel wieder zurück.

Zum Xetra-Schluss stand der Dax bei rund 26.331 Punkten und damit etwa 0,2 Prozent unter dem Vortagesniveau. Die US-Inflationsdaten waren damit zwar zunächst positiv aufgenommen worden, konnten den Markt aber nicht dauerhaft auf seinem Rekordniveau halten.

Für deutsche Anleger bleibt die Entwicklung in den USA gleich aus mehreren Gründen wichtig. Die Fed beeinflusst über die US-Anleiherenditen die Bewertung internationaler Aktien. Gleichzeitig wirken Veränderungen des Dollar-Kurses auf exportorientierte Unternehmen, Rohstoffpreise und die Ergebnisse europäischer Konzerne mit großem US-Geschäft.

Dollar legt leicht zu, Gold steigt auf Zweimonatshoch

Am Devisenmarkt blieb die Reaktion vergleichsweise moderat. Der Dollar-Index, der die US-Währung gegenüber einem Korb wichtiger Währungen misst, lag später rund 0,15 Prozent höher bei knapp 100 Punkten. Der Euro gab entsprechend leicht auf rund 1,153 Dollar nach.

Deutlicher war die Bewegung beim Gold. Der Spotpreis stieg zeitweise um rund 0,9 Prozent auf mehr als 4.400 Dollar je Feinunze und erreichte damit den höchsten Stand seit Anfang Juni. US-Gold-Futures schlossen rund 0,6 Prozent höher bei etwa 4.467 Dollar.

Gold profitierte davon, dass die Wahrscheinlichkeit einer unmittelbar bevorstehenden weiteren Zinserhöhung sank. Höhere Zinsen erhöhen grundsätzlich die Opportunitätskosten des zinslosen Edelmetalls. Gleichzeitig blieb die geopolitische Unsicherheit ein zusätzlicher Einflussfaktor auf den Goldmarkt.

Fed-Sitzung im September: Keine Zinssenkung eingepreist

Die wichtigste Konsequenz der Inflationsdaten betrifft die Sitzung des Offenmarktausschusses der Federal Reserve am 15. und 16. September. Anders als in früheren Phasen des Zinszyklus spekulieren Anleger derzeit nicht auf eine Zinssenkung.

Nach den Juli-Daten lag die über Fed-Funds-Futures abgeleitete Wahrscheinlichkeit für unveränderte Leitzinsen bei rund 62 Prozent. Eine Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte wurde entsprechend mit ungefähr 38 Prozent eingepreist. Vor Veröffentlichung der Inflationszahlen war die Wahrscheinlichkeit einer Erhöhung höher gewesen.

Die Fed hatte ihren Zielkorridor Ende Juli unverändert bei 3,50 bis 3,75 Prozent gelassen. Drei der zwölf stimmberechtigten Mitglieder hatten dabei für eine Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte votiert. Das unterstreicht, wie gespalten der geldpolitische Ausschuss derzeit ist.

Die Juli-Zahlen stärken damit zunächst das Lager, das für eine weitere Pause plädiert. Sie schließen eine Zinserhöhung später im Jahr aber nicht aus. Britney Jackson, US-Ökonomin bei BNP Paribas Securities, sieht eine Erhöhung im Dezember weiterhin als Basisszenario ihres Hauses, weist aber auf das Risiko eines früheren Schritts hin.

Warum die Fed noch nicht am Ziel ist

Der Verbraucherpreisindex liefert nur einen Teil des für die Fed entscheidenden Bildes. Besonders wichtig ist der PCE-Preisindex. Nach Berechnungen verschiedener Ökonomen dürfte die zugrunde liegende PCE-Inflation weiterhin oberhalb von drei Prozent liegen und damit klar über dem Zwei-Prozent-Ziel der Notenbank.

Hinzu kommt der Arbeitsmarkt. Die jüngsten Beschäftigungszahlen hatten überraschend einen Rückgang der Stellen signalisiert. Dadurch wird eine weitere Straffung schwieriger, weil die Fed neben Preisstabilität auch die Beschäftigungsentwicklung berücksichtigt.

Die nächsten Daten dürften deshalb entscheidend werden. Am Donnerstag, 13. August, werden die US-Erzeugerpreise veröffentlicht. Am Freitag folgen die Einzelhandelsumsätze. Am 4. September steht der Arbeitsmarktbericht für August an. Der nächste Verbraucherpreisbericht erscheint am 11. September und damit nur wenige Tage vor der Fed-Sitzung.

Folgen für deutsche Anleger und die EZB

Für Anleger in Deutschland wirken die US-Inflationsdaten vor allem über Zinsen, Wechselkurse und internationale Aktienbewertungen. Bleiben die US-Renditen hoch, konkurrieren Staatsanleihen stärker mit Aktien. Besonders wachstumsorientierte Technologieunternehmen reagieren häufig empfindlich auf Veränderungen langfristiger Renditen.

Ein stärkerer Dollar kann zugleich die Ergebnisse europäischer Unternehmen mit großen Umsätzen in den USA stützen, verteuert aber in Dollar gehandelte Rohstoffe. Die Folgen unterscheiden sich deshalb je nach Branche und Geschäftsmodell. Aus den aktuellen Zahlen lässt sich keine allgemeine Anlageempfehlung ableiten.

Für die Europäische Zentralbank ergibt sich aus dem US-Bericht ebenfalls kein direkter Handlungsauftrag. Die EZB richtet ihre Geldpolitik nach der Inflation im Euroraum aus. Dort war die Jahresteuerung im Juli auf 2,9 Prozent gestiegen. Die EZB hatte ihre Leitzinsen am 23. Juli unverändert gelassen. Der Einlagensatz liegt bei 2,25 Prozent.

Die nächste geldpolitische Sitzung der EZB findet am 10. September statt, also knapp eine Woche vor der Fed-Entscheidung. Für Frankfurt bleiben vor allem die europäische Inflation, die Energiepreise und mögliche Zweitrundeneffekte entscheidend. Die Entwicklung in den USA beeinflusst allerdings Wechselkurse und globale Finanzierungskosten und fließt damit indirekt auch in das europäische Umfeld ein.

Diese Termine entscheiden über den weiteren Zinskurs

Bereits am Donnerstag, 13. August, richten sich die Blicke auf die US-Erzeugerpreise. Sie können Hinweise darauf liefern, welcher Kostendruck bei den Unternehmen entsteht und wie sich bestimmte Komponenten des später veröffentlichten PCE-Preisindex entwickeln.

Am Freitag folgen die Einzelhandelsumsätze. Sie zeigen, wie robust der private Konsum trotz hoher Preise und zuletzt schwächerer Reallöhne geblieben ist.

Noch wichtiger wird Anfang September der Arbeitsmarktbericht für August. Er erscheint am 4. September. Am 10. September entscheidet die EZB über ihre Geldpolitik. Einen Tag später, am 11. September, veröffentlicht das US-Arbeitsministerium die Verbraucherpreise für August. Danach folgt am 15. und 16. September die Fed-Sitzung.

Damit erhält die US-Notenbank vor ihrem nächsten Zinsentscheid noch entscheidende Informationen über Arbeitsmarkt und Inflation. Die Juli-Daten haben den unmittelbaren Druck zu einer Zinserhöhung verringert. Ob sie für eine erneute Zinspause ausreichen, hängt nun wesentlich davon ab, ob sich die moderate Entwicklung im August bestätigt.

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