Gerresheimer-Aktie bleibt unter Druck: Das belastet den Kurs

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die Gerresheimer-Aktie hat eine schwache Börsenwoche hinter sich. Am Freitag, 25. September 2026, ging das Papier im Xetra-Handel bei 26,04 Euro aus dem Markt. Der Zeitstempel des Schlusskurses lautet 17:35:38 Uhr. Am Freitag der Vorwoche hatte die Aktie noch bei 26,90 Euro geschlossen. Damit ergibt sich auf dieser Basis ein Wochenverlust von rund 3,2 Prozent. Ein Rückgang um rund 6,8 Prozent lässt sich aus den verfügbaren Xetra-Schlusskursen für diese Handelswoche nicht ableiten.

Die Gerresheimer-Aktie Wochenbilanz fällt damit erneut negativ aus, obwohl es in den vergangenen Tagen keine neue Gewinnwarnung oder einen vergleichbaren einzelnen Unternehmensschock gab. Vielmehr treffen mehrere bereits bekannte Belastungsfaktoren zusammen. Dazu gehören die schwächere Profitabilität, eine hohe Verschuldung, die laufende Neuausrichtung des Portfolios und die noch ausstehende umfassende Refinanzierung.

Gerresheimer kämpft mit schwächerer Profitabilität

Die jüngsten veröffentlichten operativen Zahlen liefern einen wesentlichen Hintergrund für die vorsichtige Bewertung an der Börse. Ende August hatte Gerresheimer vorläufige Zahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2026 vorgelegt.

Der Umsatz stieg demnach leicht von bereinigten 519 Millionen Euro im Vorjahresquartal auf 524 Millionen Euro. Das bereinigte EBITDA sank jedoch von 81 Millionen auf 66 Millionen Euro. Die bereinigte EBITDA-Marge verringerte sich von 15,7 auf 12,6 Prozent.

Positiv entwickelte sich der Free Cashflow. Er verbesserte sich von minus 141 Millionen Euro im Vorjahresquartal auf minus 32 Millionen Euro. Gerresheimer führte dies unter anderem auf eine zurückhaltendere Investitionsplanung, ein strikteres Working Capital Management und geringere Lagerbestände zurück. Gleichzeitig belasteten diese Maßnahmen nach Unternehmensangaben teilweise das Ergebnis.

Besonders schwach entwickelte sich der Bereich Moulded Glass. Dort sank der Quartalsumsatz nach vorläufigen Zahlen von 160 Millionen auf 144 Millionen Euro. Das bereinigte EBITDA verringerte sich von 32 Millionen auf sechs Millionen Euro. Gerresheimer verwies auf eine weiterhin gedämpfte Nachfrage im Pharma- und Kosmetikgeschäft, Produktionsunterbrechungen und Maßnahmen zum Abbau von Lagerbeständen.

Prognose setzt auf ein stärkeres zweites Halbjahr

Für das Geschäftsjahr 2026 erwartet Gerresheimer weiterhin eine Verbesserung im weiteren Jahresverlauf. Die Prognose darf dabei nicht mit einem gesicherten Ergebnis verwechselt werden.

Das Unternehmen hatte Ende Juni seine Erwartungen angepasst. Vor Effekten aus Übernahmen, Verkäufen und Refinanzierungsmaßnahmen rechnet Gerresheimer mit einem Umsatz in der unteren Hälfte der Spanne von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro. Die bereinigte EBITDA-Marge soll nach Unternehmensplanung etwa 17 bis 18 Prozent erreichen. Für den Free Cashflow wurde eine Spanne von minus 50 bis minus 100 Millionen Euro genannt.

Gerresheimer erwartet vor allem im zweiten Halbjahr höhere Umsätze und eine Verbesserung des Ergebnisses. Ob diese Entwicklung tatsächlich erreicht wird, hängt damit wesentlich von der operativen Entwicklung in den kommenden Monaten ab. Ende August bestätigte das Unternehmen diese Erwartung grundsätzlich.

Der endgültige Quartalsbericht für das erste Quartal war im Finanzkalender weiterhin für September 2026 angekündigt. Als nächste größere Finanzberichte nennt Gerresheimer den Halbjahresbericht und die Mitteilung zum dritten Quartal im November.

Hohe Verschuldung bleibt ein zentraler Faktor

Ein wichtiger Belastungspunkt ist die Finanzierungsstruktur. Ende Mai 2025 hatten die Nettofinanzschulden bei rund 2,03 Milliarden Euro gelegen. Ende August 2025 waren es rund 2,02 Milliarden Euro. Der bereinigte Verschuldungsgrad lag damals bei etwas mehr als dem Vierfachen des bereinigten EBITDA.

Im Geschäftsjahr 2025 verschärfte sich die Situation auch infolge der Übernahme von Bormioli Pharma. Gerresheimer hatte deshalb bereits Maßnahmen zur Stärkung der Bilanz und eine umfassende Refinanzierung angekündigt. Im April 2026 hatten Gläubiger zudem Fristen verlängert und bestimmte Kreditauflagen zum Verschuldungsgrad vorübergehend ausgesetzt.

