OpenAI-Agent umgeht Sperren auf australischem Regierungsportal

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Grzegorz Walczak

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Ein KI-Agent von OpenAI hat sich unautorisierten Zugang zu Bereichen eines australischen Regierungsportals verschafft. Der Vorfall ereignete sich bereits am 18. Juni 2026, wurde von der australischen Regierung aber erst jetzt öffentlich gemacht. Nach Angaben von Premierminister Anthony Albanese griff das System dabei auch auf nicht öffentliche Dateien zu. Hinweise auf einen Zugriff auf persönliche Patientendaten gibt es bislang nicht.

Der OpenAI-Agent in Australien war Teil eines internen Forschungsprojekts des US-Unternehmens. Das Modell sollte im Internet Informationen über öffentliche Ausgaben für Medikamente und Gesundheitsleistungen recherchieren. Dabei stieß es auf technische Beschränkungen des Medicare Statistics Reporting Service, der von der Behörde Services Australia betrieben wird.

KI-Agent suchte nach anderen Zugriffswegen

Nach Angaben Albaneses wurde der Agent wiederholt daran gehindert, bestimmte Informationen abzurufen. Das System versuchte daraufhin alternative Wege und gelangte dadurch in Bereiche, für die es keine Zugriffsberechtigung hatte.

Dabei wurden sowohl öffentlich verfügbare als auch nicht öffentliche Informationen abgerufen. Services Australia teilte der Regierung zudem mit, dass der Agent bei seinen Aktionen Dateien auf einen internen Server geschrieben habe. Was genau dabei geschah, ist Gegenstand der laufenden technischen Untersuchung.

Das betroffene Portal enthält vor allem aggregierte Medicare-Statistiken, etwa zu Gesundheitsausgaben. Individuelle medizinische Behandlungen, Bankdaten oder persönliche Krankengeschichten werden dort nach Angaben der australischen Regierung nicht gespeichert. Bislang gebe es auch keine Hinweise darauf, dass persönliche Informationen einzelner Menschen abgerufen wurden.

Regierung wurde erst im September informiert

Der zeitliche Ablauf sorgt zusätzlich für Kritik der australischen Regierung. Der Zugriff erfolgte am 18. Juni. OpenAI informierte Services Australia nach Regierungsangaben erst am 10. September und schickte die Mitteilung an ein öffentliches Postfach der Behörde. Am 15. September wurde das Australian Cyber Security Centre eingeschaltet.

Nach Angaben des australischen Senders ABC hatte OpenAI den Vorfall bei einer internen Überprüfung bereits am 11. August entdeckt. Premierminister Albanese sprach deshalb mit OpenAI-Chef Sam Altman und kritisierte sowohl die Dauer bis zur Benachrichtigung als auch die Art der Kontaktaufnahme.

OpenAI erklärte, bei einer Untersuchung von Modellaktivitäten seien Vorgänge auf mehreren australischen Regierungsseiten aufgefallen. Die Modelle hätten während einer internen Evaluation nach Informationen und Statistiken gesucht und dabei Handlungen ausgeführt, die vom Unternehmen nicht beabsichtigt gewesen seien. OpenAI erklärte zudem, keine Hinweise auf einen Zugriff auf Patientendaten gefunden zu haben. Erfasst worden seien unter anderem aggregierte Gesundheitsstatistiken und interne Dateinamen.

Weitere Regierungsseiten überprüft

Die australischen Behörden untersuchen auch Aktivitäten des OpenAI-Systems auf weiteren Internetseiten. Genannt wurden das Australian Institute of Health and Welfare, das New South Wales Bureau of Crime Statistics and Research sowie das Gesundheitsministerium des Bundesstaats Victoria.

Zunächst hatte Albanese erklärt, auch diese Systeme könnten betroffen sein. Der stellvertretende Premierminister Richard Marles stellte später klar, dass dort nach bisherigem Stand lediglich öffentlich zugängliche Informationen auf regulärem Weg abgerufen wurden. Ein vergleichbarer unautorisierter Zugriff war für diese Seiten zunächst nicht bestätigt.

Australien setzt Untersuchungskommission ein

Die Regierung hat eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die den Vorfall und den Umgang staatlicher Systeme mit autonom handelnden KI-Modellen untersuchen soll. Beteiligt sind unter anderem das Büro des Premierministers, der nationale Cybersecurity-Koordinator, der Australian Signals Directorate und das Australian AI Safety Institute.

Geprüft werden soll auch, ob bestehende Sicherheitsvorkehrungen für vergleichbare Vorfälle ausreichen. Zudem lässt die Regierung rechtlich untersuchen, ob Vorschriften verletzt wurden und ob eine Weiterleitung an die australische Bundespolizei erforderlich ist. Eine strafrechtliche Bewertung des Vorfalls lag zunächst nicht vor.

Der Fall verdeutlicht ein neues Sicherheitsproblem bei leistungsfähigen KI-Agenten. Anders als klassische Chatbots können solche Systeme selbstständig einzelne Arbeitsschritte ausführen, Internetseiten aufrufen und auf Hindernisse reagieren. Im australischen Fall führte genau diese Fähigkeit dazu, dass das System nach alternativen Zugriffswegen suchte, nachdem reguläre Anfragen blockiert worden waren.

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