
Münster. Ein einziges Musikstück, mehr als 30 Pianistinnen und Pianisten und ein Konzert, das eine ganze Nacht hindurch dauert: In der Dominikanerkirche in Münster steht an diesem Wochenende ein außergewöhnliches Musikerlebnis bevor. Von Samstagmorgen bis Sonntagnachmittag erklingt das Klavierwerk „Vexations“ des französischen Komponisten Erik Satie. Das Besondere: Ein kurzes musikalisches Motiv wird insgesamt 840-mal wiederholt. Der Eintritt zu dem 30-stündigen Konzert ist frei.
Das ungewöhnliche Konzert beginnt am Samstag, 10. Oktober 2026, um 11 Uhr und endet erst am Sonntag, 11. Oktober, um 17 Uhr. Insgesamt dauert die Aufführung damit 30 Stunden. Mehr als 30 Pianistinnen und Pianisten aus Münster und Nordrhein-Westfalen beteiligen sich an dem musikalischen Ausdauerprojekt.
Die Veranstaltung findet im Rahmen des Festivals „KLANGZEIT #13“ statt und wird gemeinsam mit der Kunsthalle Münster organisiert. Besucherinnen und Besucher können das Konzert rund um die Uhr kostenlos erleben. Auch während der Nacht wird die Musik weitergespielt.
Die Dominikanerkirche Münster an der Salzstraße 10 bietet dafür einen besonderen Rahmen. Hier trifft die ungewöhnliche Komposition auf eine bereits bestehende Kunstinstallation des Malers Gerhard Richter.
Im Mittelpunkt steht das 1893 entstandene Werk „Vexations“ von Erik Satie. Die Komposition besteht aus einem kurzen musikalischen Motiv, das nach einer Anweisung des Komponisten 840-mal wiederholt werden soll.
Zu Saties Lebzeiten wurde das Werk nicht in dieser Form aufgeführt. Erst 1963 kam es unter der Leitung des amerikanischen Komponisten John Cage zu einer vollständigen Aufführung. Damals wechselten sich elf Pianisten ab und spielten mehr als 18 Stunden lang.
Das Werk gilt als außergewöhnliches Beispiel dafür, wie die Wiederholung eines einfachen musikalischen Gedankens die Wahrnehmung von Zeit und Klang verändern kann. In Münster wird diese Idee nun auf eine Aufführungsdauer von 30 Stunden ausgedehnt.
Eine weitere Besonderheit ist die Verbindung der Musik mit Gerhard Richters Rauminstallation „Zwei Graue Doppelspiegel für ein Pendel“. Das Kunstwerk befindet sich in der Dominikanerkirche und wurde in Zusammenarbeit mit dem Physikalischen Institut der Universität Münster realisiert.
Im Zentrum steht ein Foucaultsches Pendel, das durch seine Bewegung die Erdrotation sichtbar macht. Während sich das Pendel kontinuierlich bewegt, erklingt Saties Musik in unzähligen Wiederholungen.
Die Dauer des Konzerts ist dabei kein Zufall: Die 30 Stunden entsprechen nach Angaben der Stadt Münster auch dem Zeitraum, in dem sich die Ausrichtung der Pendelbewegung gegenüber dem Boden einmal vollständig dreht. Musik, Physik und bildende Kunst werden damit auf ungewöhnliche Weise miteinander verbunden.
Das Konzert gehört zur 13. Ausgabe des Festivals „KLANGZEIT“, das vom 8. bis zum 11. Oktober 2026 an verschiedenen Orten in Münster stattfindet. Unter dem Motto „BRIDGES“ sollen Verbindungen zwischen unterschiedlichen musikalischen und künstlerischen Ausdrucksformen geschaffen werden.
Mit der 30-stündigen Aufführung von „Vexations“ bietet das Festival einen Programmpunkt, der sich deutlich von einem klassischen Klavierkonzert unterscheidet. Wer die Dominikanerkirche an diesem Wochenende besucht, kann selbst entscheiden, wie lange er der Musik zuhören möchte – für wenige Minuten, mehrere Stunden oder sogar mitten in der Nacht.
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