Für Anleger ist deshalb nicht allein die operative Gewinnentwicklung entscheidend. Ebenso bedeutend ist, wie stark Gerresheimer seine Schulden durch Unternehmensverkäufe reduzieren kann und zu welchen Bedingungen die anschließende Refinanzierung gelingt.

Verkauf an Apax soll Milliardenbetrag freisetzen

Ein zentraler Baustein ist die im Juli vereinbarte Veräußerung von Centor sowie des weltweiten Geschäfts mit Primary Packaging Plastics an von Apax Partners beratene Fonds. Für beide Einheiten zusammen wurde ein Unternehmenswert von rund 1,5 Milliarden Euro vereinbart. Weitere finanzielle Vertragsdetails wurden nicht veröffentlicht.

Centor soll nach der bisherigen Planung noch im Geschäftsjahr 2026 verkauft werden. Der Abschluss des Verkaufs von Primary Packaging Plastics ist für die erste Hälfte des Geschäftsjahres 2027 vorgesehen. Beide Transaktionen stehen beziehungsweise standen unter üblichen Vollzugsbedingungen und erforderlichen Genehmigungen. Gerresheimer will die erwarteten Mittelzuflüsse zur deutlichen Senkung der Verschuldung nutzen. Die umfassende Refinanzierung soll nach bisheriger Planung nach dem Abschluss des Verkaufs von Primary Packaging Plastics erfolgen.

Damit hängt ein wichtiger Teil der künftigen Bilanzstruktur noch von Transaktionen ab, deren wirtschaftliche Wirkung erst nach Vollzug vollständig sichtbar wird.

Keine belastbaren neuen Übernahmegerüchte um Gerresheimer

Gerresheimer war zeitweise selbst Gegenstand möglicher Übernahmepläne. Das Unternehmen hatte jedoch bereits am 16. Juli 2025 erklärt, die seit Anfang 2025 laufenden Gespräche mit Finanzinvestoren über ein mögliches Übernahmeangebot beendet zu haben. Als Grund nannte Gerresheimer damals, eine Fortführung der Gespräche liege nicht im Interesse des Unternehmens und seiner Stakeholder.

Für aktuell wieder aufgenommene Gespräche über eine vollständige Übernahme von Gerresheimer lag bis zum 26. September 2026 keine bestätigte Unternehmensmitteilung vor. Davon zu unterscheiden ist der vereinbarte Verkauf einzelner Geschäftsbereiche an Apax. Dabei handelt es sich nicht um eine Übernahme der Gerresheimer AG.

Bilanzkorrekturen wirken weiterhin nach

Zusätzlich belastet die Vorgeschichte der Rechnungslegung das Vertrauen in die Aktie. Gerresheimer hatte die Veröffentlichung seines Jahresabschlusses 2025 verschoben und anschließend Fehler bei der Umsatzrealisierung und anderen Bilanzpositionen korrigiert. Für das Geschäftsjahr 2024 bezifferte das Unternehmen die Anpassungen beim Umsatz auf insgesamt 44,6 Millionen Euro und beim bereinigten EBITDA auf 31,4 Millionen Euro.

Die BaFin hatte im März 2026 zudem eine Prüfung von Gerresheimers Konzernzwischenabschluss für den Zeitraum bis Ende Mai 2025 bekannt gemacht. Hintergrund waren Anhaltspunkte für mögliche Verstöße gegen Rechnungslegungsvorschriften. Eine solche Prüfung ist keine Feststellung eines Verstoßes.

Der veröffentlichte Jahresabschluss 2025 erhielt nach Angaben von Gerresheimer ein uneingeschränktes Prüfungsurteil. Das Konzernergebnis lag jedoch bei minus 318,7 Millionen Euro, wesentlich beeinflusst durch Abschreibungen und Wertminderungen sowie außergewöhnliche Aufwendungen. Für 2025 wird keine Dividende gezahlt.

Analysten bleiben bei Gerresheimer uneinig

Auch unter Analysten ergibt sich kein einheitliches Bild. Die auf der Gerresheimer-Webseite aufgeführten Kursziele reichen derzeit von 20 bis 46 Euro. Drei dort erfasste Einschätzungen lauten auf Kaufen, Aufstocken oder vergleichbare positive Empfehlungen, acht auf Halten beziehungsweise Neutral und vier auf Verkaufen, Reduzieren oder vergleichbare negative Einschätzungen. Das dort angegebene durchschnittliche Kursziel beträgt 27,32 Euro.

Solche Kursziele sind Erwartungen einzelner Analysten und keine verlässlichen Vorhersagen zukünftiger Aktienkurse.

Für die kommenden Monate konzentriert sich die Unternehmenslage damit auf mehrere konkrete Punkte: die operative Entwicklung im zweiten Halbjahr, den Vollzug der vereinbarten Verkäufe, den Abbau der Verschuldung und die geplante Refinanzierung. Der Kursrückgang dieser Woche lässt sich nicht eindeutig auf eine einzelne neue Nachricht zurückführen. Er steht vielmehr vor dem Hintergrund einer weiterhin anspruchsvollen finanziellen und operativen Übergangsphase.

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