„Der Billionen-Prozess“ bei arte: Wie Studenten das Weltgericht erreichten

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Eine Initiative junger Jurastudierender aus dem Südpazifik schaffte es bis vor das höchste Gericht der Vereinten Nationen. Der Dokumentarfilm „Der Billionen-Prozess: Wer bezahlt die Klimakatastrophe?“ zeichnet diesen ungewöhnlichen Weg nach. Arte zeigt die deutsche Dokumentation von Regisseur Felix Golenko am heutigen Dienstag, 29. September 2026, um 23:15 Uhr. Die TV-Premiere ist zugleich in der arte-Mediathek abrufbar. Dort wird der 53 Minuten lange Film bis zum 27. Dezember 2026 angeboten.

Im Mittelpunkt steht eine Frage, deren rechtliche Dimension weit über die Inselstaaten des Pazifiks hinausreicht: Welche Pflichten haben Staaten beim Schutz des Klimas und welche rechtlichen Folgen können entstehen, wenn diese Pflichten verletzt werden? Der Film begleitet eine Kampagne, die 2019 an der University of the South Pacific ihren Anfang nahm und schließlich zu einem Verfahren vor dem Internationalen Gerichtshof, kurz IGH, in Den Haag beitrug.

Von Vanuatu bis zum Internationalen Gerichtshof

Nach Angaben der Produktion begann die Initiative mit 27 Jurastudierenden aus dem pazifischen Raum. Aus ihrer Idee entwickelte sich eine internationale Kampagne mit dem Ziel, vom Internationalen Gerichtshof klären zu lassen, welche Verpflichtungen Staaten im Zusammenhang mit dem menschengemachten Klimawandel nach internationalem Recht haben. Regisseur Felix Golenko begleitete Beteiligte unter anderem in Vanuatu, Fidschi, auf den Salomonen, in den Niederlanden, den USA, Großbritannien und Ägypten.

Zu den öffentlich auftretenden Protagonisten gehören der Klimaaktivist und Jurist Vishal Prasad von Pacific Islands Students Fighting Climate Change sowie Jule Schnakenberg von World’s Youth for Climate Justice. Auch Cynthia Houniuhi, Aditi Shetye und der Politiker und Klima-Diplomat Ralph Regenvanu aus Vanuatu gehören zu den im Zusammenhang mit dem Film genannten Beteiligten.

Die Dokumentation verfolgt dabei nicht nur die juristische Arbeit. Sie verbindet die diplomatischen Verhandlungen mit Aufnahmen aus besonders vom Klimawandel betroffenen Regionen des Pazifiks und den Beratungen rund um den Friedenspalast in Den Haag.

UN-Generalversammlung brachte die Klimafrage vor den IGH

Der juristische Kern des Films ist kein klassischer Prozess zwischen zwei Streitparteien. Die UN-Generalversammlung verabschiedete am 29. März 2023 ohne Abstimmung die Resolution 77/276. Darin ersuchte sie den Internationalen Gerichtshof um ein Gutachten zu den Verpflichtungen von Staaten zum Schutz des Klimasystems und zu möglichen rechtlichen Konsequenzen, wenn erheblicher Klimaschaden durch staatliches Handeln oder Unterlassen verursacht wurde.

Damit ging es nicht um eine unmittelbar vollstreckbare Schadenersatzklage eines Staates gegen einen anderen. Gefragt war vielmehr eine grundsätzliche völkerrechtliche Einordnung. Der IGH sollte unter anderem klären, welche Pflichten gegenüber besonders gefährdeten Staaten sowie gegenüber heutigen und künftigen Generationen bestehen.

Die mündlichen Anhörungen fanden Ende 2024 im Friedenspalast in Den Haag statt. Zahlreiche Staaten und internationale Organisationen legten ihre Rechtsauffassungen dar. Auch Vertreter Vanuatus und Mitglieder des dortigen Climate Justice Program, darunter Lee-Anne Sackett und Anne-Sophie Vivier, traten in dem Verfahren auf.

Was der Internationale Gerichtshof tatsächlich entschied

Der Verfahrensstand ist inzwischen eindeutig: Am 23. Juli 2025 veröffentlichte der Internationale Gerichtshof sein Gutachten „Obligations of States in respect of Climate Change“. Das Gutachten beantwortet die von der UN-Generalversammlung gestellten Rechtsfragen.

Der Gerichtshof stellte unter anderem fest, dass Staaten nach internationalem Recht Verpflichtungen zum Schutz des Klimasystems und der Umwelt vor anthropogenen Treibhausgasemissionen haben. Eine Verletzung einschlägiger internationaler Verpflichtungen kann nach Auffassung des Gerichts die völkerrechtliche Verantwortlichkeit eines Staates auslösen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass der IGH einzelnen Staaten bereits Entschädigungen in Milliarden- oder Billionenhöhe zugesprochen hätte. Das Gericht setzte weder eine konkrete Summe fest noch bestimmte es bestimmte Staaten als Zahlungspflichtige. Es erläuterte vielmehr den allgemeinen rechtlichen Rahmen. Danach können bei einer nachgewiesenen Pflichtverletzung grundsätzlich Rechtsfolgen wie die Beendigung des rechtswidrigen Verhaltens, Garantien gegen eine Wiederholung sowie vollständige Wiedergutmachung in Betracht kommen. Diese kann je nach Einzelfall auch eine Entschädigung umfassen. Voraussetzung wäre unter anderem ein hinreichend direkter und sicherer ursächlicher Zusammenhang zwischen dem konkreten rechtswidrigen Verhalten und dem entstandenen Schaden.

Der Titel „Der Billionen-Prozess“ greift damit die möglichen finanziellen Dimensionen künftiger Klimahaftung auf. Er beschreibt keine bereits verhängte Billionenzahlung.

Eine studentische Initiative wird zum internationalen Verfahren

Die Vorgeschichte reicht bis 2019 zurück. Die Initiative aus dem pazifischen Raum suchte zunächst politische Unterstützung für ein IGH-Gutachten. Daraus entstand eine internationale Kampagne. Die UN-Generalversammlung beschloss schließlich 2023, die Fragen tatsächlich nach Den Haag zu übermitteln.

Die Dokumentation konzentriert sich auf diesen Weg von einer studentischen Initiative über internationale Diplomatie bis zum Gerichtshof. Dabei stehen insbesondere Vishal Prasad und Jule Schnakenberg im Zentrum. Beide engagierten sich öffentlich über internationale Jugendorganisationen für das IGH-Verfahren.

Produziert wurde „Der Billionen-Prozess“ von Thurnfilm. Regie führte Felix Golenko. Arte nennt Deutschland als Produktionsland und das ZDF als Herkunft des Films. Die eigentliche Filmlänge liegt bei rund 53 Minuten.

„Der Billionen-Prozess“ heute bei arte und in der Mediathek

Arte zeigt „Der Billionen-Prozess: Wer bezahlt die Klimakatastrophe?“ am Dienstag, 29. September 2026, nach aktueller Programmangabe um 23:15 Uhr.

Parallel steht die Dokumentation online zur Verfügung. In der arte-Mediathek ist sie bis zum 27. Dezember 2026 abrufbar. Damit lässt sich der Film auch unabhängig von der linearen TV-Ausstrahlung ansehen.

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